Dass Bayerns Trainer auf einen wirklichen Konkurrenz verzichtet, rächt sich heftig - den Nachrückern fehlt das Selbstvertrauen.

Nie mehr "FC Hollywood" - das ist seit Jahren der große Wunsch der Bayern-Bosse.

Stattdessen sollten an der Säbener Straße endlich Ruhe, Kontinuität und dauerhafter Erfolg Einzug halten.

Doch immer wenn man denkt, die Weichen für eine derart glorreiche Zukunft beim FC Bayern seien gestellt, geht der Schuss nach hinten los.

Seit Ottmar Hitzfelds Abgang 2008 ist es nun der dritte Krisen-Herbst in Folge, den der Rekordmeister erlebt.

[image id="e6e34aba-65b0-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Unter Jürgen Klinsmann war es der Anfang vom Ende, unter Nachfolger Louis van Gaal dagegen schaffte das Team mit einem enormen Kraftakt im vergangenen Jahr noch die Wende.

Nach dem souveränen Double-Sieg, dem Einzug ins Champions-League-Finale, dem Einbau von Shootingstars wie Müller und Badstuber sowie der allgemeinen Begeisterung für "Feierbiest" van Gaal schienen die Weichen für große Zeiten gestellt.

Und nun das: Selbst Uli Hoeneß spricht nach der Pleite in Dortmund und dem schlechtesten Saisonstart aller Zeiten vom "Super-GAU" - dem größten anzunehmenden Unfall.

Harmlos, kraftlos, ratlos - der Meister ist nur noch Mittelmaß.

Sicherlich zeigen die WM-Strapazen, denen kein Bundesligist so extrem ausgesetzt war wie der FCB, seine deutlichen Nachwirkungen. Führungsspieler wie Lahm, Schweinsteiger und van Bommel laufen ihrer Form weit hinterher.

Doch die Probleme liegen tiefer: Wie kann eine solche Ansammlung von Topstars beim Ausfall ihrer beiden besten Offensivspieler so derart zusammenbrechen?

Warum nutzen die Nachrücker mit internationalem Format wie Kroos, Altintop, Klose usw. ihre vielen Chancen nicht, die verletzten Robben und Ribery vergessen zu machen?

Und so landet man schließlich doch beim Trainer, ungeachtet seiner fachlichen Kompetenz. Denn van Gaals Philosophie, einer eingespielten Elf zu vertrauen und im Prinzip bewusst auf Konkurrenzkampf zu verzichten, rächt sich nun.

Van Gaal hatte schon in der Vorsaison die Millionen-Zugänge Gomez und Tymoshchtuk sowie mit Abstrichen auch Klose, Pranjic oder Braafheid ihres Selbstvertrauens und damit auch ihrer Stärken beraubt, indem er ihnen klarmachte, dass sie für ihn nur zweite Wahl sind.

Gleiches galt vor der Saison für Demichelis. Hätte der Vorstand nicht sein Veto eingelegt, hätten der Argentinier ebenso wie Gomez und Tymoshchtuk schon im Sommer mangels Perspektiven den FCB verlassen.

Das fiel im vergangenen Jahr nicht weiter ins Gewicht, weil dafür Müller, Badstuber, Contento oder Alaba ins Rampenlicht drängten - und dabei überzeugten.

Doch nun fehlen dem Trainer die Alternativen. Denn plötzlich sollen und müssen ausgerechnet diejenigen den etablierten Kräften Dampf machen, die van Gaal zuvor Monate lang schlecht geredet hat.

Dass das nicht auf Knopfdruck gelingen kann, zeigte die Partie in Dortmund, wo Gomez, Pranjic und Braafheid mit dem Team untergingen und der eingewechselte Demichelis sogar mit zwei Patzern zum "Match-Loser" wurde.

Es wird spannend zu beobachten, ob und wie der als stur geltende van Gaal nun seine Personalpolitik ändert. Mit dem "Weiter-so" ist er jedenfalls vollumfänglich gescheitert.

Der Niederländer hat zwar nach der Vertragsverlängerung noch genug Kredit bei den Bossen, um die Wende in Angriff zu nehmen.

Doch van Gaal muss jetzt den Absturz aufhalten. Sonst werden auch bei ihm früher oder später die Gesetze der Branche greifen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel