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Mosaikbausteine des Erfolgs (v.l.): Vedad Ibisevic, Demba Ba und Sejad Salihovic © imago

Woher leitet sich Hoffenheims Zauber nur ab? Sport1.de nennt die Parallelen zu Topklubs wie Milan, Barca und Arsenal.

Von Christian Paschwitz

München - Seit Wochen zelebriert 1899 Hoffenheim Fußball zum Zungeschnalzen und mischt die Liga auf.

Und vergeblich sucht man derzeit nach etwas Vergleichbarem zur Torfabrik des Sensations-Aufsteigers, der sich inzwischen als ernsthafter Titel-Anwärter etabliert hat.

Was ist es, was die Erfolgsgeschichte des Teams von Ralf Rangnick ausmacht?

Die Auftritte der Kraichgauer wirken wie eine Mischung aus den Philosophien der weltbesten Vereine.

Kurzum: Das Beste aus allen (Fußball-)Welten.

Parallelen zu den absoluten Top-Klubs

So erkannte Bayern-Kapitän Mark van Bommel Ähnlichkeiten mit seinem Ex-Klub FC Barcelona. "Hoffenheim spielt wie Barca", meinte der Niederländer kürzlich.

Natürlich haben sie bei 1899 keine Superstars wie Lionel Messi, Samuel Eto'o und Thierry Henry.

Es geht aber auch ohne: Für das Hoffenheimer Offensivspektakel mit eingebauter Tor-Garantie (31 Tore in elf Spielen) sorgt ein Sturm-Trio mit dem besten Liga-Vollstrecker Vedad Ibisevic (13 Tore) sowie Demba Ba (6) und Chinedu Obasi (5).

Sport1.de nennt die Parallelen zwischen dem "Modell Hoffenheim" und Klubs wie Barcelona, Ajax Amsterdam, FC Arsenal, AC Mailand und Zenit St. Petersburg.

Offensiv-Klasse wie Barca"

Was bei "Barca" als Impulsgeber hinter den Spitzen die EM-Stars Xavi und Iniesta sind, das adaptieren in Hoffenheim Freistoß-Spezialist Sejad Salihovic und der Brasilianer Carlos Eduardo.

Hoffenheim 2008 kennt nur eine Spielweise: Schnell, direkt - und immer nach vorn. Bei den Übungseinheiten im Training sind Quer- und Rückpässe verboten. Dafür geht es rauf und runter.

One-Touch-Football wie Arsenal

One-Touch-Football ist nicht bloß ein englischer Begriff, sondern auch Rangnicks Credo. "Wie man mit nur einem Ballkontakt erfolgreich spielt, hat ein Alexander Hleb übrigens erst bei Wenger in Arsenal gelernt", so Rangnick.

Hoffenheims Chefcoach ist ein Fan des Arsenal-Teammanagers. "Ich schätze die Arbeit von Arsene Wenger sehr", bekennt sich Rangnick zur Philosophie der "Gunners", bei denen er bereits mehrfach hospitiert hat.

Philosophie wie Ajax

Zur Schnelligkeit kommt die außergewöhnlicher Technik und ein taktisches System, das von den Jugendteams aufwärts im gesamten Verein das gleiche ist - die so genannte Ajax-Schule.

Die Amsterdamer dienen auch als Vorbild bei der Spieler-Rekrutierung: "Wir verpflichten nur ganz junge und hochtalentierte Spieler im Alter zwischen 17 und 23 Jahren", erklärt Rangnick.

Kondition wie Zenit

Hinzu kommt die unglaubliche Kraft, mit der die Badener bisher die meisten Gegner in Grund und Boden rannte.

Rangnick nennt die Rückeroberung des Balles den "zweiten Baustein unserer Spielweise": "Wir verlangen auch von unseren Stürmern, dass sie nach hinten versuchen, Bälle zu stehlen - und das machen die Jungs."

Derart aufwändig wie effektiv praktizieren das noch der von Dick Advocaar trainierte UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg sowie die russische Nationalmannschaft.

Die wird von Advocaats Landsmann Guus Hiddink betreut, der schon bei der WM 2002 mit Südkorea dank einer unfassbaren Kondition bis ins Halbfinale einzog.

Grundlage dafür ist in Hoffenheim akribische Trainingsarbeit. Daher meint Rangnick auch: "Ich wüsste nicht, warum wir konditionell einbrechen und diese Art zu spielen nicht bis zum Saisonende durchhalten sollten."

Wissenschaftlich wie Milan

Der 50-Jährige lobt auch die "außergewöhnliche Infrastruktur mit fantastischen Trainingsbedingungen", die schon bei seiner Amtsübernahme in der Regionalliga 2006 bestanden hätten.

Damit befindet sich die TSG ebenfalls auf Augenhöhe mit den europäischen Top-Teams wie der Vergleich mit den Bundesligisten zeigt. "Wir sind für mich unverständlicherweise nach wie vor der einzige Verein, der die Möglichkeit besitzt, die Spieler auf dem Trainingsgelände auch übernachten zu lassen", so Rangnick.

Zu den perfekten Bedingungen kommt die systematische wissenschaftliche Analyse. Für den Blick über den Tellerrand ist der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters zuständig.

Rangnick vertraut auf einen Experten-Stab, bezieht Anleihen aus anderen Sportarten und richtet sein Augenmerk auf die neuesten psychologischen wie medizinischen Erkenntnisse.

Vergleichbares findet man beim AC Mailand, wo man stolz auf das vereinseigene "Milan Lab" ist.

Bei Milan verweist man wie selbstverständlich darauf, dass ein Großteil der Erfolges dieser Institution und seinem einzigartigen Ärztestab zu verdanken ist.

Und nicht nur das: Ein Sportpsychologe, der in der Serie A seit Jahren selbstverständlich ist, ist auch in Hoffenheim ein wichtiger Eckpfeiler.

Deshalb warb Jürgen Klinsmann Ex-Bundesligatorwart Philipp Laux von dieser Position aus Hoffenheim ab. Nachfolger ist nun kein Geringerer als DFB-Sportpsychologe Hans-Dieter Herrmann.

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