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Uli Hoeneß (l.) bezeichnete die Lage des FCB nach dem 0:2 in Dortmund als "Super-GAU" © getty

Mit viel Einsatz und Energie will Trainer van Gaal mit dem FC Bayern zurück an die Spitze. Präsident Hoeneß fordert Resultate.

Von Rainer Nachtwey

München - Er lächelt in die Kameras, begrüßt ein paar Medienvertreter per Handschlag, gibt sich locker und gelöst, scherzt mit der Moderatorin.

Trotz der angespannten Situation beim FC Bayern München nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte gibt sich Trainer Louis van Gaal bei der Vorstellung seines Buches "Louis van Gaal, Biographie Vision" gut gelaunt 295428(DIASHOW: Bayerns Höllenjahre).

"Ich bin ein offener Mensch. An meinem Gesicht kann man immer lesen, was ich fühle", sagt van Gaal, als er über seine Biografie spricht.

Von der Mannschaft überzeugt

Bevor er jedoch auf sein literarisches Werk zu sprechen kommt, beantwortet er Fragen zur aktuellen Situation des FC Bayern.

"Wir machen eine schwere Periode durch", sagt van Gaal. "Da müssen wir so schnell wie möglich raus. Das erfordert viel Einsatz und Energie von mir, meinem technischen Stab und von den Spielern."

Einfach wird es nicht, den Rückstand aufzuholen. Das weiß van Gaal. "Aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen", sagt er und schiebt mit Nachdruck hinterher: "Natürlich glaube ich daran." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hoeneß kontert WM-Einfluss

Derzeit wirken viele Einflüsse auf die Mannschaft ein, erklärt er, "Einflüsse, die wir nicht alle kontrollieren können".

Der WM in Südafrika schiebt er dabei eine gewichtige Rolle zu. "Die Saison nach so einem Turnier ist nie einfach", erklärt er.

"Was war denn 1974?", erinnert van Gaal an den Absturz der Bayern in der Meisterschaft, als sie nur Platz zehn belegten, und deutet auf den damaligen Spieler und jetzigen Präsident Uli Hoeneß.

Bis Weihnachten in Schlagdistanz

Hoeneß geht indes auf Konfrontation. "Es hat keinen Sinn, immer auf die WM zurückzuschauen, Ausreden darf es nicht mehr geben", sagt der Präsident im Anschluss an die Präsentation (Rummenigge: "Wir müssen raus aus der Scheiße").

Bis Weihnachten, behauptet er, werde der FC Bayern wieder bis auf "fünf, sechs, sieben Punkte" an Mainz dran sein.

Kritik am Vorstand

Aber auch van Gaal übt Kritik an den Bayernbossen. "Es ist nicht gut, dass der Vorstand immer ein offenes Ohr für die Spieler hat", sagt er und vergleicht die Spieler mit "trotzigen Kindern" 294057(DIASHOW: Der 7. Spieltag).

Das mache ihm die Arbeit schwer. "Es wäre besser, wenn mein technischer Stab und ich uns darum kümmern. Es kostet mich viel Energie und den Vorstand viel Energie."

Aber etwas resignierend sagt er: "Ich habe mich daran gewöhnt."

Wegen Baby auf die Bank

Zu den derzeitigen Einflüssen zählt van Gaal auch die Erfolge der vergangenen Saison und private Faktoren wie eine neue Freundin oder ein Baby.

In Barcelona habe er einst einen Spieler auf die Bank gesetzt, weil er seinem Kind nachts die Flasche gegeben hat.

"Er war nicht fokussiert genug", begründet van Gaal seinen damaligen Schritt. "Ich bin ein Perfektionist."

Bayern fehlt die Kreativität

Was dem Perfektionisten missfällt, sind die vielen Verletzten. "Sieben", zählt er auf.

"Dem FC Bayern fehlt die Kreativität links und rechts von Robben und Ribery", sagt van Gaal, verteidigt aber die Transferpolitik.

"Wir hätten auf die Verletzungen reagieren können, aber was, wenn sie dann wieder fit sind? Robben ist von Real Madrid weggegangen, weil er zu wenig gespielt hat."

Van Gaal will immer gewinnen

Die derzeitige Situation mit dem schlechten Saisonstart und drei Niederlagen aus sieben Partien beschäftigen ihn daher sehr. Denn er will immer gewinnen.

"Egal, ob ich mit meiner Frau Tennis spiele oder Karten oder Mensch-Ärger-Dich-Nicht. Ich kann nicht gut verlieren", sagt van Gaal und lacht dabei.

Seine Laune müsste demnach noch viel besser sein, wenn auch der FC Bayern wieder gewinnt.

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