In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Die Liga im November 2008: Immer schneller, härter, klarer.

Eine Woche lang habe ich mich aufgrund eines Todesfalls in meiner Familie zurückgezogen - doch jetzt am Wochenende und Spieltag 11 hat mich die Faszination Fußball wieder gepackt und von meiner Trauer abgelenkt!

Die Tormaschine Hoffenheim:

Diese Truppe und dieser Stil von Fußball sind einmalig. Wer jetzt immer noch von der "Millionen-Mannschaft" und "gekauftem" Erfolg faselt, hat wirklich keine Ahnung.

Ich bin ganz ehrlich: Ich kannte vor der Saison bis auf Marvin Compper und Andy Beck gar keinen Spieler.

Die Mischung macht?s eben und der Blick für hungrige, talentierte Profis.

Perfekt: Im Gegensatz zu anderen Überraschungsteams kann die TSG nach einer tollen Saison nicht auseinanderfallen oder kaputt gekauft werden - weil man selbst genügend Wirtschaftskraft hat. Hier wächst eine feste Größe der Bundesliga.

Von wegen Vizekusen!

Unter dem berühmten Bayer-Kreuz ist endgültig der "Mief" des "ewigen Zweiten" weggespült worden. Mit einem unverbrauchten, selbstbewussten Trainer Bruno Labbadia. Mit einer jungen, aber dennoch erfahrenen Mannschaft.

Der größte Unterschied zu den Vize-Jahren: Die Abwehr und der Torwart.

Selbst in der legendären Spielzeit 2002 mit Champions-League-Finale, Pokalfinale und Vize-Meisterschaft hat man in Leverkusen immer zu viele Gegentore bekommen.

Heute sieht das anders aus: Vorne klingelt es cool und regelmäßig, hinten fliegt Adler. Nur 11 Gegentore, zweitbeste Defensivreihe der Liga nach Schalke.

Der lähmende Fluch des Dauerverlierers in den entscheidenden Momenten ist - nach meinem Bauch-Gefühl - vorbei. Leverkusen ist ein Titelkandidat, endgültige Prognose vor der Winterpause.

Es soll kein Eigenlob sein: Aber ich habe davor gewarnt, Jürgen Klinsmann und Friedhelm Funkel in Gedanken schon in die Wüste zu schicken, weil die Ergebnisse nicht stimmten.

Und jetzt, zwei Wochen später: Bayern ist in der Spur, Frankfurt aus dem Keller. Wer die Nerven behält und an sein Konzept mit Mut und Verstand glaubt, wird belohnt.

Deshalb funktioniert Gladbach NICHT.

Denn: Ein Konzept war vor der Saison und ist auch jetzt für MICH nur schwer zu erkennen. Leider. Der Trainerwechsel ist schon ad absurdum geführt, es weht kein frischer Wind.

Wenn jetzt das direkte Duell mit Bielefeld auf der Alm, sorry, in der Schüco-Arena, auch noch verloren wird, muss am Niederrhein endgültig und endlich mal konsequent über das Geschäft Fußball nachgedacht werden:

Das Produkt ist die Mannschaft, der Sport, das Spiel! Ein Super-Stadion und eine einzigartige Tradition können nur Hilfsmittel sein...

Was mir noch auf der Seele brennt: Der große Krach der Nationalmannschaft

Ballack gegen Löw, Frings gegen Löw. Aussprache in der DFB-Zentrale. Was für ein hausgemachter, unnötiger Alarm!

Es gibt nur eine Wahrheit - und die gilt immer. Früher, heute, morgen: Es gibt keinen Spieler, keinen Star, der größer ist als das weiß-schwarze Trikot mit dem Bundesadler. Nur wer dieses Trikot tragen darf, kann ein Star werden.

Nur wer für sein Land spielen darf, ist ein außergewöhnlicher, besonderer Bundesligaspieler.

Länderspiele und große Turniere machen einen Spieler national, international bekannt. Wer für Deutschland spielt hat immer eine große Chance, Weltmeister, Europameister zu werden.

Wer das vergisst, verkennt die eigene Lage und Herkunft.

Und: Ein Trainer rechnet immer mit dem SCHLIMMSTEN. Bedeutet: Wenn Spieler X langfristig verletzt ist, wer kann dann meine Mannschaft führen?

Jede Niederlage ist Job-Gefahr! Deshalb verzichtet kein Trainer der Welt freiwillig auf Top-Qualität.

Das Wort-Gemetzel war aus diesem Grund völliger Blödsinn. Das Ergebnis vorher klar!

Einziger Vorteil für die Zukunft: Diese Diskussion hat nur gezeigt, was schon immer jeder gefühlt, nur nicht ausgesprochen hat: Die Nationalmannschaft ist das Lieblingskind der Deutschen.

Wer das gefährdet oder angreift, hat ein Problem. Und das ist gut so.

HerzlichstEuer Toni Schumacher

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