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Julian Schieber kam diese Saison auf Leihbasis vom VfB Stuttgart zum Club © getty

Bei Julian Schieber läuft's. Die Leihgabe aus Stuttgart ist beim Club gesetzt, erfolgreich und längst kein Nachwuchsspieler mehr.

Von Matthias Becker

München - Man kann es drehen und wenden wie man will:

Seit Julian Schieber den VfB Stuttgart im Sommer verlassen hat, befinden sich die Schwaben auf Talfahrt.

Umso besser läuft es für den Stürmer beim 1. FC Nürnberg, an den er für ein Jahr ausgeliehen ist.

Zwei Tore und zwei Torvorlagen hat der 21-Jährige bisher auf dem Konto und hat damit seinen Anteil am derzeitigen Platz im gesicherten Mittelfeld.

Im Interview mit SPORT1spricht Schieber über seine bisherige Saison beim Club, das Ansehen von Nachwuchsspielern und seine Zukunft nach dem Leihgeschäft.

SPORT1: Herr Schieber, sind Sie froh, dass es die Länderspielpause gab?

Julian Schieber: Eigentlich nicht, nein.

SPORT1: Ich frage deshalb, weil Sie in Nürnberg fast immer durchspielen und in Stuttgart eher Ersatzspieler waren. Das schlaucht doch bestimmt?

Schieber: Natürlich ist das eine Mehrbelastung, macht aber auf jeden Fall Spaß und funktioniert auch ganz gut. Körperlich fühle ich mich topfit.

SPORT1: Sind Sie angesichts der aktuellen Entwicklung in Nürnberg und Stuttgart froh, den Schritt zum Club gemacht zu haben?

Schieber: Ein Ausleihgeschäft ist immer mit Risiko verbunden, aber es ist bisher genau so aufgegangen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich wollte so viele Spiele wie möglich machen und dazu beitragen, dass die Mannschaft Erfolg hat.

SPORT1: In den letzten Wochen waren die Ergebnisse für den Club sehr gut. Was läuft jetzt besser als zu Saisonbeginn?

Schieber: Wir sind eine junge Mannschaft, aber eben auch eine, die auf jeder Position sehr viel Potenzial hat. Wir arbeiten mit Dieter Hecking und seinem Trainerteam sehr hart und man sieht jeden Tag Fortschritte. Defensiv sind wir kompakt und stark und vorne finden wir immer eine Lösung um mindestens das eine Tor zu schießen, das uns reicht um zu punkten.

SPORT1: Sie können bisher zufrieden sein mit der Ausbeute...

Schieber: Mit neun Punkten stehen wir momentan gut da, aber die anderen punkten auch. St. Pauli, Freiburg und Hannover stehen noch vor uns. Das sind drei Mannschaften die wir hinter uns lassen wollen - und dafür brauchen wir noch mehr Punkte.

SPORT1: Auch bei Ihnen selbst läuft es gut. Acht Pflichtspiele, acht Mal Startelf und zwei Tore und zwei Vorlagen. Was haben Sie jetzt, das Ihnen in Stuttgart noch gefehlt hat?

Schieber: Es ist schwierig, wenn man beim VfB Stuttgart spielt, Nationalspieler vor sich hat und nicht so richtig in Tritt kommt. Selbstvertrauen kommt eben nur über die Spielzeit. Es ist wichtig, in diesen Rhythmus reinzukommen, nur dann kann man 100 Prozent der Leistungsfähigkeit abrufen. Hier in Nürnberg hat der Trainer volles Vertrauen in mich und wir reden viel. Deshalb kann ich meine Leistung abrufen.

SPORT1: Wird man als klubeigenes Talent auch einfach nicht so geschätzt wie teure Neuzugänge?

Schieber: Das ist sicherlich ein Unterschied. Wenn man aus der eigenen Jugend kommt, wird man auch immer als Jugendspieler angesehen. Es ist immer einfacher, den Jugendspieler draußen zu lassen, der ist im Zweifel etwas benachteiligt, da er sich die Wertschätzung noch nicht erarbeiten konnte. Damit habe ich aber auch mehr Verantwortung und mehr Druck, weil ich für den 1. FC Nürnberg die Leistung bringen muss, damit wir unsere Ziele erreichen können.

SPORT1: War es für Sie ein Schock, dass sie nach der Verletzung von Albert Bunjaku gleich ins ganz kalte Wasser springen mussten?

Schieber: Das war für uns ein großer Verlust, denn er war vergangene Saison mit zwölf Toren der wichtigste Spieler in der Offensive. Deshalb ist es für mich noch wichtiger, meine Leistung zu bringen. Ich habe keine andere Wahl als Vollgas zu geben.

SPORT1: Könnten Sie sich sogar vorstellen, ganz in Nürnberg zu bleiben?

Schieber: Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich habe noch bis 2012 einen Vertrag beim VfB und werde nach dieser Saison ganz sicher nach Stuttgart zurückkehren. Dann werde ich mit den Verantwortlichen reden.

SPORT1: In der Tabelle steht der Club inzwischen sogar vor dem FC Bayern. Ist das nur ein Schmankerl für die Fans, oder feixen Sie auch in der Mannschaft darüber?

Schieber: In der Mannschaft wird das nicht groß thematisiert. Aber in der Stadt ist das schon wichtig und man merkt, dass sich das Umfeld freut, nach vielen Jahren mal wieder vor den Bayern zu stehen. Es ist etwas Besonderes - und das wollen wir solange wie möglich halten.

SPORT1: Am Wochenende geht es zum FC St. Pauli, den sie gerne überholen wollen. Wie muss die Mannschaft dort auftreten?

Schieber: Das ist ein Big-Point-Spiel. Gewinnt St. Pauli, sind sie vier Punkte weg, gewinnen wir, sind wir zwei Punkte vorbei. Deshalb wollen wir unbedingt gewinnen und unsere Stärken nutzen: In der Defensive gut stehen und in der Offensive unsere ein oder zwei Chancen nutzen.

SPORT1: Bei der Nationalelf ist wieder eine Phase angebrochen, wo auch neue Spieler mal eine Chance in Freundschaftsspielen bekommen sollen. Hegen Sie da auch Hoffnungen?

Schieber: Das wäre ein Traum, aber damit kann ich mich jetzt nicht befassen. Aus der U 21 bin ich raus, das Thema ist abgehakt. Jetzt muss ich im Verein Leistung bringen. Wenn es da weiter so läuft und ich verletzungsfrei bleibe, wäre es natürlich schön, bei der Nationalelf reinschnuppern zu können. Im Moment ist das aber unvorstellbar.

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