vergrößernverkleinern
Borussia Dortmund konnte in dieser Saison bereits 18 Treffer feiern © getty

Jürgen Klopp und seine BVB-Jungs haben nach dem Sieg über Bayern München Mühe, die Euphorie in geregelte Bahnen zu lenken.

Von Tobias Hlusiak

München - Das Lachen im Gesicht von Jürgen Klopp war wie festgetackert.

Obwohl der BVB-Trainer rigoros behauptete, "nicht behämmert" zu sein, könnte der Lauf seiner Mannschaft auch "Kloppo" langsam unglaublich vorkommen.

Mit dem sechsten Sieg in Serie hatte sein blutjunges Team zuvor beim 2:0 den FC Bayern niedergekämpft - und Platz zwei der Tabelle gefestigt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Wir können das einordnen", beschwor der Trainer vehement die Geister der Bescheidenheit und Realitätsnähe.

"Einmalig in Deutschland"

Die Fans auf der Südtribüne waren sich zeitgleich über die "Einordnung" der Geschehnisse längst einig geworden.

"Was hier los ist, ist einmalig in Deutschland", schwärmte Mats Hummels und brachte damit zumindest die Stimmung im rappelvollen Dortmunder Stadion auf den Punkt: "Die Fans rasten völlig aus." 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

Noch 20 Minuten nach Abpfiff wurde die Mannschaft von den Rängen mit Ovationen und Sprechchören gefeiert. Damit wurde selbst die spontane Mainzer Karnevalsfeier Tags zuvor getoppt.

Dortmund jagt Nullfünfer

Mittlerweile ist der Kampf um die Ligaspitze zu einem Duell geworden. Vor wenigen Wochen noch belächelt, streiten Dortmund (18 Punkte) und die Mainzer (21) um die Pole Position.

Ein Anblick, an den sich die Konkurrenz - zumindest für die kommenden Wochen - gewöhnen muss. Bereits fünf Zähler beträgt das Polster des BVB auf den Dritten Hannover 96.

Klopp zieht den Hut

"18 Punkte aus sieben Spielen sind angesichts des schweren Auftaktprogramms außergewöhnlich", zieht Klopp ein Zwischenfazit nach den Siegen gegen Stuttgart, Wolfsburg, Schalke, St. Pauli, Kaiserslautern und München ? bei einer Niederlage beim Saisonstart gegen Leverkusen.

"Ich ziehe den Hut vor meinem charakterlich überragenden Team!"

Teamgeist als Erfolgsrezept

In der Tat sind der unbedingte Wille und die Bereitschaft, alles für den Teamkameraden in die Wagschale zu werfen, offensichtliche Stärken der Borussia. Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei - Dortmund überzeugt als eingeschworene Gemeinschaft.

Die Ausgeglichenheit und mannschaftliche Konstanz des BVB sorgen bei der Liga-Konkurrenz für Kopfzerbrechen.

Gegen den FC Bayern schwächelte der zuletzt herausragende Shinji Kagawa etwas. Die kreative Auszeit des Japaners wurde durch Kampf- und Laufstärke der Doppel-Sechs wettgemacht.

Innenverteidiger Neven Subotic erklärte volksnah: "Wir haben gekämpft wie die Geisteskranken!"

Extralob für Bender

Der seit Wochen außerordentlich starke Nuri Sahin und Sven Bender stemmten sich in der ersten Halbzeit gegen Bayerns Angriffsbemühungen und prägten das BVB-Spiel auch in der Offensive.

"Sven hat bestimmt 900 Mal noch in letzter Sekunde den Fuß an den Ball bekommen", adelte Klopp den 21-Jährigen, "und er leitet so ja auch das 1:0 ein."

Sahin markierte mit einem direkten Freistoß zum entscheidenden zweiten Treffer seinen sechsten Scorerpunkt der Saison. "Es darf keiner anfangen zu träumen, wir müssen weiter arbeiten", schloss sich der türkische Nationalspieler den beschwichtigenden Worten seines Trainers an.

Wiederholt sich Geschichte?

Dabei wäre aus Sicht des BVB das Hoffen der Traum von der Meisterschaft keineswegs vermessen.

Vor Mainz starteten zwei Mal in der Geschichte der Bundesliga Mannschaften mit sieben Auftaktsiegen in eine Saison. 1995 gelang dies dem FC Bayern, 2001 zog Kaiserslautern gleich ? Jeweils hieß der Meister am Ende Borussia Dortmund.

"Sollte sich Geschichte zwingend wiederholen wollen, wären wir die Letzten, die sich wehren würden", meinte Klopp.

Der BVB-Coach ergänzte jedoch schnell: "Wir haben aber erst Oktober."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel