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Karl-Heinz Rummenigge wurde mit dem FC Bayern 1980 und 1981 Deutscher Meister © getty

Mit deftigen Worten beschwört Karl-Heinz Rummenigge eine Trendwende beim kriselnden FC Bayern. Er attackiert die Nationalspieler.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Die Lederhose musste Karl-Heinz Rummenigge im Schrank lassen.

Strahlendes Oktoberwetter hin oder her.

Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern stellte sich stattdessen am Montagmittag in Jackett und weißblauem Hemd den Reportern an der Säbener Straße.

Geplant war noch vor dem Wochenende ein Bummel übers Oktoberfest.

Allein der Auftritt des obersten Bayern-Bosses zeigte, wie ernst die Münchner die aktuelle Lage nehmen.

Der traditionelle Wiesn-Besuch wurde nach der 0:2-Niederlage in Dortmund kurzerhand gestrichen, stattdessen mussten die Profis in einem kurzfristig einberaumten Training auf dem Platz schwitzen. 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

"Hart arbeiten, nicht feiern"

"Ich denke, es ist nicht angebracht, sich auf der Wiesn zuzuprosten, wenn man verliert", erklärte Rummenigge auf SPORT1-Nachfrage.

"Wir sind in einer Situation, in der wir die Dinge sehr konzentriert angehen müssen. Wir müssen jetzt hart arbeiten, nicht feiern."

Präzise analysierte Rummenigge die Situation und machte spürbar, wie sehr es den Stolz der Bayern-Verantwortlichen kränkt, auf Tabellenplatz zwölf der Musik hinterlaufen zu müssen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Jetzt stecken wir in der Scheiße, jetzt müssen wir sehen, wie wir aus der Scheiße wieder rauskommen", polterte der FCB-Boss.

Kritik an den Nationalspielern

Drastische Worte, die man vom zumeist eleganten und geschliffenen Rummenigge sonst nur selten hört. "Ich teile die Meinung von Uli Hoeneß, dass einige mit Höhenluft Probleme haben", sagte er und fügte eine Spitze an die Nationalspieler an:

"Es wird Zeit, dass einige die WM abhaken."

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Man könne gern, warnte Rummenigge mit ironischem Unterton, "den ein oder anderen erden, wenn er der Meinung ist, zu hoch zu fliegen."

"Mal etwas rustikaler zu spielen"

Wie unmittelbar nach dem Dortmund-Spiel am Sonntagabend beschwor der 55-Jährige die Tugenden Kampf und Einsatz, empfahl "mal etwas rustikaler zu spielen, wenn es filigran nicht geht."

Die lange Länderspiel-Pause schmerzte den FCB-Boss besonders. Denn nun muss der Rekordmeister bis zum 16. Oktober warten, ehe er die Schmach wettmachen kann.

"Ich erwarte, dass wir gegen Hannover die Fans entschädigen für das, was wir in letzten drei, vier Spielen in der Bundesliga abgeliefert haben", forderte Rummenigge.

Lob für Gomez

Mit dem Abstand von einer Nacht analysierte er das Geschehen von Dortmund allerdings schon mit ein wenig mehr Gelassenheit, "Episoden" hätten in dem "kuriosen Spiel" den Ausschlag gegeben.

"Mario Gomez hat ein gutes Spiel gemacht", lobte er sogar das Sorgenkind im Münchner Sturm. Aus Rummenigges Sicht fehlt dem Angreifer der Spielrhythmus, nachdem er zuletzt in der Vorsaison in der Startelf gestanden hat.

Und auch dem Nationalspieler riet Rummenigge zu fleißiger Arbeit, um aus der Krise rauszukommen. Dabei brachte der ehemalige Starstürmer seinen eigenen "Lehrmeister Gerd Müller" in Erinnerung.

"Er hatte auch Phasen von sechs bis acht Spielen, in denen er nicht getroffen hat, war dann aber im Training giftig, bis er wieder seine Tore gemacht hat", meinte Rummenigge.

Rückendeckung für van Gaal

Aus der Analyse des Dortmund-Spiels heraus stellte er sich hinter Louis van Gaal, bescheinigte ihm "einen super Job".

Die Tore könne jedoch der Trainer weder selbst schießen noch verhindern.

Unmittelbar vorm Champions-League-Spiel gegen Basel hatten die Münchner den Vertrag mit dem Niederländer bis 2012 verlängert.

Die Null-Einkaufspolitik im Sommer verteidigte Rummenigge ebenso, schließlich habe die der "ganze Vorstand" einstimmig abgesegnet.

Ob denn die Münchner zur Winterpause nun nachlegen?

"Ich kann das nicht seriös beantworten. Heute ist der 4. Oktober, ich kann noch nicht sagen, ob das notwendig ist."

Auch die Entscheidungen um mögliche Vertragsverlängerungen wie bei Kapitän Mark van Bommel fallen nach Rummenigges Worten erst in der Winterpause.

"Müssen außergewöhnliche Dinge korrigieren"

Und trotz der aktuellen misslichen Lage gab der Vorstandsboss sich kampfeslustig. "Ich bin nicht bereit, nach sieben Spieltagen die Ziele zu korrigieren", sagte er mit Blick auf das Meisterrennen, in dem der FCB schon 13 Punkte Abstand auf Mainz vorweist.

"Wir müssen jetzt zeigen, dass wir in der Lage sind außergewöhnliche Dinge zu korrigieren."

Spätestens im nächsten Jahr will Rummenigge schließlich wieder Lederhose tragen.

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