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Lewis Holtby ist von Schalke 04 nach Mainz ausgeliehen © getty

Der Hype um die "Bruchweg-Boys" wird immer größer. Der alleinige Startrekord winkt. Tuchel will die Euphorie nicht bremsen.

Von Matthias Becker

München ? Wie das ist, wenn Fußballer einen Lauf haben, war am Montagabend in Unterhaching eindrucksvoll zu sehen.

Lewis Holtby und Andre Schürrle von Tabellenführer FSV Mainz 05 wirbelten im Trikot der deutschen U 21 gegen die Ukraine wie schon in den ersten sieben Bundesligaspielen.

Schürrle erzielte beide Treffer zum 2:1-Erfolg, Holtby rannte 90 Minuten den Platz rauf und runter, von Ermüdung keine Spur.

Dass Schürrle beim "No-Look-Pass" von Holtby vor dem 1:0 klar im Abseits stand zeigt nur: Die Mainzer können momentan machen was sie wollen, es gelingt.

"Es macht im Moment Bock zu Kicken. Für uns beide ist es sehr einfach, weil wir ein Riesen-Selbstvertrauen haben", sagte Holtby nach der Partie auf SPORT1-Nachfrage und wollte von Müdigkeit gar nichts wissen:

"Von mir aus kann ich jeden Tag ein Spiel haben."

Start-Rekord angeblich ausgeblendet

Dieser Wunsch geht zwar nicht ganz in Erfüllung, aber schon am Samstag geht es für die "Bruchweg-Boys" in Mainz weiter. Und es könnte ein bundesligahistorischer Tag werden, wenn der Hamburger SV in der Spaßbox Bruchwegstadion zu Gast ist (Samstag, ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Sieben Siege haben die Nullfünfer aus den ersten sieben Bundesligaspielen geholt. Das gelang bisher nur dem 1. FC Kaiserslautern (2001/2002) und dem FC Bayern München (1995/1996). Schlägt Mainz auch den HSV, gehört der Rekord ganz alleine den Jungs von Trainer Thomas Tuchel.

Laut Torjäger Schürrle ist das aber kein Thema. "Über den Rekord haben wir uns schon vorher keine Gedanken gemacht und werden das auch jetzt nicht machen. Das ist für die Medien ein schönes Thema, aber bei uns in der Mannschaft spielt es keine Rolle", behauptet er.

Hype wird immer größer

Dass den Mainzern der Rekord egal ist, kann man nun glauben oder auch nicht. Klar ist aber, dass Coach Tuchel das Thema in seinem Team nicht forciert.

"Sie können ja auch nicht wissen, ob es die Spieler motiviert, oder ob es sie hemmt, ob sie es als zu groß empfinden", erklärte er der "Allgemeinen Zeitung".

Denn die Gefahr, dass dem FSV der Hype um seine junge Erfolgstruppe über den Kopf wächst, ist durchaus gegeben. Presseanfragen aus aller Welt trudeln in der Geschäftsstelle ein, die Kartennachfrage für das ohnehin schon kleinste Bundesligastadion war schon in den letzten Jahren nicht zu befriedigen ? ganz ohne Erfolgsserie.

Die Entwicklung geht so weit, dass für die "Coface Arena", dass zur kommenden Saison fertig gestellte neue Stadion schon jetzt die Karten knapp werden. Mit 25.000 bis 28.000 Dauerkarten-Käufern rechnet Geschäftsführer Michael Kammerer in der 34.000-Plätze-Arena. 23 der 27 VIP-Logen sind bereist vermietet.

Nationalspieler wohlbehalten zurück

Und in diesem aufgeheizten Klima muss Thomas Tuchel seine Mannschaft auf den HSV vorbereiten. Nur gut, dass sich der Mainzer Lauf auch in der Personalsituation widerspiegelt.

Neun Spieler des FSV waren auf Länderspielreise, alle kehrten ohne Blessuren und mit noch mehr Selbstvertrauen zurück ? wenn das überhaupt möglich ist.

Schürrle und Holtby führten die U 21 zum Sieg, Adam Szalai traf für Ungarn in der EM-Qualifikation gleich vier Mal, Morten Rasmussen erzielte bei Dänemarks 2:0-Sieg gegen Zypern das 1:0.

Die Aufgabe von Tuchel ist klar, das wusste er schon vor den Länderspielen. "Es darf für sie (die Spieler, Anm. d. Red.) nicht uncool werden, 90 Minuten lang alles zu geben", forderte er da schon.

"Ich denke nur an Siege"

Die Gefahr besteht bei Lewis Holtby angeblich nicht. "Für mich ist es wichtig, keinen auf cool zu machen und zu denken: Ich bin der Allergrößte", behauptete der.

Das Einzige, was in Mainz wirklich uncool ist, ist der Gedanke an das Ende des schier unglaublichen Laufs. "Momentan denke ich nur an Siege. Ich weiß gar nicht mehr wie es ist zu verlieren", sagte Holtby SPORT1.

Schürrle pflichtete ihm bei:

"Ich mache mir keine Gedanken darum, ob es mal wieder schlechte Phasen gibt. Solange es so gut läuft, sollte man das ausnutzen."

Denn wer weiß: Ist der Lauf erstmal vorbei, pfeift der Schiedsrichter vielleicht auch wieder Abseits.

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