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Holger Stanislawski (r.) feiert mit Torschütze Marius Ebbers © getty

Die Maßnahmen von Stanislawski greifen auch beim Sieg gegen Nürnberg. Nicht nur der Trainer sieht St. Pauli "in der Liga angekommen."

Hamburg - Ein gehorsamer Fußball-Profi tut, was sein Trainer ihm aufträgt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Stani hat zu mir gesagt, ich soll das Spiel nach Hause bringen und einen reinhauen", erzählte Florian Bruns nach seinem Siegtreffer in der 82. Minute zum 3:2 (1:0)-Erfolg des FC St. Pauli über den FC Nürnberg:

"Und wenn der Cheftrainer das sagt, dann muss man es machen." Das war zwar als Witzchen gemeint, hat aber durchaus einen wahren Kern.

Coach Holger Stanislawski hatte wieder so eine Woche der Eingebungen, in der er alles richtig gemacht hat.

Lob für Asamoah

Seine Entscheidung, erstmals Zugang Gerald Asamoah nach überstandener Sehnenverletzung in die Startelf zu berufen, zahlte sich beim Tor des Ex-Schalkers (45.+1) und seiner Vorbereitung des 2:1 von Marius Ebbers (59.) wie die Einwechslung von Bruns voll aus.

"Gerald kann noch nicht bei 100 Prozent sein, aber er hat sich 70 Minuten nicht geschont und sich mit seinem Tor belohnt. Er hat die richtige Entscheidung getroffen, zu uns zu kommen."

Auch der ehemalige Schalker strahlte: "Für mich war das ein weiterer Schritt nach vorne, ich brauche halt Spielpraxis. Die Moral war überragend, wir haben immer an uns geglaubt."

Erfolg über Standards

Die beiden ersten Hamburger Tore fielen nach Eckbällen, in denen die Nürnberger Hintermannschaft unorganisiert wirkte.

Ausgerechnet.

Aus dem Spiel heraus nämlich ließen die gewohnt tief verteidigenden Gäste wenig zu.

Noch am Freitag hatte Stanislawski deshalb mit acht Spezialisten in weiser Voraussicht Standardsituationen im Stadion üben lassen.

"An der Sache beruhigt mich, dass wir Erfolg haben, wenn die Jungs machen, was sich sage", erklärte Stanislawski mit einem Augenzwinkern.

HSV-Sieg trübt Stimmung etwas

Sie haben halt gut lachen am Millerntor. Die Fans tobten, es herrschte auch nach dem Abpfiff erstmals in dieser Spielzeit die berühmte Freudenhaus-Atmosphäre, die lediglich durch die Nachricht getrübt wurde, dass der ungeliebte Lokalrivale Hamburger SV beim FSV Mainz 05 gewinnen konnte.

Der Traum, am HSV in der Tabelle vorbeiziehen zu können, blieb unerfüllt. Aber sonst blieben keine Wünsche offen nach diesem ersten Heimsieg des Aufsteigers.

Mit 13 Punkten und schon vier Siegen nach acht Spieltagen rangiert der Stadtteilklub im oberen Tabellendrittel, ein überragender Saisonstart für ein Team, das von vielen als Absteiger Nummer eins gehandelt wurde.

"In der Liga angekommen"

"Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme", sagte Stanislawski, "aber wir wissen, dass wir in der Bundesliga angekommen sind und die Möglichkeit haben, Punkte zu holen."

Bislang war ihnen das ja vor allem auswärts geglückt, wenn sie in fremden Stadien mehr Platz zum Kontern hatten.

Außerdem waren mit 1899 Hoffenheim, dem HSV und Borussia Dortmund zuvor auch nur Hochkaräter am Millerntor zu Gast.

Nach den vermeidbaren Gegentoren durch Mehmet Ekici (48.) und Andreas Wolf (62.) sah es auch erneut nach einem Punktverlust daheim aus.

"Unser größerer Siegeswille war schließlich ausschlaggebend", meinte Verteidiger Florian Lechner.

Hecking sieht mehr Leidenschaft beim Gegner

Da stimmte auch "Clubtrainer" Dieter Hecking zu: "Es hat die Mannschaft gewonnen, die zehn Zentimeter mehr Leidenschaft gezeigt hat. Pauli hat sich vor der Pause mehr reingekniet, wir haben es da verpasst, ihnen die Stirn zu bieten."

So verpassten die Franken einen wichtigen Zähler bei einem Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt.

"Wir wussten, dass sie bei Standards und hohen Bällen gefährlich sind", meinte Kapitän Wolf, "diese Tore dürfen nicht passieren, das war eine ganz bittere Niederlage."

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