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Felix Magath wurde zweimal mit Bayern und einmal mit Wolfsburg Meister © getty

Der Schalker Trainer sieht seine Elf von den Schiedsrichtern benachteiligt. Mit seiner Personalpolitik wolle er Grundlagen schaffen.

Von Thorsten Mesch

Gelsenkirchen/München - Nur vier Punkte aus den ersten Spielen, Platz 17 - Felix Magath hat mit Schalke 04 einen glatten Fehlstart in die Bundesligasaison hingelegt.

Doch der Trainer der Königsblauen sieht die Gründe für die sportliche Misere nicht nur in der eigenen Leistung, sondern wittert offenbar eine Schiedsrichterverschwörung gegen seine Mannschaft.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben sieben Spiele viermal in Unterzahl beendet. So etwas habe ich in meiner Trainerkarriere noch nicht erlebt", sagte Magath in einem Interview mit dem Medienhaus "Bauer".

Der Coach beklagte Unverhältnismäßigkeiten in der Bewertung von Szenen, die zu Platzverweisen gegen seine Spieler geführt hätten.

"Die Art und Weise war für mich nicht stimmig. Uns fehlt da auch die Lobby. Was meinen Sie, wenn das dem FC Bayern passiert wäre? Da wäre das Geschrei groß gewesen. Bei uns wird das übergangen", behauptete Magath.

Entwicklung schon seit dem ersten Spieltag

In seinen Augen spiele schon die erste Partie in Hamburg eine wichtige Rolle, erklärte Magath.

Bei der 1:2-Niederlage in der Hansestadt hatte Benedikt Höwedes in der 60. Minute nach einer vermeintlichen Schwalbe eines HSV-Profis die Ampelkarte gesehen.

"Da setzte eine Entwicklung ein", so Magath, der kein Disziplinproblem in seiner Mannschaft sieht.

"Nein! Das kann ich nicht erkennen", betonte Magath und führte einen anderen Beleg seiner Benachteiligungs-Theorie an.

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In Freiburg und Nürnberg benachteiligt

"Zum Beispiel in Freiburg: Da wurde ein Ellbogenschlag eines Freiburger Spielers nur mit einer Gelben Karte geahndet", beschwerte sich der Ex-Profi über die Regelauslegung von Referee Felix Zwayer, der Freiburgs Oliver Barth nach einer eindeutigen Tätlichkeit gegen Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar nicht vom Platz stellte.

Schalke gewann die Partie dennoch durch ein Huntelaar-Tor in der 87. Minute, doch an Magaths Meinung ändert das nichts: "Bisher gab es schon einige Schiedsrichterentscheidungen gegen uns."

Beim 1:2 in Nürnberg sei Schalke zuletzt "ein klarer Elfmeter verweigert" worden.

Erklärbare Leistungsschwankungen

Die vermeintlichen Fehlentscheidungen der Unparteiischen seien allerdings nicht der einzige Grund für die schwankenden Auftritte seiner Mannschaft.

Man müsse "auch akzeptieren, dass die Mannschaft nach einem Champions-League-Spiel einen schwächeren Tag haben kann und nicht die erwartete Leistung bringt", erklärte Magath.

Druck durch überkochende Emotionen

Dass dies den Schalker Fans nicht immer leicht fällt, weiß der Coach.

Emotionen seien "unheimlich hilfreich, für die Stimmung im Stadion, für die Außendarstellung des Vereins. Aber manchmal kochen die Emotionen über", meinte Magath.

"Die Liebe zum Klub ist hier intensiver als in anderen Vereinen. Deshalb übt das Ganze auch mehr Einfluss auf die Mannschaft aus."

Er als Trainer müsse "auch einen Weg finden, dass die Emotionen von den Spielern nicht als Druck empfunden werden."

Das viele Dinge nun in Frage gestellt werden, wunderte Magath nicht: "Das ist überall so. Wenn ich vier Spiele in Folge in der Bundesliga nicht gewinne, dann ist das eine nachvollziehbare Reaktion."

"Habe nicht zuviel verändert"

Den radikalen Umbau des Kaders in der Sommerpause verteidigte der Schalker "Trainer-Manager".

"Ich habe nicht zu viel verändert. Denn die Personalpolitik ist darauf ausgerichtet, um Grundlagen zu schaffen, damit Schalke national und international eine noch bessere Rolle spielt", erklärte Magath und führte an:

"Der Umbruch musste jetzt geschehen, weil wir durch die Qualifikation für die Champions League die finanziellen Mittel hatten, um etwas zu tun. Spieler wie Raul oder Huntelaar hätten wir ohne diesen sportlichen Erfolg nie holen können."

Sportchef Heldt lobt Superstar Raul

Raul sei "sportlich, menschlich und als Aushängeschild ein Riesengewinn für Schalke", betonte Sportchef Horst Heldt im Interview mit dem "kicker".

Der von Real Madrid verpflichtete Superstar stelle sich "absolut in den Dienst des Teams, ist permanent unterwegs, um Struktur ins Spiel zu bringen. Dabei opfert er mitunter seine persönlichen Stärken."

Kellerduell gegen Stuttgart

Er würde sich von Raul nur "wünschen, dass er manchmal mehr Egoismus zeigt."

Am kommenden Samstag können die Schalker zumindest einen treffsicheren Raul gut gebrauchen. Dann kommt Schlusslicht und Magaths sowie Heldts Ex-Klub VfB Stuttgart zum Krisenduell in die Arena.

Und zu verschenken haben die Gelsenkirchener nichts. "Wir müssen erst einmal sehen, dass wir unten herauskommen", stellte Magath fest.

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