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Jakub Blaszczykowski obenauf: Der Pole brachte den BVB in Führung © getty

Nach dem siebten Sieg in Folge steht die Borussia erstmals seit dem Titelgewinn 2002 auf Platz eins. In Köln liegen die Nerven blank.

Köln - Jung, giftig, erfolgreich: Weder Attacken auf den Mannschaftsbus noch ein Flegel namens Lukas Podolski können Borussia Dortmunds Hurra-Fußballer derzeit stoppen. 299829(DIASHOW: Der 8. Spieltag)

"Für Köln ging es um alles, für uns um sehr viel. Beeindruckend war die Gier meiner Mannschaft, wie sie nach dem Ausgleich auf Sieg gespielt hat", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem 2:1 (1:0) der Westfalen in der Nachspielzeit beim 1. FC Köln.

Nach 3087 Tagen wieder Erster

Nach dem siebten Sieg in Folge, womit der Vereinsrekord eingestellt wurde, und nach 3087 Tagen steht die Borussia wieder nach einem kompletten Spieltag an der Tabellenspitze.

Am 4. Mai 2002 war es das letzte Mal - damals machte man an einem Samstag bei Kaiserwetter durch ein 2:1 gegen Werder Bremen den bislang letzten von sechs Meistertiteln perfekt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sahin - erst Gelb, dann Siegtor

"Beeindruckend sind der Wille und die Charakterstärke der Mannschaft. Das ist eine schöne Momentaufnahme", sagte ein glücklicher Vorstandschef Hans-Joachim Watzke, der den Klub mit einem harten Sparkurs aus dem finanziellen Schlamassel führte.

Was Watzke und Klopp vor allem beeindruckte, war die Schlüsselszene in der 89. Minute.

Nationalstürmer Podolski, der sieben Minuten zuvor mit einem sehenswerten 16-Meter-Schuss das 0:1 durch Jakub Blaszczykowski (20.) ausgeglichen hatte, geriet mit Dortmunds Nuri Sahin aneinander.

Podolski provoziert

"Prinz Poldi" provozierte den türkischen Nationalspieler mit drei hochgehaltenen Fingern - dem Hinweis auf das 3:0 der deutschen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen die Türkei.

Von Schiedsrichter Günter Perl (Pullach) gab's Gelb für beide, dann drückte Dortmund auf die Tube.

Und Sahin sorgte nach einem herrlichen Angriff in der Nachspielzeit für das Siegtor (90.+1).

Versöhnung im Tunnel

"Wir haben uns im Tunnel die Hand gegeben. Wenn jemand zu mir kommt und sich entschuldigt, dann hat er auch meinen Respekt verdient", sagte Sahin.

Und weiter: "Deswegen braucht man daraus auch keine große Geschichte zu machen. Emotionen gehören dazu, schließlich steht auch viel auf dem Spiel."

Der enttäuschte Podolski meinte: "Wir haben uns auf dem Platz gestritten. Das passiert mal, wir haben uns aber danach die Hand gegeben."

Junges Team mit Charakter

Klopp hat offensichtlich ein Team aus Charakterköpfen zusammengestellt - umso bemerkenswerter, hatte die Startelf doch ein Durchschnittsalter von gerade mal 23 Jahren.

"Köln ist eine Mannschaft, die den Abstiegskampf erkannt hat. Darauf haben wir uns eingestellt", sagte der Coach. Dennoch konnten sich nach einem turbulenten Tag einige BVB-Spieler diebische Freude nicht verkneifen.

"Es ist ein geiles Gefühl, gewonnen zu haben. Wenn der Gegner so frech ist, freut es einen umso mehr", sagte Innenverteidiger Neven Subotic und meinte mit Blick auf den Last-Minute-Sieg in Köln im vergangenen Jahr (3:2): "Solche Siege in letzter Minute bringen uns weiter zusammen."

Chaot attackiert Mannschaftsbus

Zu allem Überfluss hatten die Gäste auch noch vor dem Spiel einen Schock zu verkraften, weil "irgendein Schwachkopf" (Klopp) einen Stein gegen den Mannschaftsbus geworfen und die Scheibe beschädigt hatte.

Der sportliche Erfolg wirkt sich zwangsläufig auch auf den wirtschaftlichen aus. Bilanzierungsexperte Karlheinz Küting sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", dass "Borussia Dortmund ökonomisch fast auf Augenhöhe mit dem FC Bayern München" sei.

Die Aktie gewinne an Wert. Glänzende Aussichten also.

Katzenjammer in Köln

Ganz anders die Situation in Köln. Dort muss Podolski bei Manager Michael Meier in den kommenden ungemütlichen Tagen antreten und Stellung zu seiner öffentlichen Kritik (u.a. fehlende Strategie) beziehen.

Und Trainer Zvonimir Soldo wird angesichts des vorletzten Platzes und nur fünf Punkten aus acht Spielen weiter unter Druck stehen.

Podolski meinte immerhin: "Er hat einen einwandfreien Charakter. Wir müssen die Punkte auf dem Platz holen."

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