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Mit der Investition in die Transferrechte sollen Vereine, Spieler und Anleger profitieren © getty

Ein hierzulande kaum bekanntes Verfahren investiert in die Transferrechte von jungen Fußballern. SPORT1 sprach mit den Machern.

Von Barnabas Szöcs

München - Es klingt wie eine Mischung aus harmlosen Fußball-Manager-Spiel und spekulativem Investitionsgeschäft, was die Schweriner Firma "Hanseatisches Fußball Kontor" seinen Kunden seit einigen Tagen anbietet.

Anleger, die das nötige Kapital mitbringen, können durch einen sogenannten "Publikumsfonds" in die Transferrechte ? also in die Wechselabsichten junger europäischer Fußballer ? investieren und bei einem Vereinswechsel des Spielers finanziell profitieren.

Junge Talente als nüchterne Geldanlage? Verständlich, dass bei solch einem brisanten Thema schon mal Bedenken aufkommen.

Vorteile für Anleger, Vereine und Spieler

Besonders in einer profitorientierten Zeit wie heute, wo Vereine von Finanzunternehmen und milliardenschweren Privatpersonen aufgekauft und wieder verkauft werden, Traditionsklubs ihre Stadionnamen veräußern und zweifelhafte Spielerberater utopische Gehälter und Bedingungen von den Vereinen fordern.

Der Pauschalvorwurf der leidgeprägten Fans, so Geschäftsführer Jörg Zeitz, könnte sicherlich lauten: "Warum holt der Verein solch ein Finanzierungsinstrument ins Boot, damit wird nur das Tafelsilber verscherbelt?"

Zeitz und sein Geschäftspartner Kai-Volker Langhinrichs wissen um die Befürchtungen, erklären jedoch die Vorteile für Verein, Spieler und Anleger:

Anspruch auf die Transfersumme

"Wir generieren zusätzliche Einnahmen, da der Verein durch den Fonds einen Spieler halten kann, der schon früher gegangen wäre oder gar nicht erst zum Verein gekommen wäre", erklärt Zeitz im Gespräch mit SPORT1.

"Das bereichert die sportliche Qualität des Vereins."

Die Idee des FTR 1, so der Name des Spieler-Transferrechte-Fonds, klingt simpel:

Anleger können für mindestens 10.000 Euro plus fünf Prozent Bearbeitungsgebühr in besagten Fonds einzahlen und damit in die Transferrechte von europäischen Spielern, etwa aus Österreich, Skandinavien, Benelux oder Deutschland, im festgelegten Alter zwischen 18 und 23 Jahren investieren.

"Wir geben dem Verein Geld, dieser kann den Spieler kaufen und wir bekommen im Gegenzug wieder ganz oder anteilig den Anspruch auf die Vertragsauskaufsumme, also die Transfersumme", erklärt Langhinrichs das Modell.

Bis Mitte 2011 sollen zehn Millionen Euro im Fonds gesammelt werden, mit denen das Schweriner Emissionshaus im selben Jahr Vereine finanziell beim Kauf und der Ausbildung von Spielern unterstützt.

Ex-HSV-Profi Spörl scoutet für Investoren

Gescoutet werden die Talente zunächst von einer eingebundenen Beratungsgesellschaft, zur Absicherung für den Anleger scoutet dann der ehemalige HSV-Profi Harald Spörl die Spieler erneut.

Wenn ein Talent während der vierjährigen Laufzeit des Fonds ablösepflichtig wechselt, können Gewinne generiert werden.

"Typischerweise arbeitet man mit Vereinen zusammen, die auch in ihrer Tradition dafür stehen, dass sie Spieler ausbilden und dies Teil ihres Geschäftsmodells ist", sagt Langhinrichs SPORT1.

Zudem stellt er klar, dass mit dem relativ geringen Volumen des Fonds keine teuren und risikoreichen Transferrechte eingekauft werden.

Den Einwurf, dass die jungen Spieler zu einem gewinnbringenden Wechsel gedrängt werden könnten, sieht Zeitz nicht:

"Verein entscheidet über Wechsel"

"Wir können auf den Wechsel keinen Einfluss nehmen, das entscheidet immer der Verein", sagt er.

"Durch eine Beteiligung an den Spieler-Transferrechten hat der Verein aber auch eine Motivation, den Spieler tatsächlich gehen zu lassen. Bestes Beispiel dafür ist Andre Schürrle, der nächstes Jahr von Mainz 05 zu Bayer Leverkusen wechselt."

Das Modell mit den Transferrechten ist in Ländern wie Brasilien und Portugal schon vollkommen etabliert.

Beim Wechsel des argentinischen Stürmers Raul Bobadilla von den Grashoppers Zürich zu Borussia Mönchengladbach - für 4,5 Millionen Euro Ablöse - hat ein privater Investor auf diese Summe 50 Prozent erwirtschaften können.

Erst drei Jahre zuvor war Bobadilla für etwa 950.000 Euro von den Boca Juniors in die Schweiz gewechselt.

HSV und Kühne als Vergleichsbeispiel

Als aktuelles deutsches Beispiel kann der Hamburger SV mit seinem Investor Klaus-Michael Kühne genannt werden.

Der Unternehmer stellte dem Traditionsverein mehrere Millionen Euro zur Verfügung und sicherte sich damit Beteiligungen an eventuellen Transfererlösen mehrerer HSV-Profis, machte aber auch wegen Kritik an der Einkaufspolitik des Vereins von sich reden.

Schließlich wurde die Zusammenarbeit schon nach wenigen Monaten beendet.

In Südamerika seit Jahrzehnten üblich

"Als Kühne beim HSV einstieg, gab es einen großen Aufschrei. Alles was neu ist wird auch hier in Deutschland extrem kritisch beäugt", meint Jörg Zeitz.

"In Südamerika ist dieses Modell seit 20 Jahren gang und gebe. Die Transferrechte von Leverkusens Renato Augusto liegen immer noch zu knapp 50 Prozent bei einem brasilianischen Investor."

Für den Fall, dass ein Spieler wiedererwarten nicht vorzeitig wechselt, soll der vertraglich gebundene Verein das aus dem Fonds erhaltene Geld zurückzahlen.

Rendite mit zehn Prozent kalkuliert

Die Rendite für den Anleger soll bei zehn Prozent pro Jahr liegen, so die "konservative Kalkulation" der beiden Geschäftsführer, die davor für ein Hamburger Emissionshaus tätig waren.

"Zielgröße sind zehn Prozent Rendite. Wenn das Transferrecht verdoppelt werden kann - also ein Spieler für 200.000 Euro gekauft und nach zwei Jahren für 400.000 Euro verkauft wird - dann hätte der Fonds sein wirtschaftliches Ziel erreicht.

Wie Fans und Anleger auf dieses von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) zugelassene Investitionsmodell reagieren, wird sich zeigen.

Für Jörg Zeitz und Kai-Volker Langhinrichs jedenfalls steht fest, dass die "Zeit reif ist, solch ein Modell in den Markt einzuführen".

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