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Mario Gomez wurde 2007 zum Fußballer des Jahres gewählt © getty

Der Bayern-Stürmer fühlt sich ungerecht behandelt und beklagt sein Image. Philipp Lahm erklärt die Auswirkungen der WM-Müdigkeit.

Von Matthias Becker

München - Bayern-Stürmer Mario Gomez fühlt sich ungerecht behandelt und geht verbal in die Offensive.

"In der Öffentlichkeit bin ich der Chancentod. Das ist mein Los, das ich gezogen habe", klagt Gomez im Interview mit der Münchner "tz".

Seitdem er bei der EM 2008 gegen Österreich aus kurzer Distanz das Tor nicht getroffen habe, sei die Wahrnehmung seiner Leistung verschoben, behauptet Gomez:

"Wenn der Ivi Olic, mit dem ich gut auskomme, so wie ich gegen Dortmund gespielt hätte, dann hätte er eine Note 2 bekommen. Und ich? Bekomme eine 5. Da interessieren die Tore, sonst nichts."

"Wir vergeben gleich viele Chancen"

Auch den Vergleich mit dem momentan begehrtesten Bundesliga-Stürmer Edin Dzeko vom VfL Wolfsburg scheut Gomez nicht.

"Im vergangenen Jahr hat er mehr Tore gemacht als ich. die drei Jahre zuvor aber genauso viele", rechnet der Bayern-Profi vor und sagt: "Dzeko hat das Prädikat Weltklasse, ich Chancentod. Dabei vergeben wir gleich viele Chancen." 295428(DIASHOW: Bayerns Höllenjahre)

Er habe die "gleichen Qualitäten, die gleichen Statistiken" wie Dzeko, werde aber komplett anders wahrgenommen, so Gomez zur "tz". "Bei mir wurde durch die Nationalmannschaft vieles ins schiefe Licht gerückt."

Die Statistik gibt Gomez tatsächlich recht. In den Saisons 2007/'08 und 2008/'09 schoss er zusammengenommen 43 Bundesligatore, Dzeko "nur" 34.

Joker-Rolle passt Gomez nicht

Die Gründe für die verschobene Wahrnehmung sieht der frühere Stuttgarter dabei sowohl im Verein als auch beim DFB-Team als die selben an.

"Ich habe in den vergangenen sechs Monaten zwei Spiele von Beginn an gemacht. ich weiß nicht ob es da so einfach ist, die Sicherheit zu haben", sagt Gomez, der bei der 0:2-Niederlage der Bayern in Dortmund erstmals in dieser Saison in der Startformation stand.

[kaltura id="0_0efnwfu4" class="full_size" title="Hoene Mainz ist nicht besser"]

Es sei "offensichtlich, dass mir die Jokerrolle nicht so liegt".

Wechsel überhaupt kein Thema

An seinen Fähigkeiten will der 35-Millionen-Mann deshalb aber nicht zweifeln.

Vielmehr hofft er darauf, bei den kriselnden Münchnern nach der ordentlichen Leistung in Dortmund weitere Chancen zu bekommen.

Einen Wechsel im Winter verweist Gomez nicht komplett ins Reich der Fabel. "Ich möchte beim FC Bayern bleiben, aber ich will auch Spaß am Fußball haben", sagte er.

Lahm klagt über Müdigkeit

Nicht nur Gomez ist der Spaß im Trikot des Rekordmeisters in den vergangenen Wochen gründlich vergangen.

Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm ist aber weniger mit persönlichen Problemen beschäftigt, sondern macht sich Gedanken darüber, ob der Rekordmeister die 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer FSV Mainz 05 überhaupt noch aufholen kann. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Natürlich geben wir nicht auf. Aber wir müssen im Moment erst einmal vorne unsere Tore machen und hinten diese Fehler abstellen", sagte Lahm im Interview mit der "Bild".

13 Zähler Rückstand

Und weiter: "Dann gewinnen wir, holen vielleicht Punkte auf - und dann muss man am Ende sehen, wozu das bei derzeit 13 Zählern Rückstand noch reicht",

Die WM-Müdigkeit dürfe zwar keine Ausrede mehr sein, erklärt Lahm weiter, verrät der "Süddeutschen Zeitung" aber auch: "So kaputt wie nach der (letzten, Anm. d. Red.) Saison war ich noch nie."

"Das ist wie eine Kettenreaktion"

Vor allem das verlorene Champions-League-Finale und die kurze Pause zwischen WM-Ende und Saisonstart habe den Münchnern zu schaffen gemacht.

Durch den verpatzten Saisonstart komme zudem der Druck auf, eine Aufholjagd zu starten und möglichst jedes Spiel zu gewinnen, präzisiert Lahm in der "SZ":

"Das ist wie eine Kettenreaktion: Am Anfang steht die Psyche, dann kommt der Körper, und dann kommt wieder die Psyche, weil man natürlich an Selbstvertrauen verliert."

Bei den Bayern führe diese Konstellation inzwischen zu einer "Lähmung".

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