vergrößernverkleinern
Louis van Gaal (r.) ist seit Sommer 2009 Trainer des FC Bayern München © imago

Vorm Hannover-Spiel spitzt sich Bayern Verletztenmisere zu. Ein Verschmähter könnte nun aber die Wende bringen.

Von Nikolai Kube und Rainer Nachtwey

München - Als Anatoliy Tymoshchuk im Juli 2009 beim FC Bayern sein erstes Training unter Louis van Gaal bestritt, galt er als Hoffnungsträger, als der neue Denker und Lenker im zentralen, defensiven Mittelfeld.

Rund eineinhalb Jahre später kommt der 31 Jahre alte Ukrainer nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus, stand in dieser Saison ganze 28 Minuten auf dem Platz.

Doch genau dieser Tymoshchuk soll bzw. muss gegen Hannover 96 (Sa., 15 Uhr im LIVE-TICKER) für die Bayern die Kohlen aus dem Feuer holen. "Wir dürfen nicht weiter an Terrain verlieren", fordert auch Präsident Uli Hoeneß einen Sieg.

Schweinsteiger fällt aus

Wegen der Verletzungswelle im Kader steht Edelreservist Tymoshchuk nun der erste Einsatz der Saison von Beginn an in Aussicht.

Denn mit Mark van Bommel (Faszienriss mit ausgedehntem Hämatom) und Bastian Schweinsteiger (Fußblessur) fallen definitiv beide Sechser von van Gaal aus.

Dies bestätigte der niederländische Coach: "Wir werden noch abwarten, ob er auf der Bank Platz nimmt. Aber von Anfang an spielen wird er nicht", sagte van Gaal.

Bekommt Ottl eine Chance?

Eine der beiden Positionen dürfte daher Defensivallrounder Tymoshchuk ausfüllen, hält van Gaal an seinem 4-4-1-1-System fest.

Van Gaal hatte immer wieder betont, dass der Ukrainer auf Grund seiner "Zerstörer"-Fähigkeiten der erste Ersatzmann für den resoluten van Bommel sei.

Sollte Schweinsteiger tatsächlich passen, würden wohl Danijel Pranjic und der fast schon in Vergessenheit geratene Andreas Ottl um den Platz neben Tymoshchuk kämpfen.

Demichelis in der Startelf

Mit Daniel van Buyten fällt noch ein weiterer Defensivspieler aus. Der Belgier kehrte von der EM-Qualifikation mit Rückenbeschwerden zurück, konnte gegen Österreich nicht auflaufen.

Sein Einsatz von Beginn an sei ausgeschlossen, sagte van Gaal.

Ihn wird voraussichtlich Martin Demichelis im Abwehrzentrum der Münchner ersetzen. Auch wenn der Argentinier zuletzt nicht überzeugte, wenn er - wie gegen Dortmund - über einen längeren Zeitraum seine Chance bekam.

[kaltura id="0_yjkgzuhp" class="full_size" title="Christian Nerlinger im SPORT1 Interview"]

Breno-Comeback erst in Rückrunde

Und so sehnen sich die Bayern in diesen Tagen nach ihrem Hoffnungsträger für die Zukunft, dem Brasilianer Breno.

Der ist zwar nach seinem vor sieben Monaten erlittenen Kreuzbandriss auf dem Weg der Besserung. An Bundesliga-Fußball ist beim talentierten Innenverteidiger aber derzeit nicht zu denken.

"Es könnte schwer werden, noch in der Hinrunde zu spielen", sagte Breno in der "Bild".

Derzeit plagt den Brasilianer, der hart für sein Comeback schuftet, ein zu kurzer Nerv in der Leiste. "Ich bekomme Spritzen und danach Physiotherapie. Sobald ich aufs Feld gehe, habe ich Schmerzen", so der 21-Jährige.

Gomez als einzig verbliebener Stürmer

Schmerzen verspürt auch Ivica Olic - und verschärfte damit die Offensivprobleme der Bayern.

Der Kroate zog sich beim Länderspiel in Israel einen Nasenbeinbruch zu und wurde inzwischen operiert. "Ich kann nicht mal richtig atmen, falle gegen Hannover aus", sagt der Stürmer.

Und da mit Miroslav Klose (Muskelfaserriss) auch Stürmer Nummer zwei nicht auflaufen kann, steht die Ein-Mann-Sturm-Besetzung bereits fest: Mario Gomez, der letzte Verbliebene.

Müller, Kroos und Altintop gesetzt

Bliebe noch die offensive Mittelfeldreihe: Arjen Robben und Franck Ribery rangieren weiterhin ganz oben auf der Verletztenliste.

Und weil Olic und Pranjic, potenzielle Akteure für die Außenbahnen, entweder verletzt sind oder an anderer Stelle gebraucht werden, müssen wohl Thomas Müller, Toni Kroos und Hamit Altintop Stürmer Gomez mit Zuspielen füttern.

Wer allerdings die Rolle des Regisseurs einnimmt, bleibt ungewiss.

Kroos sieht sich als Zehner

Kroos war vor der Saison eigentlich dafür vorgesehen, doch van Gaal scheint von den Qualitäten des Nationalspielers als Zehner nicht mehr überzeugt zu sein.

Mal spielte Kroos links, mal in der Mitte, mal rechts. Und morgen? "Ich will irgendwo im Mittelfeld spielen", gibt sich Kroos bescheiden.

Doch er stellt klar: "Grundsätzlich sehe ich mich als offensiven Mittelfeldspieler."

In der Nationalmannschaft vertrat der 20-Jährige zuletzt sogar den verletzten Schweinsteiger auf der Sechser-Position. Gegen Hannover wohl keine Alternative, weil Kroos' Kreativität in der Offensive benötigt wird.

Nur elf fitte Feldspieler

Die Personallage vor dem richtungsweisenden Spiel ist so oder so besorgniserregend.

Verteidiger Holger Badstuber glaubt dennoch an drei Punkte: "Es fehlen wichtige Stützen im Team, aber wir haben trotzdem eine Mannschaft auf dem Platz, die in den nächsten Partien siegen kann."

Badstuber gehört - wie Tymoshchuk - zu nur elf gesunden Feldspielern, die van Gaal derzeit zur Verfügung stehen.

Zaubert van Gaal Neuling aus dem Hut?

Gut möglich, dass der Coach daher noch einige Amateure aus dem Hut zaubern wird, um den Kader aufzufüllen.

Nicolas Jüllich, der bei Franz Beckenbauers Abschiedsspiel einen bleibenden Eindruck hinterließ, wäre ein Kandidat.

Oder Maximilian Haas, der die komplette Vorbereitung mit den Profis absolvierte und von dem van Gaal immer wieder behauptete, den könne man "ohne Probleme auch in der Bundesliga spielen lassen".

Jüllich oder Haas als Option

Vielleicht taucht ja einer von beiden sogar in der Startelf auf. Tymoshchuk bliebe dann womöglich erneut nur die Rolle des Edelreservisten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel