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Klaus Augenthaler ist seit März 2010 Trainer beim Drittligisten Unterhaching © getty

Bayern findet aus der Krise, glaubt der frühere Kapitän des FCB. Im SPORT1-Interview analysiert er den verpatzten Saisonstart.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der FC Bayern steht mit dem Rücken zur Wand.

13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz 05 hat der Double-Gewinner des Vorjahres bereits.

Am Samstag gegen Hannover 96 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) zählt nur ein Sieg, doch ausgerechnet jetzt ist die halbe Stammelf verletzt.

Klaus Augenthaler hat in seiner Zeit beim FCB viele Erfolge gefeiert, aber auch manche Krise erlebt.

Siebenmal wurde er mit den Bayern Deutscher Meister, doch er erlebte auch dunkle Spielzeiten wie 1977/78, als die Bayern auf Platz 12 abstürzten. 295428(DIASHOW: Bayerns Höllenjahre)

Im SPORT1-Interview spricht der Trainer der SpVgg Unterhaching über den verkorksten Saisonstart der Münchner, Wege aus der Krise und mögliche Neuverpflichtungen.

SPORT1: Herr Augenthaler, Sie haben in ihrer Karriere neben vielen Triumphen auch schwierige Spielzeiten mit den Bayern erlebt. Woran liegt es, dass es bei den Münchnern derzeit nicht so gut läuft?

Klaus Augenthaler: Das hat mit vielen Dingen zu tun: Die Anstrengungen der WM sind nicht zu unterschätzen. Auch die letzte Saison war schon ein Kraftakt, als viele Punkte aufgeholt werden mussten - gerade bei jungen Spielern wie Müller und Badstuber zehrt das irgendwann. Mit Mainz und Dortmund lässt sich das gar nicht vergleichen, die Jungs waren nicht bei der WM dabei. Und natürlich fehlen Bayern auch Robben und Ribery.

SPORT1: Sie haben selbst an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. Wie wirkt sich eine WM auf die Psyche eines Spielers aus?

Augenthaler: Die jungen Spieler sind im letzten Jahr relativ schnell erfolgreich gewesen. Das Schwierige ist, das über Jahre zu bestätigen. Gerade bei jungen Spielern gibt es schnell mal einen Einbruch. Die Spieler wollen zwar, aber der letzte Schritt fehlt.

SPORT1: Für die Stürmer wird mittlerweile jede Partie zum Schicksalsspiel erklärt. Wie ist ihnen jetzt zu helfen?

Augenthaler: Das sollte nicht dramatisiert werden, der Druck ist generell groß - auch intern von der Vereinsführung her. Schade, dass jetzt ausgerechnet erfahrene Spieler wie Klose und Olic ausfallen, die mit so einer Situation besser umgehen können. Nun bleibt nur noch Gomez im Sturm, aber ihm war zuletzt die fehlende Spielpraxis anzumerken. Gegen Dortmund hätte er ein Tor machen müssen, in der anderen Szene ist er zu egoistisch, da wäre es besser gewesen abzuspielen.

[kaltura id="0_yjkgzuhp" class="full_size" title="Nerlinger will keine Verst rkungen"]

SPORT1: Hat Louis van Gaal durch seine vielen Wechsel allen ein wenig Sicherheit genommen?

Augenthaler: Als Außenstehender kann ich das schwer beurteilen. Ich glaube schon, dass Louis van Gaal aus der täglichen Trainingsarbeit seine Schlüsse zieht.

SPORT1: Warum greift die Verunsicherung auch auf so erfahrene Spieler wie Daniel van Buyten und Martin Demichelis über?

Augenthaler: Van Buyten hatte im letzten Jahr eine super Saison und muss sich jetzt alles wieder erarbeiten. Demichelis wollte nicht auf die Bank und dann war er auf einmal draußen. Ihm fehlt die Spielpraxis, denn normalerweise passieren ihm solche Fehler wie gegen Dortmund nicht. Für mich war Demichelis immer eine Bank bei Bayern.

SPORT1: Flößt der große Name FC Bayern in solchen Situationen wie jetzt auch weniger Respekt ein?

Augenthaler: Natürlich. Nach der 0:2-Niederlage in Kaiserslautern haben sich die anderen Mannschaften gedacht, dass können wir auch schaffen. Jeder weiß, dass es schwer wird, wenn Bayern einen Lauf hat, deswegen halten sie in solchen Spielen richtig dagegen.

SPORT1: Glauben Sie, dass die Bayern in der Winterpause noch mal auf dem Transfermarkt nachlegen werden?

Augenthaler: Ja, das denke ich schon.

SPORT1: Wo sehen Sie denn am ehesten Handlungsbedarf - in der Abwehr oder im Offensivbereich?

Augenthaler: Wenn Demichelis bleibt, glaube ich nicht, dass sie in der Innenverteidigung noch jemanden holen werden: Bayern hat noch Badstuber, van Buyten und mit Breno kommt ein Riesentalent zurück. Ich könnte mir eher vorstellen, dass van Gaal noch einen Außenverteidiger verpflichtet.

SPORT1: Die tägliche Trainingsarbeit oder die Einzelgespräche, was ist aktuell für die Mannschaft wichtiger?

Augenthaler: Beides ist wichtig. Die Spieler brauchen jetzt Erfolgserlebnisse, der Rest kommt dann von alleine. Und die Mannschaft ist ja nicht weit weg - in Dortmund hätte es auch andersrum ausgehen können.

SPORT1: Es gab von Sportdirektor Christian Nerlinger und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer einige kritische Kommentare zur Taktik von van Gaal. Denken Sie, dass von außen Missstimmung in die Mannschaft getragen wird?

Augenthaler: Van Gaal kann damit umgehen. Er ist ein ganz erfahrener Coach, und im letzten Jahr war es ja fast genauso. Seine Philosophie hat Erfolg gebracht und den FC Bayern zu zwei Titeln und ins Finale der Champions League geführt. Das sollte jetzt nicht in Frage gestellt werden, nur weil Beckenbauer oder Nerlinger ihre Meinung kundtun.

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