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Uwe Seeler wurde 1972 zum Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft ernannt © imago

Die HSV-Legende schimpft auf die Vereinsführung und macht Coach Veh für den schlechten Saisonstart verantwortlich.

Von Nikolai Kube

München - Länderspielpause in der Bundesliga.

Bei den meisten Spitzenvereinen kehrt angesichts der vielen abgestellten Nationalspieler gespenstische Ruhe ein.

Nicht so beim Hamburger SV: Zwar steht Trainer Armin Veh derzeit auch nur eine überschaubare Anzahl an Profis zur Verfügung, doch hinter den Kulissen brodelt es.

Der für den ambitionierten HSV enttäuschende Saisonstart mit nur drei Siegen aus sieben Spielen und teils erschreckend schwachen Leistungen rufen nun Uwe Seeler auf den Plan. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kritik an der Vereinsführung

Das HSV-Urgestein nahm bei einem öffentlichen Termin kein Blatt vor den Mund, rechnete mit den Verantwortlichen gnadenlos ab.

"Unsere Probleme sind hausgemacht, das ärgert mich. Ein Verein muss ein Konzept haben. Ich sehe so etwas aber nicht", so der 73-Jährige. "Beim HSV gibt es jedes Jahr einen neuen Trainer, jedes Mal geht alles bei null wieder los. Da kommt keine Kontinuität auf."

Hoffmann wehrt sich

Vernichtende Kritik an der Vereinsführung um den Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann, der sich aber umgehend wehrte.

"Wir hatten in den letzten Jahren einige sportliche Erfolge zu verzeichnen. Dazu zählt aber auch eine durchgängige Ausbildung und Spielphilosophie, so wie wir sie in den vergangenen Monaten mit kompetenten Leuten entwickelt haben."

Nun sei es die Aufgabe für das neue Team um Sportchef Bastian Reinhardt, dieses Konzept fest im Verein zu verankern, so Hoffmann.

Ze links? "Das muss mir einer erklären"

Seeler legte allerdings noch nach: Auch Trainer Armin Veh bekam sein Fett weg.

Für Seeler ist es unverständlich, dass er Techniker Ze Roberto beim glücklichen 2:1-Heimspielsieg gegen Kaiserslautern, in dem sich die Mannschaft in der ersten Hälfte "gar nicht" und nach dem Wechsel "zu wenig" bewegt habe, als Abwehrspieler aufbot:

"Selbst wenn es Personalprobleme gibt, stelle ich solch eine Qualität nicht auf die linke Verteidigerposition. Im Mittelfeld fehlen uns Leute, und Ze spielt links hinten - das muss mir mal einer erklären", so Seeler.

Seeler: Petric muss spielen

Dass Veh Stürmer Mladen Petric in den ersten Saisonspielen nicht berücksichtigte und stattdessen auf Ruud van Nistelrooy als einzige Spitze setzte, sieht die HSV-Legende ebenso als Fehler.

"Petric war letzte Saison unser Goalgetter. Es geht nicht, dass man ihn nur auf die Bank setzt. Das kann man nicht machen. Dann lasse ich halt mit zwei, drei Spitzen spielen", fordert Seeler.

"Elia erschreckt mich"

Und noch eine Personalie bereitet dem Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft Kopfzerbrechen: "Wenn ich Eljero Elia sehe, kriege ich einen Schreck. Ich hoffe, dass Armin Veh das in den Griff kriegt."

Der Niederländer hatte die Fans in der letzten Saison mit seinen Tempodribblings in seinen Bann gezogen, kommt bisher unter Veh aber überhaupt nicht zurecht und war zuletzt nur Joker.

Nun musste er die Länderspiele der Nationalmannschaft gegen Moldawien und Schweden auf Grund einer Fersenreizung absagen.

Fehlende Einstellung

In Sachen Einstellung müsse sich ebenfalls einiges verändern. "Auch wir haben früher mal schlecht gespielt. Keine Frage. Aber die Fans müssen sehen, dass sich die Mannschaft trotzdem bemüht und kämpft."

Dies sei gegen Kaiserslautern nicht der Fall gewesen. "Fußball ist ein Mannschaftssport. Beim HSV ist noch keine Mannschaft zu sehen", so Seeler.

Trotz aller Kritik glaubt Seeler aber auch: "Wenn die Jungs einigermaßen kontinuierlich spielen, müssen sie eigentlich unter den ersten Drei landen und sich für die Champions League qualifizieren."

"Man muss Veh Zeit geben"

Seeler setzt auf Kontinuität, auch wenn der Start mit Veh alles andere als erfrischend war: "Veh bastelt noch, man muss ihm Zeit geben."

Zeit, die Veh derzeit nicht nutzen kann. Denn die meisten kriselnden Leistungsträger weilen bei ihren Nationalteams.

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