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Jens Keller (r.) arbeitete seit Dezember 2009 als Assistent von Christian Gross © imago

Der bisherige Assistent soll die Wende schaffen. Staudt spricht von der "schwierigsten Situation unserer Bundesliga-Geschichte."

Stuttgart - Irgendwann im Laufe der vergangenen Tage müssen es die Verantwortlichen des VfB Stuttgart mit der Angst zu tun bekommen haben.

Am 3. Oktober verloren die Schwaben ihr sechstes von sieben Spielen.

Erst eineinhalb Wochen später setzte sich dann im Roten Haus in der Mercedesstraße schließlich die Erkenntnis durch:

Am Absturz auf den letzten Tabellenplatz ist der Trainer schuld, die Wende nicht in Sicht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Christian Gross wurde also am Dienstag beurlaubt, beim Kellerduell bei Schalke 04 am Samstag und auch danach wird der bisherige Co-Trainer Jens Keller auf der Bank sitzen.

"Schwierigste Situation in unserer Geschichte"

"Wir haben alle größte Sorge. Es ist die schwierigste Situation in der Bundesliga-Geschichte für den VfB", begründete Vereinspräsident Erwin Staudt die Trennung von Gross, der nicht einmal ein Jahr lang Trainer der Schwaben war.

Die Verantwortlichen der Stuttgarter trauten dem Schweizer offenkundig nicht mehr zu, nach der besten Rückrunde der Bundesliga-Geschichte und dem schlechtesten Saisonstart der Vereinshistorie noch die Kurve zu kriegen.

"Wir haben vom Trainer Lösungsansätze gefordert, aber er hat keine bringen können", berichtete Sportdirektor Fredi Bobic.

Chance für den Assistenten

Der bisherige Assistent glaubt diese Lösungsansätze zu haben.

Jens Keller, der von seinen 100 Bundesligaspielen 49 für den VfB bestritten hat, wurde am Mittwoch als "Cheftrainer" vorgestellt - Vertragslaufzeit zunächst unbekannt.

Seine Aussagen ließen tief blicken: "Christian Gross war ein sehr dominanter Trainer", berichtete Keller.

Er selbst habe "schon Dinge gesehen", die anders hätten gemacht werden können, "die ich aber nicht umsetzen konnte".

An diesen `"Dingen", versprach der 39-Jährige, "werde ich jetzt arbeiten".

Und weiter: "Ich verlange Herz, Willen, Leidenschaft und vollen Einsatz. Jetzt gelten Phrasen wie jeden Zentimeter umgraben."

Der bisherige U19-Trainer Jürgen Kramny wird ihn dabei als "Co" unterstützen.

Zahlreiche Kandidaten im Gespräch

Sollte der VfB unter Keller allerdings nicht die Kurve kriegen, dürfte wohl die Suche nach einem Chefcoach beginnen.

Unter anderem sind die Ex-Stuttgerter Christoph Daum, Krassimir Balakov und Matthias Sammer im Gespräch.

Die "Stuttgarter Nachrichten" nannten zudem die derzeit vertragslosen Hans Meyer, Bruno Labbadia, Lucien Favre sowie Marcel Koller, der schon nach dem Rauswurf von Markus Babbel vor einem Jahr heiß gehandelt wurde.

Vierter Trainer seit November 2008

Gross ist mittlerweile der dritte Trainer, der seit der Meisterschaft im Jahre 2007 gehen musste.

Meistermacher Armin Veh wurde nur 18 Monate nach dem Titelgewinn am 23. November 2008 durch Markus Babbel ersetzt. Nach davor fünf Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf Rang elf.

Unter Babbel spielte der VfB eine begeisternde Rückrunde, erreichte noch Rang drei und anschließend sogar die Champions League.

Am 6. Dezember 2009 musste dann Babbel nach zuvor acht Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf Rang 16 in der Bundesliga gehen. Einen Tag später kam Gross.

[kaltura id="0_3jli6n72" class="full_size" title="Bobic tritt gegen Gross nach"]

Beste Rückrunde der Geschichte schon vergessen

Doch auch Gross musste feststellen, dass in Stuttgart nichts so vergänglich ist wie der Erfolg.

Unter dem Schweizer spielte der VfB die beste Rückrunde in der Geschichte der Bundesliga und erreichte sogar noch die Europa League.

Doch auch Gross konnte nicht mit einer kuriosen Stuttgarter Tradition brechen: Nach guten Rückrunden folgte meist eine miserable Vorrunde in der folgenden Saison.

Ein Grund, mutmaßt Gross' Vorgänger Babbel, ist die Mannschaft.

"Beim VfB muss sich jeder Spieler mal selbst hinterfragen, ob er alles für seinen Job gibt", sagte der Trainer des Zweitliga-Spitzenreiters Hertha BSC noch am Dienstag.

Vier Trainingslager vor der Saison

Der als ehrgeizig und stur geltende Gross hatte sich bei der Mannschaft nicht gerade beliebt gemacht, als er sie vor der Saison gleich viermal in ein Trainingslager abkommandierte.

Auch mit einigen Personalentscheidungen sorgte er für Unverständnis. Zuletzt hatte der Schweizer selbst zugegeben, dass es nicht gut laufe.

Er konstatierte eine fehlende Hierarchie, spielerische und taktischen Defizite, sprach über seine fragwürdige Personalrochaden, etwa von Christian Träsch, oder seine eher problematische Beziehung zu Nationalspieler Serdar Tasci.

Mit Bobic über Kreuz

Auch bei den VfB-Verantwortlichen machte sich Gross nicht beliebt.

Mit dem neuen Sportdirektor Fredi Bobic lag der Schweizer eher über Kreuz, und etwas irritiert dürften die Bosse zur Kenntnis genommen haben, dass der Trainer in dieser Woche monierte:

Der Verein habe seine Priorität auf die Fertigstellung des Stadion ausgerichtet, es sei jedoch schwierig, Ziele zu erreichen, "wenn einem finanziell die Hände gebunden sind".

Dabei hatte der VfB immerhin 12,5 Millionen für neue Spieler ausgegeben. Gross aber forderte einen Nachschlag im Winter. Vergeblich.

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