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Jörg Butt wechselte 2008 von Benfica Lissabon zum FC Bayern © getty

Der Bayern-Keeper ist die Dauerkrise leid, zumal die Gründe für ihn klar sind. Trainer van Gaal spricht über seine Zukunft.

Von Mathias Frohnapfel

München - Gemeinhin ist er ein Typ für ruhige Töne.

Doch jetzt spricht Bayern-Keeper Jörg Butt schonungslos den Schlamassel an, in dem der Rekordmeister steckt.

Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie heftig die Krise der auf Platz zwölf abgesackten Münchner ausfällt.

"Wir müssen nun Lösungen finden. Und zwar schnell. Die Situation ist dramatisch", sagt der 36-Jährige in der "Bild am Sonntag".

Entscheidende Abwehrfehler

Und natürlich nerven Butt die Aussetzer in der Abwehr am meisten. "Fast alle Gegentore waren vermeidbar. Da muss jeder wacher und aggressiver sein", kritisiert er.

Die Münchner haben zwar in der Bundesliga erst acht Gegentore kassiert und weisen damit den drittbesten Wert aller Bundesligisten auf.

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Aber die Tore, die Bayern kassierte, waren eben meist entscheidende. Die Abwehrroutiniers Daniel van Buyten und Martin Demichelis patzten derart, dass sich die Bayern-Fans verzweifelt die Haare rauften.

"Auch ich kann nicht zufrieden sein"

Und auch Nationalspieler Philipp Lahm ist nicht in der Form der Vorsaison.

Doch auf Einzelkritik verzichtet Butt. Er packt stattdessen alle Mitspieler bei der Ehre, bemängelt: "Keiner kann mit sich zufrieden sein, auch ich nicht."

Was den Bayern aktuell fehle? "Man kann viele Worte verwenden, die uns derzeit fehlen: Konzentration, Entschlossenheit oder Aggressivität", schimpft der FCB-Torwart.

Eine Einschätzung, die aus Butts Sicht auch auf den einst gefürchteten Bayern-Sturm zutrifft.

Rüge für den Angriff

Den Ausfall der trickreichen Einzelkönner Arjen Robben und Franck Ribery lässt Butt nicht als Ausrede gelten.

"Der letzte Tick Entschlossenheit fehlt, mal eine kreative Aktion zu zeigen. Ansonsten hätten wir mehr Tore geschossen", teilt er den Vorderleuten aus der Abteilung Attacke mit.

Butt als Wachmacher der Bayern. Die Mannschaft hat ihn in dieser Saison bereits in dieser Rolle erlebt: Während des Champions-League-Spiels in Basel hielt er eine Halbzeitansprache, trieb das Team an, am Ende stand der 2:1-Sieg.

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Glaube an Titel möglich

Jetzt hofft er trotz aller Schwierigkeiten auf eine Trendwende im Meisterrennen.

295428(DIASHOW: Bayerns Höllenjahre)

Der gebürtige Oldenburger glaubt weiter an den Titel und warnt zugleich: "Es wird brutal schwer für uns."

Gegen Hannover müssen die Bayern am Samstag die vielen guten Vorsätze in die Tat umsetzen.

96-Präsident stichelt

Vom Gegner kommt eine freche Spitze.

96 fehlen die gelb-gesperrten Innenverteidiger Karim Haggui und Emanuel Pogatetz. Präsident Martin Kind ist das schnuppe: "Gegen diese Bayern können wir eigentlich auch ohne Innenverteidiger spielen", sagt er scherzhaft.

Bayern-Trainer Louis van Gaal muss sich im Moment solche Sprüche gefallen lassen. Zumal er aktuell mächtig für seine jetzt auf erschiene Biographie in sämtlichen Medien trommelt.

Van Gaal auf Dauer-Promotion-Tour

Nach der offiziellen Vorstellung am Mittwoch in München, las der Niederländer am Freitag auf der Buchmesse, war am Samstag im "aktuellen Sportstudio" zu Gast.

Und am Sonntagmorgen hörte man auf "Bayern 3", wie van Gaal seine Laufbahn als Erfolgstrainer schilderte.

Die Münchner Krise verfolgte ihn allerdings genauso hartnäckig wie alle artigen Kompliment zu seinem Buch. "Uns fehlen in der Bundesliga nur fünf Prozent", stellte er überraschend optimistisch fest.

Bleibt van Gaal über 2012 hinaus?

Im ZDF wurde van Gaal vor einer Bücherwand und mit Leselampe inszeniert. Eine Gelegenheit, bei der der 59-Jährige auch über seine Zukunft sprach.

Er schloss dabei nicht aus, nach dem Ablauf seines gerade verlängerten Vertrags bei Bayern München zu bleiben. Noch immer habe er zwar das Ziel, Nationaltrainer zu werden, deshalb habe er beim FCB auch nur bis 2012 unterschrieben.

Seine oberste Prämisse aber sei der Erfolg. "Ich will etwas gewinnen. Wenn kein gutes Land kommt, werde ich das nicht machen, und vielleicht werde ich, wenn Bayern München das will, dann auch noch bei Bayern München bleiben", erklärte van Gaal.

Doch das ist Zukunftsmusik, die Sorgen in der Liga bleiben aktuell.

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