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Jens Keller bestritt 142 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart © imago

Nach dem Rauswurf von Christian Gross sehen Stuttgarts Bosse den neuen Coach als Hoffnungsträger. Der verspricht vollen Einsatz.

Stuttgart - Von Christian Gross hat der VfB Stuttgart an Ende "kaum Lösungsansätze" mehr zu hören bekommen.

So jedenfalls begründete Sportdirektor Fredi Bobic die Entlassung des Schweizer Trainers.

Jens Keller hat dagegen ganz offensichtlich einen Plan, wie der Bundesliga-Tabellenletzte wieder nach oben kommt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Das 39 Jahre alte Trainer-Greenhorn erläutert ihn mit Phrasen, die zum Standardrepertoire gehören, wenn ein Klub im Abstiegskampf steckt.

"Jeden Zentimeter Rasen umgraben"

"In unserer jetzigen Situation gilt es, jeden Zentimeter des Rasens umzugraben", sagte Keller.

Ein Lösungsansatz, den Gross nicht hatte?

Beim VfB Stuttgart setzten sie zunächst mal auf das Prinzip Hoffnung.

"Wir werden die Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten abwarten", erklärte Präsident Erwin Staudt, als es um die Perspektive für Keller ging.

Notnagel oder Dauerlösung?

[kaltura id="0_erbdzej3" class="full_size" title="Mit Keller aus dem Keller"]

Bobic: Keller ist der Chef

"Jens Keller", versicherte Sportdirektor Bobic, "ist nicht unser Interimstrainer. Er genießt unser volles Vertrauen, und er ist der Chef."

Nach Aussage von Bobic ging es auch nie darum, einen Mann von außen zu holen, wie etwa den im Verein eher schwer vermittelbaren Christoph Daum.

Nein, beim VfB hoffen sie, dass Jens Keller eine Art Thomas Tuchel von Stuttgart wird.

Tuchel kennen sie gut in Stuttgart - er war dort mal Jugendtrainer. Auch Keller hat bei den A-Junioren des Vereins gearbeitet.

Und wenn Bobic außerdem sagte, es sei klar gewesen, dass die Nachfolge von Gross "intern" gelöst wird, ist der neue Mann die Idealbesetzung.

Stuttgarter durch und durch

Keller ist gebürtiger Stuttgarter, wuchs fünf Kilometer vom Stadion entfernt auf, hat selbstverständlich in rot-weißer VfB-Bettwäsche geschlafen und trug das Trikot mit dem roten Brustring selbst.

Der frühere Abwehrspieler war kein Künstler auf dem Platz, doch das Filigrane wird beim VfB in nächster Zeit eh nicht so gefragt sein.

"Ich verlange Herz, Willen, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft", betonte Keller und ergänzt, er sei überzeugt, "dass die Mannschaft so viel Potenzial hat, dass wir den Karren selbst aus dem Dreck ziehen können".

Das klingt nach harter Arbeit, ein Lösungsansatz, den auch Gross hatte.

Auch er war "überzeugt davon, dass ich das schaffe und wir da unten rauskommen", sagte er der "Bild".

Keine Chance mehr für Gross

Die Verantwortlichen des VfB aber trauten ihm nicht mehr über den Weg.

Nun setzen sie auf Keller, der seinem bisherigen Trainer zum Abschied noch die Fähigkeit absprach, Fehler zu erkennen und abzustellen.

Keller hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Gross sei ein dominanter Trainer, und wenn er ihm als dessen Assistent auf etwas hingewiesen haben, sei er damit nicht durchgedrungen.

"Mir waren die Hände gebunden"

"Man kann als Trainer nur so weit eingreifen, wie es der Cheftrainer zulässt", sagte Keller. "Mir waren in einigen Bereichen die Hände gebunden."

Nun hat er freie Hand zu tun, was er für richtig hält.

Am Samstag beim Tabellenvorletzten Schalke 04 kommt auf Keller schon die erste Bewährungsprobe zu.

Geht es dort und auch danach zu oft schief, müsste Bobic wieder einen neuen Trainer suchen.

Darüber aber wollen sie sich beim VfB erst mal keine Gedanken machen. "Der Fokus", sagte Präsident Staudt, "liegt auf dem Klassenerhalt."

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