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Mario Gomez (l.) wechselte im Sommer 2009 für ca. 35 Millionen vom VfB zu den Bayern © getty

Der Nationalspieler trifft weiter das Tor nicht, zeigt aber dennoch seine Stärken - und er erhält Rückendeckung von höchster Stelle.

Von Nikolai Kube

München - Es ist kein schönes Wort.

Karl-Heinz Rummenigge scheute sich nicht davor, es in den Mund zu nehmen, das Wort "Krise". Uli Hoeneß sprach sogar von einem "Super-GAU". 295428(DIASHOW: Bayerns Höllenjahre)

Die Aussagen der Bayern-Bosse sind nach der neuerlichen Pleite in Dortmund unmissverständlich: Es ist fünf vor zwölf beim Deutschen Meister, weitere Niederlagen könnten das Fass zum Überlaufen bringen.

Erden müsse man einige Stars nach der überragenden letzten Saison, die im Champions-League-Finale endete, sagte Rummenigge.

Einen klammerte der Vorstandsvorsitzende explizit aus: "Mario Gomez hat mir den Eindruck vermittelt, dass er verstanden hat, um was es geht."

Gomez also, der von vielen selbsternannten Experten bereits als Fehleinkauf des Jahrhunderts abgestempelt worden war.

Erstes Spiel von Beginn an

Der von Trainer Louis van Gaal öffentlich als "nicht sein Transfer" bloßgestellt wurde.

Der in Dortmund zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an ran durfte, sich ansonsten mit Einwechslungen rund um die 75. Minute zufrieden geben musste.

Und damit nicht genug: "Ich fand, dass Gomez gut gespielt hat - vor allem vom Engagement her", sagte Rummenigge weiter und stärkte dem kriselnden Nationalspieler demonstrativ den Rücken.

Es waren Worte, die dem Stürmer runtergegangen sein dürften wie Öl. Galt er in den letzten Monaten doch zumeist als Sinnbild der Bayern-Probleme.

Pech in den entscheidenden Szenen

Dennoch: Auch Gomez löste das Sturm-Problem der Münchner in Dortmund nicht, blieb nach unglücklichen 90 Minuten ohne Treffer. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Er rackerte, kämpfte und sprintete. In den entscheidenden Situationen wirkte der Ex-Stuttgarter jedoch gehemmt. 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag)

Mal beförderte er den Ball aus drei Metern neben den Pfosten, mal rutschte er vor dem Tor aus oder verlor den Zweikampf gegen den Dortmunder Sven Bender vor dem 0:1.

Zeit endültig abgelaufen?

Und so hinterlässt sein Auftritt jede Menge Spielraum für Spekulationen.

Die einen prophezeien, seine Zeit bei den Bayern wäre nun endgültig abgelaufen. Die anderen, wie Rummenigge, haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass gerade bei Gomez der Knoten bald platzen wird.

"Man hat eben gemerkt, dass ihm noch der Rhythmus fehlt", forderte der Bayern-Boss indirekt weitere Einsätze des Stürmers ein.

Zufrieden mit seinem Spiel

Auch Gomez selbst stellte sich ein zufriedenstellendes Zeugnis aus: "Ich habe alles dafür getan, um erfolgreich zu sein. Ich habe mein Bestes gegeben, ich glaube, das ist mir auch gelungen."

Für die teils extreme Kritik der letzten Wochen an seiner Person hat er wenig Verständnis, sie nervt ihn sogar: "Bis vor wenigen Wochen wurde mir vorgeworfen, dass ich steif bin, nicht mehr beweglich, nicht schnell."

"Sie können ja mal den Subotic oder den Hummels fragen, wie unbeweglich oder wie langsam ich bin", sagte Gomez äußerst gereizt und spielte damit auf einige Szenen an, in denen er den Innenverteidigern der Borussia Probleme bereitet hatte.

Aber auch er weiß: "Einzelschicksale sind nicht entscheidend."

Auch Klose und Olic außer Form

Seinen Sturmpartner in München ergeht es derzeit nicht besser.

Auch Miroslav Klose, der in Dortmund 90 Minuten auf der Bank schmorte und Deutschland gegen die Türkei am Freitag in der EM-Qualifikation zum Sieg schießen soll, sowie Ivica Olic laufen ihrer Form hinterher.

Besonders bei Olic ist es verwunderlich, denn der kroatische Nationalspieler absolvierte die komplette Vorbereitung ohne WM-Stress und sollte zumindest körperlich in einem Top-Zustand sein.

Kein einziges Stürmertor

Doch dem ist nicht so und daher weist die Offensiv-Bilanz des Rekordmeisters ernüchternde Werte auf:

Die Bayern erzielten bislang kein einziges Stürmer-Tor, denn Thomas Müller gilt als offensiver Mittelfeldspieler.

Von 114 Torschüssen (Platz zwei hinter Dortmund) hat Bayern nur 3,51 Prozent verwandelt (Platz 18). Und 47 Mal ballerten die Münchner vorbei oder drüber. Der Rest wurde von Gegner oder Latte abgewehrt.

Zahlen, die eines Deutschen Meisters unwürdig sind.

"Sollen wir den Laden zusperren?"

"Was sollen wir machen? Sollen wir den Laden zusperren?", fragte Klose und fügte an: "Wir müssen weitermachen. Wir üben das im Training und sehen, dass wir das gut hinkriegen. Aber wir müssen das im Spiel umsetzen, das ist das Entscheidende."

Ob Klose dazu nach der Länderspielpause überhaupt die Chance bekommt, oder ob van Gaal nun Gomez das Vertrauen schenkt, bleibt abzuwarten.

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