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Christian Gross war von Dezember 2009 bis Oktober 2010 Trainer des VfB © imago

Der Verdacht besteht, weil dem Trainer eine Millionen-Offerte aus der Wüste vorliegen soll. Bobic attackiert die Spieler.

Von Tobias Hlusiak

München - Es scheint ein wenig Licht ins Dunkel zu kommen: Am vergangenen Mittwoch wurde Christian Gross vom VfB Stuttgart gefeuert.

Doch hat der Schweizer seinen Rauswurf bei den Schwaben womöglich gar provoziert? (299106DIASHOW: Wer rettet den VfB?)

Angeblich liegt Gross seit einigen Tagen ein Angebot des Saudi-Arabischen Klubs Al Hilal Riad vor.

Dort soll er Erik Gerets beerben, der sich künftig ganz auf seine Aufgabe als Nationaltrainers Marokkos konzentrieren will.

Gross: "Da ist nichts dran"

Der Trainerposten in Riad ist ab dem 13. November vakant, die Verlockungen wirken groß: Drei Millionen Euro Nettogehalt soll das Gebot der Araber umfassen.

Bei den Schwaben kassierte Gross lediglich 2,5 Millionen ? brutto.

"Da ist nichts dran", sagt der Trainer zwar selbst, aber die Verantwortlichen beim VfB kennen diese Anfrage. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist auch ein russischer Verein an Gross interessiert.

Harsche Worte gegen Vereinsführung

Der Schweizer hatte den VfB im Dezember 2009 von Markus Babbel übernommen und von Rang 16 noch in die Europa League geführt.

Mit Beginn der neuen Saison riss die Erfolgssträhne des Trainers jedoch abrupt. Nach sieben Saisonspielen steht Stuttgart mit nur drei Zählern auf dem letzten Tabellenplatz.

Nach den Abgängen wichtiger Spieler wie Sami Khedira und Jens Lehmann war Gross im Sommer federführend bei der Kaderumgestaltung gewesen. Trotzdem äußerte er sich zuletzt vermehrt unzufrieden mit dem Transferverhalten der Klubführung.

[kaltura id="0_erbdzej3" class="full_size" title="Mit Keller aus dem Keller"]

Autoritär und wenig engagiert?

Kurz vor seiner Entlassung kritisierte Gross zudem, dass der VfB lieber "ins Stadion als in die Mannschaft investiere".

Im Lichte dessen wirkt es nun so, als habe Gross in den Augen der VfB-Bosse kein besonders hohes Ansehen genossen.

Sein autoritärer Führungsstil und dem Vernehmen nach nur begrenzt vorhandener Arbeitsaufwand wurden ihm schließlich zum Verhängnis.

Auch mit Bobic auf Konfrontationskurs

Zudem soll der Coach nach der Niederlage gegen Frankfurt zwei Tage in die Schweiz gereist und nicht erreichbar gewesen sein.

Auch mit dem (spät installierten) Manager Fredi Bobic wurde der frühere Meistertrainer des FC Basel offenbar nicht warm.

Der ist nun gefordert - und setzt erste Signale.

Vor dem Kellerduell beim FC Schalke 04 (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) droht Bobic den Spielern, im Falle weiterer schwacher Leistungen mit Konsequenzen bis hin zur Trennung.

Sportdirektor droht den Spielern

"Wir haben den Spielern ganz klar gesagt: Wer sich gegen die Gruppe stellt oder sein Ego in den Vordergrund stellt, wird keine Zukunft beim VfB haben. Aus, Basta. Das ist unser voller Ernst. Keiner darf sich mehr verstecken", so Bobic in der "Bild".

Nach Gross' Entlassung seien jetzt die Profis gefragt. Jeder einzelne stehe "in dieser Situation unter Beobachtung", ergänzt Bobic.

Die Spieler müssten sich fragen, "ob sie den Weg mit dem VfB weiter gehen. Wenn man die Basis im Fußball - Zweikampfverhalten, Umschalten, Aggressivität - nicht berücksichtigt, dann hat man im modernen Fußball nichts verloren."

Nachtreten gegen Gross

Zuvor hatte Bobic auch schon dem geschassten Gross deutliche Worte hinterhergerufen:

"Wichtig ist in unserer Lage, voranzugehen und mutige Signale auszusenden. Das habe ich vermisst. Ich hatte eine klare Linie und eine klare Ansprache erwartet. Aber in der schwierigen Situation, in der wir uns fast von Anfang an mit einer neuen Mannschaft befanden, sind fast keine Lösungsansätze gekommen."

Gross' Nachfolger Jens Keller sprach Bobic zwar das Vertrauen aus.

Keller wohl nur Interimslösung

Allzu sicher darf sich der neue Mann aber selbst im Falle einer erfolgreichen Mission nicht fühlen.

Auf die Frage, ob Keller seinen Job behalten dürfe, wenn der VfB mit ihm den Abstieg vermeiden sollte, sagt Bobic: "Das werden wir sehen."

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