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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat nur noch wenig Hoffnung auf eine Einigung © getty

Der Streit mit dem KNVB wird wohl vor Gericht entschieden. Ein Prozess werde "Bosmansche Dimensionen" haben, sagt Rummenigge.

München/Amsterdam - Rekordmeister Bayern München will im Dauerstreit mit dem niederländischen Fußball-Verband KNVB einen Präzedenzfall mit der Wirkung des Bosman-Urteils erzwingen.

"Wir möchten vor Ende des Monats wissen, ob eine Einigung möglich ist", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem niederländischen Fernsehsender "NOS".

"Wenn nicht, wird es eine juristische Angelegenheit. Und wenn ein Prozess kommen sollte, dann hat dieser Bosmansche Dimensionen."

Die aktuellen Regeln des Weltverbandes FIFA über die Entschädigung von Klubs für die Abstellung ihrer Profis für Länderspiele bevorteilen laut Rummenigge die Verbände.

"In der neuen Fußballwelt", also nach einem Urteil pro Bayern, "könnten sie dann günstiger für die Vereine sein", erklärte er.

Bayern fordert Millionen

Streitpunkt ist Bayerns Forderung nach einer Entschädigung in Millionenhöhe für die verletzungsbedingten Ausfälle von Arjen Robben und Mark van Bommel.

Ziel sei es "eine faire, gütliche Lösung zu erzielen", sagte Rummenigge. Der niederländische Verband habe die Pflicht für den finanziellen Schaden aufzukommen.

"Den sportlichen haben wir ja schon. Wir müssen fünf Monate auf den vielleicht besten Spieler der letzten Saison verzichten."

Große Hoffnung auf eine Einigung besteht beim Bayern-Boss allerdings nicht.

Zuversicht gebe im Grunde ihm nur die Möglichkeit, dass KNVB-Präsident Michael van Praag als Schlichter einspringen könne, erklärte der 55-Jährige.

"Er ist der Einzige, der hier noch die harten Fronten aufweichen und zu einer Lösung beitragen kann."

Vorbereitungen auf Rechtsstreit

In der Tageszeitung "De Telegraaf" ergänzte Rummenigge, dass die Münchner zu einer "jahrelangen" juristischen Auseinandersetzung bereit seien, um eine finanzielle Entschädigung zu erzwingen.

[kaltura id="0_nofjddsp" class="full_size" title="Hoene sauer auf KNVB "]

"Der Vorstand hat uns beauftragt, diesen Weg zu gehen. Dafür sind die Vorbereitungen getroffen. Unsere Anwälte sind zuversichtlich, dass wir da etwas erreichen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Münchener.

Auch mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter habe er bereits gesprochen, dieser "versteht unsere Schritte".

Revolution durch Bosman-Urteil

Als Bosman-Urteil wurde eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) aus dem Jahr 1995 bekannt, die Profi-Fußballern in der Europäischen Union nach Ende ihres Vertrages einen ablösefreien Wechsel erlaubte.

Zudem brachte die Entscheidung die im europäischen Sport bestehenden Restriktionen für Ausländer zu Fall - eine Revolution mit bis heute spürbarer Wirkung.

Geklagt hatte der belgische Profi Jean-Marc Bosman.

Kompromiss vom KNVB

Der KNVB hatte den Bayern am Freitag einen Kompromissvorschlag unterbreitet, um den Streit doch noch vom Tisch zu bekommen.

Über den Inhalt des Vorschlages wurde nichts bekannt.

Rummenigge setzt weiter auf die Einsicht des KNVB, der Gang vor Gericht sei nur der äußerste Schritt, betonte er am Samstag nach dem 3:0-Sieg der Bayern gegen Hannover 96.

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