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Martin Jol trainierte Tottenham Hotspur bevor er zum Hamburger SV kam © getty

Nach der dritten 0:3-Auswärtspleite redet beim HSV keiner mehr von der Meisterschaft. Trainer Jol denkt an eine Systemänderung.

Von Felix Götz

München - Nach der 0:3-Packung bei Hannover 96 und dem Abrutschen auf Platz fünf redet beim Hamburger SV vorerst keiner mehr von der Meisterschaft. "Wer den Anspruch hat oben zu stehen, dem darf so etwas nicht passieren", sagte Sportchef Dietmar Beiersdorfer.

Dabei ist es gerade sieben Wochen her, dass HSV-Idol Uwe Seeler nach dem dem 3:2-Sieg gegen Bayer Leverkusen verkündete: "Die Meisterschaft ist drin."

Seither ist einiges passiert: In der Fremde präsentierten sich die Hamburger nicht nur in Hannover, sondern auch in Hoffenheim (0:3) und in Wolfsburg (0:3) völlig von der Rolle.

Eindeutig zu wenig für einen Titelkandidaten. "Wir müssen auswärts besser spielen", nörgelte HSV-Coach Martin Jol nach der Niederlage in der AWD-Arena.

Zum fünften Mal 0:2 nach 25 Minuten

Nach 18 Minuten lag der HSV bei den Niedersachsen bereits durch Tore von Bastian Schulz und Jan Schlaudraff zurück.

Bereits zum fünften Mal dauerte es in dieser Saison nicht länger als 25 Minuten, ehe die Norddeutschen einem 0:2-Rückstand hinterherliefen.

"Wir tun uns schon in der ganzen Saison in den ersten 25 Minuten sehr schwer, weil wir nicht aggressiv genug sind. Wenn man dann 0:2 zurück liegt, dann ist es ganz schwer ins Spiel zurückzukommen", resümierte ein enttäuschter Piotr Trochowski.

Alle Niederlagen auswärts

Zu Beginn der Saison gelang es den Hamburgern noch, diese Rückstände umzubiegen. "Es ist ärgerlich, dass wir so früh in Rückstand geraten. Dass es nach drei englischen Wochen schwierig ist zurückzukommen, ist ganz normal", versucht Bastian Reinhardt zu erklären, warum das jetzt nicht mehr klappt.

Das macht sich vor allem in der Fremde bemerkbar, wo der HSV alle drei Saisonniederlagen kassierte und aus den letzten vier Partien nur drei Punkte bei 2:10-Toren sammelte.

Insgesamt musste das Team von Trainer Jol auswärts 14 Gegentreffer hinnehmen. Eine schlechtere Bilanz hat keine andere Mannschaft vorzuweisen. Zuhause liegt der HSV dagegen mit vier Siegen und einem Remis voll auf Kurs.

"Unfassbar naiv"

"Wir schlagen uns selbst und sind auf dem Boden gelandet. Diese Vorstellung war einfach unfassbar naiv", meinte Kapitän David Jarolim nur.

Beim 1:0 durch Schulz sah Frank Rost nicht gut aus. "Den Flatterball habe ich etwas anders eingeschätzt und ich hatte nicht das nötige Glück, das Tor zu verhindern", räumte der Torhüter zumindest eine Teilschuld ein.

Jol denkt an Systemänderung

Beim zweiten Treffer war es Innenverteidiger Joris Mathijsen, der den Ball fahrlässig vertändelte und somit Schlaudraff den Weg zum 2:0 ebnete.

Weil auch Jol die deutlichen Unterschiede zwischen den Auftritten in Heimspielen und denen in Auswärtsspielen erkannt hat, denkt der Niederländer über eine Systemänderung nach. "Es ist schon auffällig, dass die Spieler auswärts weniger leisten als daheim. Vielleicht müssen wir defensiver spielen."

Aber nicht nur hinten enttäuschte der HSV, sondern auch in der Offensive. Zwar bäumten sich die Hanseaten im zweiten Durchgang auf und drängten Hannover weit in die eigene Hälfte zurück, klare Torchancen blieben allerdings Mangelware.

Balitsch und Schulz räumen ab

Und das, obwohl bei 96 nach dem Ausfall der kompletten Innenverteidigung zwei defensive Mittelfeldspieler erstmals gemeinsam hinten abräumten.

Aber: Christian Schulz und Hanno Balitsch machten ihre Sache großartig. "Hanno und mir hat es richtig Spaß gemacht. Der eine hat für den anderen gearbeitet", sagte Schulz.

Weil die Verteidigung sicher stand und vorne vor allem der an allen Treffern beteiligte Schlaudraff für Wirbel sorgte, konnte Hannover in der 79. Minute den Gästen endgültig den Zahn ziehen.

Hecking zufrieden

Nach einem herrlichen Konter über Schlaudraff und Huszti war es Jiri Stajner, der aus sieben Metern mit seinem Tor zum 3:0 den dritten Saisonsieg perfekt machte.

Dementsprechend zufrieden war Hannovers Trainer Dieter Hecking mit dem leidenschaftlichen Auftritt seiner Elf: "Meine Mannschaft war von der ersten Sekunde an sehr präsent. Auch unsere Verletzungsprobleme in der Innenverteidigung hat sie als Gemeinschaft hervorragend gelöst. Wir müssen den Weg jetzt weitergehen und dürfen uns nicht auf diesem Sieg ausruhen."

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