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Uli Hoeneß ist ein Mann der klaren Worte. Wenn den Ex-Präsidenten des FC Bayern  jemand verärgert, dann tut er dies ungefiltert und oftmals lautstark kund. Freunde macht er sich damit eher nicht
Uli Hoeneß ist seit März 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrates der FC Bayern AG © imago

Erst Robben, dann van Bommel: Uli Hoeneß platzt nach der neuerlichen Verletzung eines FCB-Stars bei einem Länderspiel der Kragen.

Von Nikolai Kube

München - Es brodelt beim FC Bayern München.

Das Ziel Meisterschaft ist nach dem enttäuschenden Saisonstart und dem damit verbundenen Absturz auf Platz 12 der Tabelle extrem gefährdet.

Gegen Hannover 96 (Samstag, ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) muss die Wende her.

Weitere Brandherde kann der FC Bayern eigentlich nicht gebrauchen. Doch gerade jetzt entflammt der Streit zwischen dem Deutschen Meister und dem niederländischen Fußball-Verband KNVB neu.

Hoeneß geht auf Holländer los

Nachdem Mark van Bommel mit einem Faszienriß mit ausgedehntem Hämatom, der den Kapitän zu einer zehntägigen Pause zwingt, vom EM-Qualifikationsspiel der Niederländer gegen Schweden zurückgekehrt war, geht nun Uli Hoeneß auf den KNVB los.

"Eigentlich hätte ich erwartet, dass man auf holländischer Seite nach dem unvorstellbaren Vorgang um Arjen Robben ganz kleine Brötchen backt und die Klappe hält", sagte der Präsident.

Hoeneß reagierte damit auf die harschen Äußerungen aus den Niederlanden, nachdem die Bayern den angeschlagenen van Bommel vor dem Länderspiel zurück nach München beordert hatten.

Verletztenliste wird immer länger

"Es ist asozial, so etwas über die Medien zu spielen", hatte KNVB-Chef Bert van Oostveen geschimpft.

Die Formulierung van Ostveens, die Bayern wollten wohl "Krieg", brachte Hoeneß so richtig auf die Palme: "Wenn er so ein Wort benutzt, dann kann er das gerne haben."

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Auch Karl-Heinz Rummenigge steigt die Zornesröte ins Gesicht, wenn er an seinen Kapitän denkt. Vor allem, weil mit Franck Ribery, Robben, Diego Contento, Miroslav Klose und Ivica Olic die Verletztenliste der Bayern ohnehin schon lang genug ist.

"Es wurde wieder einmal der Beweis erbracht, dass ein Verband ausschließlich seine eigenen Interessen vertritt - und dabei sogar eine Gesundheitsgefährdung der Spieler in Kauf nimmt", so der Vorstandsvorsitzender im "kicker".

Rummenigge erwartet Entschuldigung

Rummenigge fordert: "Ich erwarte, dass der KNVB sich bei Bayern München entschuldigt."

Ob der niederländische Verband dies allerdings tun wird, darf bezweifelt werden. Schon im Fall Arjen Robben, der mit einem Muskelbündelriss von der WM in Südafrika zurückgekehrt war, stellten sich die Holländer quer - bis jetzt zumindest.

"Wir warten bis Ende Oktober. Wird bis dahin keine befriedigende Lösung erzielt, werden wir eine Klage einreichen. Es ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, juristisch klären zu lassen, wer die Spieler bezahlt und welche Rechte die Klubs damit haben", sagte Rummenigge.

"Wir haben die Schnauze voll"

Der vollen Unterstützung des wütenden Hoeneß' kann sich der Klub-Boss jedenfalls sicher sein.

"Wir haben im Aufsichtsrat dem Vorstand ganz klar aufgefordert, mit allen Mitteln in der Sache Robben vorzugehen. Und nach solchen Worten werden wir das ganze noch forcieren", kündigt Hoeneß an.

"Was hier passiert, ist so eine bodenlose Unverschämtheit, dass wir allmählich die Schnauze voll haben." Deutliche Worte.

Kritik an van Bommel

Doch nicht nur den KNVB knöpfte sich der langjährige Manager des Rekordmeisters vor. Auch van Bommel kommt nicht ungeschoren davon: "Er muss sich die Frage gefallen lassen, wer sein Arbeitgeber ist."

"Die Spieler sehen zuerst die Nationalelf und dann erst den Verein. Das ist eine Haltung, die ich absolut nicht akzeptieren kann."

Und Hoeneß hat auch gleich einen Lösungsvorschlag parat. Wenn ein Spieler in Zukunft die "kleinste Kleinigkeit" habe, werde er einfach zu Hause bleiben, so der 58-Jährige, der sich als Ziel setzt, die Abstellungsregularien bei der UEFA und FIFA zu verändern.

Nationalmannschafts-Verbot?

Rückendeckung bekommt van Bommel allerdings von Rummenigge. "Ich habe Mark empfohlen, sich aus der Entscheidung herauszuhalten. Die FIFA-Statuten geben den Verbänden die Allmacht."

Und genau deswegen ist Hoeneß nun der Kragen geplatzt. Falls seine Anliegen von Sepp Blatter und Co. nicht erhört werden, will er zu anderen Mitteln greifen:

"Vielleicht muss man in Zukunft Spieler nur noch unter der Prämisse kaufen, dass sie nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen."

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