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Mark van Bommel wurde mit den Niederlanden 2010 Vizeweltmeister © getty

Der Ex-Präsident des niederländischen Verbandes schießt Giftpfeile Richtung Bayern-Arzt Müller-Wohlfahrt.

München - Der Streit zwischen dem niederländischen Verband KNVB und Bayern München wegen der verletzten Arjen Robben und Mark van Bommel steht kurz vor der Eskalation.

Im "Algemeen Dagblad" meldete sich nun Henk Kesler - der ehemalige Präsident des Oranje-Verbands - zu Wort.

Kesler war Teil der niederländischen Delegation, die Mitte September in München erste Verhandlungen über eine Schlichtung des Streits um Arjen Robbens Verletzung geführt hatte.

Besonders an Bayerns Mannschafts-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt lässt Kesler nun kein gutes Haar.

Kesler zieht über Müller-Wohlfahrt her

"Wir saßen in der Klinik von Müller-Wohlfahrt. Er sprach nur mühsam Englisch und wiederholte nur seinen einen Spruch, dass Muskelverletzungen nur durch Ruhe auskuriert werden können", berichtet Kesler.

"Das stünde auch in diesem berühmten Buch, sagte er stets. Wer denn das Buch geschrieben habe, fragte ich ihn. 'Ich natürlich', antwortete er.

Kesler und Bert van Oostveen - der jetzige Präsident - hätten danach Probleme gehabt, "Müller-Wohlfahrt ernst zu nehmen."

Der 61-Jährige berichtet flapsig weiter: "Nach der Besprechung sind wir in München noch Essen gegangen, um Franz Beckenbauers Geburtstag zu feiern."

FIFA vergibt Preis nach Holland

Rückenwind bekommt Kesler durch die FIFA. Der Weltverband verlieh den Holländern am gestrigen Donnerstag den "Medical Centre of Exellence Award".

Ein Preis, der für eine vorzügliche medizinische Abteilung verliehen wird.

Kurioserweise ist der KNVB erster Träger der Auszeichnung.

[kaltura id="0_nofjddsp" class="full_size" title="Hoene sauer auf KNVB "]

"Wir haben eine Kopie der Auszeichnung sofort nach München geschickt", konnte sich Kesler einen weiteren Seitenhieb gen München nicht verkneifen.

"Warum sollten wir Angst haben?"

Schon zuvor hatte sich der KNVB trotz wiederholter Drohungen seitens Präsident Uli Hoeneß gelassen gezeigt.

"Warum sollten wir Angst haben?", sagte van Oostveen: "Wir fühlen uns im Recht, denn die UEFA- und FIFA-Statuten sind eindeutig."

Die Bayern könnten "lieber heute als morgen vor Gericht gehen".

KNVB will "ins Gespräch kommen"

Im Kampf um Kompensationszahlungen für die hartnäckige Verletzung von Bayern-Star Arjen Robben erwarten die Münchner bis Ende Oktober eine friedliche Lösung.

Zeichnet sich diese nicht ab, werden sie den juristischen Weg nicht scheuen, hatte Hoeneß mehrfach erklärt.

"Bei den aktuellen Strukturen werden nur die Nationalmannschaften geschützt, nicht die Spieler", mischte sich nun auch noch Bayern-Coach Louis van Gaal ein - pikanterweise selbst Niederländer.

An Brisanz hatte der Konflikt gewonnen, nachdem Bayern-Kapitän Mark van Bommel verletzt vom EM-Qualifikationsspiel der Elftal gegen Schweden (4:1) zurückgekehrt war.

Im Fall van Bommel will der KNVB laut van Oostveen "zeitnah Kontakt mit Bayern München aufnehmen, um ins Gespräch zu kommen".

Bei Robben "keine Eile"

Man wolle versuchen, "einen normalen Kontakt zustande zu bringen".

In Sachen Robben habe man allerdings "keine Eile".

Nach einem ersten Treffen mit der KNVB-Spitze Mitte September hatten sich die Bayern-Verantwortlichen noch optimistisch gezeigt, eine faire Lösung in der Causa Robben zu finden.

Auf einen Vorschlag der Niederländer warten Hoeneß und Co. seitdem aber vergeblich.

Streit mit der Heimat?

Van Gaal äußerte sich weiter zu dem Konflikt: "Ich fordere Verantwortung von meinen Spielern, aber auch von der Mannschaft, vom Verband, vom Trainer und vom Arzt einer Nationalmannschaft."

Auf die Frage, ob man in den Niederlanden sauer auf ihn sei, entgegnete der Meistertrainer: "Vielleicht bin ich auch ein bisschen sauer. Ich kann Robben und van Bommel nicht einsetzen."

Anwalt pflichtet Bayern bei

"Die Bayern sind im Recht, daran gibt es eigentlich keinen Zweifel", sagte überdies der Ludwigsburger Sportanwalt Christoph Schickhardt im Gespräch mit dem "ZDF".

Angesichts des rücksichtslosen und pflichtwidrigen Verhaltens der Niederländer müsse "im Grunde sogar die volle Palette des Schadensersatzes greifen".

Schickhardt pflichtet mit seinen Aussagen Uli Hoeneß bei, der sich dafür ausgesprochen hatte, dass die Nationalspieler in Länderspiel-Perioden zukünftig ihr Gehalt nicht mehr vom Verein, sondern vom jeweiligen Landesverband beziehen sollten.

"Es kann nicht sein, dass der Verein die Spieler in dieser Zeit abgibt und sie dann nicht in einem Zustand zurückbekommt, in dem er sie abgegeben hat", sagte Schickhardt.

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