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Jens Keller hat beim VfB als U-19-Coach und Co-Trainer gearbeitet © imago

Stuttgart will mit einem Trainer-Novizen den Weg aus der Misere finden. Bei SPORT1 sagt Jens Keller, was der VfB für ihn bedeutet.

Von Marcus Giebel

München - Nach nur drei Punkten aus den ersten sieben Ligaspielen hat Schlusslicht VfB Stuttgart die Reißleine gezogen.

Coach Christian Gross musste seinen Hut nehmen, dessen Co-Trainer Jens Keller wurde auf die Kommandobrücke beordert.

Vorerst, und wohl auch nur als Interimslösung - hinter den Kulissen werden bereits namhafte Übungsleiter wie Christoph Daum oder gar Matthias Sammer als Gross-Nachfolger gehandelt. (299106DIASHOW: Wer rettet den VfB?), den es nun womöglich schnell nach Saudi-Arabien zieht.

Bis dahin indes betreut Keller erstmals gesamtverantwortlich eine Profi-Mannschaft - und hat die schwierige Mission, den kriselnden VfB wieder auf Kurs zu bringen

Im Interview mit SPORT1 spricht der 39-Jährige über seine ersten Maßnahmen, die Rolle des Klubs in seinem Leben und das Krisen-Duell gegen Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

SPORT1: Herr Keller, nach der Entlassung von Christian Gross haben Sie nun das Traineramt des VfB Stuttgart übernommen. Wie überrascht waren Sie, dass die Wahl auf Sie fiel?

Jens Keller: Das war sicher überraschend für mich, gar keine Frage. Ich habe mich natürlich gefreut, denn es ist eine Riesenaufgabe für mich.

SPORT1: Sie sind zum ersten Mal Cheftrainer eines Bundesligisten. Wie groß ist die Vorfreude?

Keller: Riesengroß, das ist ein Traum von mir, seit ich meine Trainerausbildung gemacht habe.

SPORT1: Die ersten Trainingseinheiten als Cheftrainer sind absolviert. Wo haben Sie den Hebel angesetzt?

Keller: Wir haben an der Aggressivität, an der Umschaltphase und der Kompaktheit gearbeitet. Das sind meiner Meinung nach die Punkte, auf die es in unserer Situation ankommt.

SPORT1: Das waren also auch die Punkte, wo es unter Christian Gross zuletzt falsch lief?

Keller: Was heißt "falsch lief"? Die Statistik kann man ja überall nachlesen. Wir haben mehr Zweikämpfe verloren als gewonnen - dann ist es unheimlich schwer, ein Spiel zu gewinnen. Das ist der Punkt, wo ich angesetzt habe. Aber Christian Gross hatte natürlich ähnliche Gedanken.

[kaltura id="0_erbdzej3" class="full_size" title="Mit Keller aus dem Keller"]

SPORT1: Erwin Staudt sprach von der "schwierigsten Situation in der Geschichte" des Vereins. Wie gehen Sie nun mit der enormen Drucksituation um?

Keller: Ich starte mit hundert Prozent in die Aufgabe, ich komme aus der Region. Hier bin ich groß geworden, daher ist es für mich eine schöne Aufgabe. Da mache ich mir überhaupt keinen Druck.

SPORT1: Welche Rolle spielt es, dass Sie gebürtiger Stuttgarter sind?

Keller: Eine sehr große Rolle. Mein Herz hängt am VfB seit ich fünf, sechs Jahre alt war. Ich bin wenige Kilometer vom Stadion groß geworden und in der Summe nun schon zwölf Jahre im Klub.

SPORT1: Sie arbeiten zunächst auf Bewährung. Wie gehen Sie damit um?

Keller: Wenn man als junger Trainer auf die Bank kommt, kann man nicht erwarten, dass man einen Dreijahresvertrag vorgelegt bekommt. Es ist also legitim, dass man erst mal schaut, wie ich arbeite.

SPORT1: Zuletzt wurde jedes Jahr im Herbst der Trainer beim VfB ausgetauscht. Warum wird sich das nun ändern?

Keller: Ich werde auf jeden Fall mein Bestes tun, damit es sich ändert. Es ist unheimlich schwer, die Gründe dafür zu finden. Ich möchte natürlich längerfristig hier arbeiten, aber die nächsten Wochen werden es zeigen.

SPORT1: Am Samstag geht es gegen das ebenfalls kriselnde Schalke 04. Worauf wird es in dem Spiel ankommen?

Keller: Wir müssen aggressiver und mit einem größeren Willen ins Spiel gehen. Schalke hat sich als Mannschaft auch noch nicht gefunden. Wir müssen die Mannschaft mit der größeren Leidenschaft und Bereitschaft sein.

SPORT1: Was ist in dieser Saison noch drin? Greift der VfB noch mal oben an?

Keller: Um Gottes Willen. Wir müssen jetzt Punkte sammeln, um unten herauszukommen. Alles andere zählt erst mal nicht.

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