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Christian Gross hatte am 6. Dezember 2009 beim VfB übernommen © imago

Der VfB zieht die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt und beurlaubt den Coach. Dies bestätigt Sportchef Fredi Bobic SPORT1.

Von Martin Volkmar

München/Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat überraschend Trainer Christian Gross gefeuert.

Drei Tage vor dem Bundesliga-Kellerduell beim Vorletzten Schalke 04 zog der Tabellenletzte damit die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt.

Entsprechende Meldungen bestätigte Sportdirektor Fredi Bobic SPORT1.

Als Interimscoach übernimmt vorerst Ex-Profi Jens Keller, bisher Gross-Assistent und zuvor Coach der Stuttgarter A-Junioren.

Als Nachfolger sind unter anderem Christoph Daum, Krassimir Balakov und Matthias Sammer im Gespräch.

Die "Stuttgarter Nachrichten" nennen zudem die derzeit vertragslosen Hans Meyer, Bruno Labbadia, Lucien Favre sowie Marcel Koller, der schon nach dem Rauswurf von Markus Babbel vor einem Jahr heiß gehandelt wurde.

Zeitpunkt überraschend

Doch möglicherweise ist der 39-jährige Keller auch eine Dauerlösung.

"Herr Keller wird das Training übernehmen und wir werden die Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten abwarten", sagte VfB-Präsident Erwin Staudt auf einer Pressekonferenz am Mittwochmittag.

Zur Begründung für die Ablösung von Gross sagte Staudt: "Wir haben alle größte Sorge. Es ist die schwierigste Situation in der Bundesliga-Geschichte für den VfB."

Obwohl der Absturz des Europa-League-Teilnehmers die Ursache für die Trennung vom Schweizer war, kommt der Zeitpunkt unerwartet.

Schließlich war nach der 1:2-Pleite am 7. Spieltag gegen Frankfurt eine knapp zweiwöchige Länderspielpause gefolgt, doch zunächst durfte Gross zehn Tage weiterarbeiten.

[kaltura id="0_sop97zcp" class="full_size" title="Stuttgarter Verunsicherung"]

Erste Entlassung in dieser Saison

Gross, der den VfB am 6. Dezember 2009 in einer ähnlichen Krise von Markus Babbel übernommen hatte, ist der erste Coach, der in dieser Saison entlassen wird.

Nachdem der 56-Jährige das Team mit einer starken Rückrunde noch aus dem Tabellenkeller auf Platz sechs geführt hatte, ging es nach der Sommerpause nur noch abwärts.

Sechs Niederlagen in sieben Spielen bedeuten den schlechtesten Bundesliga-Start seit 36 Jahren. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Somit bleibt der Trainerposten in Stuttgart ein Schleudersitz: Seit der Meisterschaft 2007 wurden im Vorjahr Babbel und im Jahr davor Meistercoach Armin Veh gefeuert.

Gross: Stadionausbau leider wichtiger

Gross hatte sich zuletzt zuversichtlich geäußert, die Wende zu schaffen: "Ich bin sicher, dass ich die Mannschaft wieder in die Spur bringen werde."

Gleichzeitig hatte er sich allerdings darüber beschwert, dass der Verein lieber in Steine als in Beine investiert: "Der Verein hat seine Priorität auf die Fertigstellung des Stadion ausgerichtet", sagte er der "Stuttgarter Zeitung".

Es sei jedoch schwierig, seine Ziele zu erreichen, "wenn einem finanziell die Hände gebunden sind".

Zugleich hatte er Neuzugänge in der Winterpause gefordert: "Ich denke, die Khedira-Millionen sind bestimmt noch nicht alle aufgebracht."

12,5 Millionen für neue Spieler

Immerhin rund 12,5 Millionen Euro hat der VfB im Sommer für neue Spieler ausgegeben. Doch die Abgänge von Sami Khedira, Jens Lehmann und Alexander Hleb konnten nicht kompensiert werden.

Chef-Kontrolleur Dieter Hundt hatte zuletzt massive Kritik geübt. "Der Aufsichtsrat ist nicht schuld daran, dass zwischen den Mannschaftsteilen eine ungenügende Abstimmung besteht", erklärte er.

"Der Aufsichtsrat ist nicht schuld daran, dass Stürmer beste Torchancen nicht verwerten. Der Aufsichtsrat hat nicht zu verantworten, dass hochbezahlte Profis total ohne Form sind."

Das Gremium hatte sich vergangene Woche zu einer Krisensitzung mit Bobic getroffen.

Mit Bobic nicht auf einer Wellenlänge

Dass Gross und der neue Sportdirektor nicht auf einer Wellenlänge funken, war ein schlecht gehütetes Geheimnis.

"Fredi Bobic hat auch seine Vorstellungen und seine Ziele. Dabei arbeitet er mit einem Trainer zusammen, den er nicht ausgesucht hat", hatte Gross sogar gesagt

Nationalspieler Cacau wiederum hatte sich hinter seinen Coach gestellt: "Christian Gross ist der richtige Trainer."

Als die Entlassung bekanntgegeben würde, weilte der Stürmer noch auf dem Rückflug vom Länderspiel in Kasachstan.

Umso größer dürfte die Überraschung nach der Landung gewesen sein.

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