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So geht das jetzt seit Wochen: Hoffenheim feiert - hier mit Maskottchen "Hoffi" © imago

4:1 über den KSC: Die Hoffenheimer Festspiel-Wochen setzen sich fort. Trotzdem ist das Wort "Meisterschaft" mehr denn je ein Tabu.

Von Christian Paschwitz

München/Mannheim - Manchmal ist Tiefstapelei schwerer als der Höhenflug.

"Über die Meisterschaft zu philosophieren, ist doch völlig unrealistisch", sagte Jan Schindelmeiser also mal wieder.

Noch akzentuierter, als er das seit Wochen sowieso schon tut, um der Euphorie hinsichtlich der grandiosen Fußball-Partys von 1899 Hoffenheim irgendwie entgegenzuwirken.

Des Klub-Managers Worte wider die nationalen Jubelstürme scheinen jedoch so vergebens wie Don Quichotes Anrennen auf seiner Mähre Rosinante gegen Windmühlen-Flügel.

Diesmal kam das erneute Offensivspektakel des Sensations-Aufsteigers daher als ein 4:1 (1:1) im badischen Derby gegen den Karlsruher SC.

Ibisevic legt nach

Top-Torjäger Vedad Ibisevic (15., 75.) erzielte dabei seine Saisontore zwölf und 13. Auch sein kongenialer Sturmpartner Chinedu Obasi (67., 78.) zelebrierte einen Doppelpack. Offensiv- und Kombinationsfußball zum Zunge-Schnalzen. Wie man das eben inzwischen kennt von Hoffenheim.

Diesmal wieder vor den Augen von 26.300 überwiegend begeisterten Zuschauern im erneut ausverkauften Carl-Benz-Stadion zu Mannheim. Die Fußball-Feiern der Kraichgauer gehen weiter. Hoffenheimer Festspielwochen mit Kopf (beim Ibisevic-Tor) und Fuß.

Daran konnte am elften Spieltag auch der zwischenzeitliche Ausgleich von Sebastian Freis (20.) nichts ändern.

Umso komischer wirkte es deshalb, als Schindelmeiser sich zum wiederholten Male mühte, den fünften Sieg seines Klubs in Folge zu relativieren. Mehr noch: Den Begriff Meisterschaft zu tabuisieren.

"Meisterschaft wäre völlig vermessen"

"Das wäre doch völlig vermessen", erklärte der Manager. "Uns mit dem Titel in Verbindung zu bringen, ist das Spiel der Medien. Dabei werden wir nicht mitmachen. Denn dabei können wir nur verlieren."

Doch im Moment sieht es danach überhaupt nicht aus. Denn die Rasselbande von Coach Ralf Rangnick, mit 23,6 Jahren im Schnitt jüngstes Team der Liga, etabliert sich Schrit für Schritt als Titelanwärter. Auch den Karlsruhern erteilten sie eine Lehrstunde.

Dabei zeigten die Gastgeber erneut hohes Tempo auf allen Feld-Positionen, nur in der Anfangsviertelstunde tat sich die TSG ein wenig schwer. Danach schnürten sie den Gegner regelrecht ein im eigenen Strafraum.

Kaum Kritikpunkte

"Ich finde nicht, dass wir gut ins Spiel gekommen sind", meinte Rangnick zwar in der ihm eigenen Art. Aber das wars auch schon, was der Erfolgstrainer kritisieren konnte an einem Auftritt, in dem Hoffenheim mit Direktpassspiel und tollen Ball-Stafetten glänzte.

Was überwog, war sachliches Lob: "Wir sind mit dem Sieg natürlich hochzufrieden", so der Coach. "Die Reaktion der Mannschaft auf das 1:1 war bemerkenswert."

Auch wenn die Innenverteidigung um Marvin Compper beim Ausgleich vergeblich auf Abseits spielte - die Schwachstellen der Hoffenheimer scheinen rar.

Der zweite Anzug sitzt

Nicht bloß wegen des Top-Sturms Ibisevic, Obasi und Demba Ba. Auch nicht wegen der besten Liga-Offensive mit 31 Treffern, für die ebenso Freistoß-Spezialist Sejad Salihovic und Carlos Eduardo verantwortlich zeichnen.

Denn auch die Qualität der Ergänzungsspieler spricht für sich - dass Hoffenheim im Saisonverlauf massiv einbrechen könnte, lässt dies nicht erkennen. Offenbar hat von der Nummer eins bis zur Nummer 25 jeder Akteur Rangnicks totale Offensive verinnerlicht.

Ein Beispiel: Der im Zuge der Gelbsperre von Luiz Gustavo in die Starformation gekommene Tobias Weis. Dessen perfekter Pass in den Lauf von Obasi leitete das 1:0 ein. Der für den angeschlagenen Andreas Ibertsberger nach der Pause eingewechselte Christoph Janker wiederum fügte sich nahtlos in die Viererkette ein.

Auch Becker beeindruckt

Das erkannte auch Gäste-Trainer Edmund Becker neidvoll an, der die fünfte Niederlage in Folge erlebte und mit dem KSC nun mitten im Abstiegskampf steckt. "Wir, die Verantwortlichen, dürfen jetzt keine Fahnenflucht begehen", sagte er. "Wir müssen die Jungs wieder aufbauen, so dass sie wieder an sich glauben."

Kämpferische Worte, die Bewertung der Leistung gegen Hoffenheim klang dagegen fast schon resignierend. "Um momentan gegen eine Mannschaft wie Hoffenheim bestehen zu können, muss man läuferisch alles geben, defensiv gut stehen und wenig Fehler machen. Nur so kann man diese Mannschaft aufhalten."

Mit unfairen Mitteln konnte Karlsruhe die Gastgeber jedenfalls nicht stoppen.

Foulspiel als letztes Mittel

Das war ein weiterer Hinweis auf die Hoffenheimer Überlegenheit: Ist spielerische Überlegenheit nicht zu verhindern, bleiben als letztes Mittel oft nur Foulspiel. So war es vor Wochenfrist schon beim Hoffenheimer Glanzstück in Bochum (3:1).

Trotzdem will Rangnick seine Profis auf dem Teppich zu halten: "Wir sprechen natürlich ständig über die Situation. Die Mannschaft ist völlig klar. Niemand erweckt den Anschein, etwas anderes zu tun, als sich ausschließlich auf das nächste Spiel zu konzentrieren."

Das tun sie seit Wochen. Sehr erfolgreich. Während TSG-Manager Schindelmeiser sich vergebens müht, den Ball flach zu halten.

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