Zum dritten Mal in zwei Jahren entlässt Stuttgart seinen Trainer. Daran hat Gross seine Mitschuld, doch die Probleme liegen tiefer.

Offenbar kann man die Uhr danach stellen: Spätestens im Herbst wird es für die Trainer beim VfB Stuttgart ungemütlich.

Im November 2008 musste Armin Veh gehen, im Dezember 2009 Markus Babbel, nun hat es Nachfolger Christian Gross schon im Oktober erwischt.

Veh war zuvor mit dem VfB 2007 überraschend Meister geworden, Babbel hatte das Team aus dem Keller noch in die Champions League geführt, Gross von Rang 15 immerhin in die Europa League.

Doch die Geduld scheint bei der Vereinsführung nicht besonders groß zu sein. Wobei auch Gross genauso wie seine Vorgänger nicht unschuldig an seiner Entlassung war.

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: Letzter Tabellenplatz, sechs von sieben Spielen verloren, schlechtester Saisonstart seit der Abstiegs-Spielzeit 1974/75.

[image id="e3e069f5-65af-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Gross wirkte zuletzt ratlos, verwies lediglich reflexartig auf die fehlenden Neuzugänge. Dabei war er im Sommer federführend bei der Zusammenstellung der Mannschaft.

Er wehrte sich kaum gegen den Abgang von Sami Khedira, setzte auf den unerfahrenen Sven Ulreich als Nachfolger von Jens Lehmann, ließ Julian Schieber und auch Alexander Hleb gehen.

In der Krise rächte sich aber vor allem, dass der sture Schweizer von Anfang an auf Mitstreiter im Klub verzichtet hat.

Der zu Schalke geflüchtete Sportdirektor Horst Heldt war da ebenso außen vor wie Nachfolger Fredi Bobic. Zudem brachte er mit seinen Forderungen zuletzt auch noch Finanzchef Ulrich Ruf und Aufsichtsratsboss Dieter Hundt gegen sich auf.

Vermutlich hat Gross die Verantwortlichen auch ganz zum Schluss noch mal vor den Kopf gestoßen, anders ist der fast panikartige Rauswurf nur drei Tage vor dem Kellerduell beim Vorletzten Schalke 04 kaum zu erklären.

Gut möglich, dass der Coach offiziell Rückendeckung gefordert hat nach den zahlreichen Gerüchten der vergangenen Tage um Christoph Daum, Krassimir Balakov und Matthias Sammer. Stattdessen kam es dann zur Trennung.

Ansonsten hätte der VfB schon unmittelbar nach dem letzten Spieltag handeln können und müssen.

Nun muss ein neuer Mann die Wende schaffen, damit die Schwaben nicht den gleichen Absturz erleben wie Hertha BSC in der letzten Saison.

Das sollte möglich sein, denn die Mannschaft ist nach wie vor wesentlich stärker besetzt als ein Abstiegskandidat.

Spannend wird dann aber zu beobachten sein, was in einem Jahr beim VfB los ist.

Nimmt man die letzten drei Spielzeiten als Maßstab, so liegen die grundsätzlichen Probleme in Stuttgart weniger beim Trainer, sondern beim Vorstand und in der Mannschaft.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel