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Borussia Dortmund gewann den letzten von sechs Meistertiteln 2002 © imago

Euphorie dank Platz eins: Es läuft vieles richtig in Dortmund. Der Klub steht wieder für Gesichter und womöglich am Anfang einer Ära.

Von Daniel Rathjen

München - Es sind schillernde Erinnerungen an die Zeit, als Dortmund die Fußball-Hauptstadt der Republik war.

Mitte der 90er Jahre, 1995 und 1996, wurde die Borussia Deutscher Meister, gewann 1997 die Champions League und den Weltpokal. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Spieler wie Stephane Chapuisat, Matthias Sammer und Andreas Möller prägten diese Ära.

2002 gewann der BVB den vorerst letzten Titel. Es folgte der wirtschaftliche Ruin, die Identität des Weltklubs verblasste.

Erster - seit 3087 Tagen wieder

Doch jetzt steht der Verein wieder für Gesichter.

Mit einer Führungstroika, die keine Angriffsfläche bietet, und hungrigen Perspektivspielern hat er die Tabellenspitze erklommen - zum ersten Mal nach acht Jahren, nach 3087 Tagen.

Dortmund und Mainz haben als gemeinsames Spitzenduo mit jeweils 21 Punkten jetzt schon sechs Zähler Vorsprung auf den Dritten Bayer Leverkusen.

125 Millionen Euro Schulden abgebaut

Sicherlich, es ist nur eine Momentaufnahme. Vor allem ist es jedoch eine Konsequenz aus einem jahrelangen Kraftakt, die allen Schwarz-Gelben Selbstbewusstsein verleiht.

125 Millionen Euro Schulden hat der BVB in den vergangenen fünf Jahren abgebaut, der Klub ist trotz 59 Millionen Euro Verbindlichkeiten saniert.

"Der Klub hat wieder ein ordentliches Fundament", erklärt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Sein Profil als Wirtschafts-Profi ist scharf, ergänzt wird es durch den glaubhaften und leidenschaftlichen Sport-Botschafter Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc.

Dessen Sachverstand erfährt mittlerweile auch öffentliche Würdigung.

Durchschnittsalter von 21,1 Jahren

Was sie in Dortmund momentan anfassen, es wird schwarz-gelbes Gold.

Das Gefühl, dass wieder etwas Großes heranwächst, ist stark.

Junge Spieler wie Mario Götze, Kevin Großkreutz, Nuri Sahin, Mats Hummels, Sven Bender sowie die hungrigen Lucas Barrios und Shinji Kagawa verkörpern das. Das Team hat ein Durchschnittsalter von 21,1 Jahren.

Ist sogar die Meisterschaft drin?

Träumereien (noch) verboten

"Wenn Sie mich fragen: Lieber eine Nacht Tabellenführer sein als nie. Im Ernst: Die Tabellenführung nach dem achten Spieltag hat keinen wirklichen Wert", beschwichtigt Klopp.

Die Spieler sehen das ähnlich und bemühen sich, auf dem Teppich zu bleiben. "Wir werden in dieser Woche sicherlich häufiger auf die Tabelle schauen, aber niemand von uns wird anfangen zu träumen", verspricht Sahin.

Vom Titel spricht keiner, aber die "Charakterstärke, den Siegeswillen, das positive Grundgefühl" beeindruckt alle.

Der BVB hat einen Lauf, selbst Scharmützel (Lukas Podolski gegen Sahin) oder die Stein-Attacke auf den Mannschaftsbus können den Schwung nicht bremsen.299829(DIASHOW: Der 8. Spieltag)

Hinter dem Erfolg steckt Konzept. Die kargen Jahre haben bei den Verantwortlichen viele gedankliche Prozesse bewirkt.

Klopp als letzter Stein im Mosaik

"Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir eine Mannschaft bilden müssen, die alles raushaut. Eine Mannschaft, die vor allem aus jungen Spielern besteht, weil uns das zusätzlichen Kredit beim Publikum verschafft", erklärt Watzke.

Die Fans sind das Herz des Vereins. Das Experiment mit Trainer Thomas Doll war schief gegangen. Das letzte entscheidende Mosaiksteinchen war die Verpflichtung von Klopp.

"Es war unser großes Glück, in ihm den passenden Trainer zu finden, der diesen Weg mitgeht", weiß Dortmunds Geschäftsführer.

Dass der Erfolg auf den Charakter der Beteiligten schlägt, glaubt er nicht. Watzke weiß, dass große Sprünge immer noch utopisch sind.

Teure Transfers nicht drin

"Ein Zehn-Millionen-Transfer ist für uns nicht zu stemmen. Wir stoßen schon bei fünf Millionen an unsere Grenzen", stellt er klar.

Stattdessen soll der eingeschlagene Weg konsequent fortgeführt werden.

Bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte Klopp den Borussen-Fans, "die eine oder andere Vollgas-Veranstaltung versprochen".

Eines steht schon jetzt fest: Gelogen hat er nicht.

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