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Simon Rolfes (l.) wechselte aus Aachen zu Bayer Leverkusen © getty

Nach seiner Gala gegen Wolfsburg bleibt der Leverkusener bescheiden. VfL-Manager Hoeneß nimmt sich seine Versager zur Brust.

Wolfsburg - Nicht einmal Simon Rolfes konnte an diesem Tag alle Probleme von Bayer Leverkusen lösen 299829(DIASHOW: Der 8. Spieltag).

Ausgerechnet in der Autostadt Wolfsburg streikte der Mannschaftsbus der Rheinländer, die erst mit reichlich Verspätung ihre Heimreise antreten konnten.

Dass daraus dennoch eine ausgelassene Feierfahrt wurde, lag vor allem an Superjoker Rolfes.

Innerhalb von nur 13 Minuten drehte er fast im Alleingang das längst verloren geglaubte Spiel beim VfL zum 3:2 (0:2)-Sieg und beendete seine einjährige Leidenszeit mit einem Gala-Auftritt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das war auch für meine Gemütslage wichtig", sagte der Nationalspieler. Viel mehr ließ sich der bescheidene Blondschopf nicht entlocken.

Bescheiden wehrte er alle Lobenshymnen ab und zählte in der Stunde des Triumphes sogar eigene Schwächen auf: "Ich bin noch nicht ganz der Alte. Mir fehlt noch die Frische."

Die Bosse schwärmen

Dafür kamen die Verantwortlichen des Werksklubs, der auf Tabellenplatz drei kletterte, aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

"Für Simon war das wie ein Märchen", sagte Sportchef Rudi Völler: "Er ist ein netter Kerl, der hart für dieses Comeback gearbeitet hat."

Auch Trainer Jupp Heynckes hätte sich keinen besseren Matchwinner wünschen können: "Er hat einen langen Leidensweg hinter sich. Er hat es sich verdient."

Lange Leidenszeit

Wegen Knieproblemen war Rolfes in den vergangenen zwölf Monate fast ausschließlich zum Zuschauen verdammt.

Im Januar musste der 28-Jährige wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie sogar operiert werden - der Traum von der WM in Südafrika war brutal geplatzt.

Nach schier endlosen 241 Tagen kehrte Rolfes vor drei Wochen gegen Eintracht Frankfurt (2:1) auf den Rasen zurück, und spätestens nach dem Wolfsburg-Spiel wusste der Mittelfeldspieler, dass sich die monatelange Quälerei in der Reha gelohnt hat.

"Es ging alles ganz schnell, so wie im Film", sagte Rolfes. Ein Film mit Happy End für ihn.

Als der Bayer-Kapitän in der 69. Minute beim Stand von 0:2 eingewechselt wurde, glaubte eigentlich keiner mehr an eine Wende - außer Rolfes: "Ich komme doch nicht rein, um nur irgendwie mitzuspielen. Ich habe gespürt, dass hinten raus noch etwas geht."

Effektive Gala

Mit der ersten Ballberührung gelang ihm der 1:2-Anschlusstreffer (72.).

Nur kurze Zeit später schoss er Makoto Hasebe an die Hand, den fälligen Strafstoß verwandelt Arturo Vidal (75.). Acht Minuten vor dem Anpfiff köpfte Rolfes tatsächlich noch den Siegtreffer.

Die lange Leidenszeit hat Rolfes Geduld gelehrt. Er wolle jetzt nichts überstürzen, ein Einsatz in der Startelf "kommt früher oder später von alleine". Auch das Thema Nationalmannschaft geht der gebürtige Ibbenbürer behutsam an:

"Im Februar gibt es ein schönes Länderspiel in Dortmund gegen Italien. Bin ich dann wieder in Topform, bin ich vielleicht wieder dabei."

In Topform präsentierten sich auch viele Wolfsburger - allerdings nur etwa eine Stunde lang.

Dicker Hals bei Hoeneß

Danach brachen wie schon beim 3:4 gegen den FSV Mainz, als die Wölfe sogar eine 3:0-Führung nicht über die Runden brachten, alle Dämme.

"Ich habe so einen dicken Hals, bin stinksauer", sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß und kritisierte das Verhalten nach dem Anschlusstreffer: "Ein kleiner Rückschlag - und schon bricht bei uns Hektik aus."

Exemplarisch dafür stand Spielmacher Diego. Der Brasilianer zauberte zunächst wie in alten Zeiten und brachte den VfL in Führung (9.), die später Grafite (68.) sogar noch ausbaute.

Wirbel um Diego

Doch danach versteckte sich Diego zunehmend und fiel nur noch durch ein Foul gegen Vidal auf, für das er die Rote Karte hätte bekommen können.

Nicht die erste Undiszipliniertheit des Edeltechnikers, der schon beim Foul gegen den Dortmunder Sebastian Kehl am Rande des Platzverweises stand.

Doch Manager Hoeneß verteidigte seinen 15 Millionen Euro teuren Stareinkauf: "Er hat nicht getreten, aber auch nicht zurückgezogen. So etwas passiert 30-mal in einem Spiel, nur bei Diego gibt es jedes Mal eine Diskussion."

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