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Eine herzliche Umarmung für den Torschützen: Miro Klose herzt Lukas Podolski © getty

Alles gut für FCB-Torschützen Lukas Podolski? Von wegen. Direkt nach dem Schlusspfiff blickt er auf das nächste Transferfenster.

Von Mathias Frohnapfel und Thorsten Mesch

München - Siegessicher wie Napoleon vor seinen großen Schlachten schritt Franck Ribery zum Elfmeterpunkt.

Doch dann stibitzte ihm Lukas Podolski den Ball. Und "König Franck" schaute wohlwollend dem Spielgerät hinterher. Er wusste es in guten Händen.

Ein satter Schuss und es stand 3:1 für den FC Bayern gegen Arminia Bielefeld.

Ein Tor geschossen, eine Vorlage gegeben ? ein perfekter Tag für Lukas Podolski. Könnte man meinen.

Stattdessen ging am Samstagabend die Soap um den Münchner Stürmer direkt nach Abpfiff genau dort weiter, wo sie vorher geendet hatte.

"Mache mir Gedanken"

"Ich werde mir bis zur Winterpause Gedanken machen, wie es weitergeht", sagte Podolski den Reportern im Stadionbauch der Allianz Arena.

Und fügte an: "Ich werde Jogi Löw bitten, mich nur noch gegen die Top 20 der Welt einzusetzen."

Es waren zwei kleine Sticheleien als Antwort auf das, was der 23-Jährige selbst zuletzt einstecken musste.

Systemwechsel auf "Poldis" Kosten

Denn Bayern-Manager Uli Hoeneß sah Podolski jüngst ja mehr als Unterhalter gegen fußballerische Großmächte wie Liechtenstein denn als ernsthaften Top-Angreifer der Bundesliga.

Und Jürgen Klinsmann, sein einstiger Förderer in der Nationalelf?

Er hatte Podolski auf die Bank gesetzt. Dabei fehlte der große Konkurrent Luca Toni verletzt und mit Arminia Bielefeld kam ein Team nach München, das dort letztmals vor 23 Jahren ein Pünktchen mitnehmen konnte.

"Mehr von hinten heraus", wollte Klinsmann das Spiel aufbauen mit Miroslav Klose als einziger Spitze. Die Folge: Podolski blieb draußen.

Stattdessen spielte Klinsmann mit einem massierten Mittelfeld, in dem Tim Borowski und Andreas Ottl Einsatzminuten bekamen.

20 Ecken, 37 Torschüsse

Podolskis Teamkameraden griffen gleich ganz nach Wunsch des Trainers an, machten Druck, erarbeiteten sich Torchancen. Klose traf (25.).

Dann verschuldete der ungewöhnlich unkonzentrierte Martin Demichelis den Elfmeter zum Ausgleich. Artur Wichinarek sagte Danke (30.).

Der Meister stürmte jetzt, als ob es um die Champions-League-Trophäe ging. 20 Ecken, 37 Torschüsse - eine Bilanz, die in etwa diesen Offensiv-Orkan erahnen lässt.

Aber: Die Wende brachte erst Podolski mit dem Pass auf Ribery zum 2:1 (77.)

Elfer sollte Probleme lösen

Der Franzose bedankte sich höflich. "Ich mag ihn sehr", erzählte er nachher fröhlich in die Kameras. Überhaupt sei das Tor wichtig gewesen für Lukas. Und: "Ich habe ihn irgendwie seine Probleme lösen lassen mit dem Elfmeter."

Das war denn doch zu viel des Guten. Verdutzt wie ein Karnevalsprinz, der die Absage des Rosenmontags verschlafen hatte, bekam "Poldi" vor der Partie von seinem Cheftrainer die Systemänderung erklärt.

"Ich war nicht überrascht, aber schon sauer", gesteht er.

Derweil freute sich Klinsmann, dass er den Vize-Europameister zu einer ansehnlichen Leistung gekitzelt hatte.

"Er hat genau die Reaktion gezeigt, die man sich als Trainer wünscht."

Miroslav Klose kam zu einem ähnlichen Schluss. Wie selbstverständlich kam er vor dem Strafstoß seinem Nationalelf-Kollegen zu Hilfe, eskortierte ihn quasi beim Weg zum Elferpunkt.

Sein Kommentar zu "Poldis" Leistungsexplosion: "Manchmal ist es einfacher, wenn man von der Bank kommt, nicht den gewissen Druck hat." Und: "Das Tor hat ihm unheimlich gut getan."

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