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Auch Diego (l.) hat sich die Kritik zu Herzen genommen und die richtige Reaktion gezeigt © imago

Mit Diego rechtzeitig zurück zu alter Stärke: Werder hat nach einem nie gefährdeten Sieg gegen Hertha BSC wieder neuen Schwung.

Von Daniel Rathjen

München/Bremen - Es fühlte sich ein bisschen an wie früher.

Jubelstürme brandeten in der grün-weißen Fan-Meute auf, als Werder leichtfüßig wie zu besten Double-Gewinner-Tagen Hertha BSC am Samstag meilenweit abhängte.

Bremen brillierte beim 5:1 (3:0)-Triumph im Weserstadion und verschaffte sich wieder Rücken- statt Gegenwind.

Angeführt von einem endlich mal wieder überragenden Spielgestalter Diego ließ Werder den perplexen Hauptstädtern nicht den Hauch einer Chance.

"Wir mussten unbedingt etwas tun, jeder bei uns kannte doch die Tabellensituation", sagte der Brasilianer nach der Gala und seine dunkelbraunen Augen blitzten dabei.

Top-Klubs in Sichtweite

Wohl wahr, der maue Platz in der Grauzone war ernüchternd. Jetzt hat die Crew von Trainer Thomas Schaaf mit 16 Punkten zumindest wieder Blickkontakt zu den oberen Fünf.

Mit einem Eigentor von Gojko Kacar (14.) begann der Torreigen, die weiteren Treffer erzielten Diego mit sehenswertem Seitfallzieher (20.), Markus Rosenberg (42.) sowie Claudio Pizarro in der 60. und 85. Minute.

Für die schwachen Gäste war lediglich Cicero per Kopfball in der 68. Minute erfolgreich.

"Kopfwäsche" wirkt

Auch wenn die Bremer Verantwortlichen es nicht hören wollten, ihre "Kopfwäsche" für die zuvor augenscheinlich satten Profis hatte Wirkung gezeigt.

"Wir haben heute unser wahres Gesicht gezeigt, so wie der Trainer das gefordert hat", resümierte Abwehrspieler Naldo.

Keeper Tim Wiese ergänzte: "Wir waren richtig aggressiv, von Beginn an da, haben die Berliner nie ins Spiel kommen lassen. Kompliment an die Mannschaft!"

Richtige Reaktion

Das Team hat definitiv die richtige Reaktion gezeigt. Fehlende Disziplin und unflexible Taktik waren vor dem Hertha-Spiel die Hauptkritikpunkte.

Ganz ausgemerzt sind die Schwächen noch nicht. Das sah auch Schaaf, der ebenfalls in der Schusslinie der Kritiker stand.

Gewohnt sachlich analysierte er: "Das war heute ein Sieg, nicht mehr. Über alle anderen Sachen müssen wir uns noch nicht unterhalten."

Schaaf lobt

Später sprach er dann aber doch noch ein paar lobende Worte ans Team: "Die ganze Mannschaft hat besser gespielt, jeder einzelne. Wir haben gut in die Partie gefunden und vieles richtig gemacht, waren im Abschluss besser und haben die Zweikämpfe gewonnen."

Seine Erkenntnisse sind vor allem entscheidend für die am Dienstag anstehende Partie in der Champions League gegen Panathinaikos Athen.

"Wenn wir so weitermachen, dann können wir wieder ganz oben angreifen und auch in der Champions League noch für Furore sorgen", erkannte Naldo dann auch gleich.

Allofs bremst Euphorie

Klaus Allofs war zwar nicht ganz so begeistert, sah aber dennoch eine Art Trendwende: "Ich gehe nicht davon aus, dass der Sieg gegen Hertha nur ein Intermezzo war", erklärte Werders Sportdirektor, der sein Team in der Königsklasse auch psychologisch im Aufwind sieht.

"Wir sind in unserer Gruppe noch ungeschlagen und haben eine gute Ausgangsposition."

Ernüchterung bei Hertha

In Berlin ist dagegen ein wenig Ernüchterung eingekehrt.

Coach Lucien Favre befürchtet sogar, dass für seine Truppe die Bundesliga-Höhenluft auf Dauer doch zu dünn ist: "Ich kenne die Möglichkeiten meiner Mannschaft. Auch nach unseren Auswärtssiegen bin ich nie euphorisch gewesen."

Die Berliner hatten es den Hanseaten allerdings auch sehr leicht gemacht. "Wir waren nur ein Aufbaugegner für Bremen", räumte Hertha-Kapitän Arne Friedrich unumwunden ein.

Unglücksrabe Gäng

Der Nationalspieler war trotz der fünf Gegentore noch der Beste bei den Berlinern, die von ihrer Auswärtsstärke (drei Siege) rein gar nichts mit nach Bremen gebracht hatten.

Einen unschönen Nachmittag verlebte insbesondere Bundesliga-Debütant Christopher Gäng. Der etatmäßige Regionalliga-Keeper musste Stammtorhüter Jaroslav Drobny (Wadenverletzung) vertreten, was ihm nicht gelang: Das erste Gegentor ging auf seine Kappe, auch sonst machte er keinen sicheren Eindruck.

"Ich fühle mich beschissen. Fünf Kisten beim Debüt sind echt hart", sagte Gäng.

Den Bremern war dies freilich egal. Sie nahmen ohnehin keine Rücksicht und blicken nun wieder positiver gestimmt in die Zukunft.

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