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Karl-Heinz Rummenigge musste sich im Streit mit dem KNVB ´schon als "asozial" beschimpfen lassen © getty

Im Dauerstreit mit dem niederländischen Verband geht der Bayern-Präsident nicht von einem erfolgreichen Schlichtungsgespäch aus.

Von Olaf Mehlhose

München - Im Dauerstreit zwischen dem niederländischen Fußball-Verband KNVB und dem FC Bayern gibt es nur minimale Bewegung.

Die beiden Bayern-Vorstandsmitglieder Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner haben sich zwar am Rande des DFB-Bundestages in Essen mit dem KNVB-Präsidenten, Michael van Praag, getroffen.

Zum ersten Mal sprach damit der FCB-Vorstand mit van Praag über die Verletzungen von Arjen Robben und Mark van Bommel.

Ergebnisse gab es aber nicht zu verkünden: Es wurde allerdings ein weiteres Treffen zwischen den Münchnern und van Praag sowie KNVB-Direktor Bert van Oostveen vereinbart.

Hoeneß: "Glaube nicht, dass etwas herauskommt"

Die Bayern gaben sich allerdings vor dem Treffen sketpisch, ob eine Lösung möglich ist. Präsident Uli Hoeneß ging jedenfalls im Vorfeld nicht von einem positiven Ergebnis aus.

"Die derzeitigen Unterlagen lassen nicht gerade den Schluss zu, dass die Bereitschaft da ist", sagte Hoeneß der Münchner "tz" vor Gesprächen.

"Ich glaube nicht, dass dabei etwas herauskommt."

Die Niederländer hatten in einem Brief an die Bayern zuletzt nochmals den Standpunkt vertreten, keinerlei Schuld an den Ausfällen der Nationalspieler Arjen Robben und Mark van Bommel zu haben.

Während FCB-Coach Louis van Gaal in dem Streit für keinen der beiden Widersacher Partei ergreifen will, schlägt sich sein Landsmann Huub Stevens bei SPORT1 auf die Seite der Bayern.

"Bayern haben moralisch recht"

"Die Bayern haben moralisch recht, weil der Verein die Spieler bezahlt. Sie müssen auch mit den Profis über die Situation sprechen", sagte der Niederländer.

"Wenn ein Spieler verletzt zur Nationalmannschaft reist und die noch schwerer verletzt zurückkommt, ist der Spieler dafür verantwortlich und nicht der Trainer oder der Verband."

Bei einem Rechtsstreit räumt er den Münchenern jedoch wenig Chancen ein:

"Wenn sie vor Gericht gehen, bin ich gespannt, was dabei herauskommt. Sollte Bayern Zustimmung bekommen, steht der Nationalmannschaftsfußball vor dem Ende."

Hoeneß bleibt skeptisch

Dennoch läuft es wohl auf ein juristisches Verfahren hinaus.

[kaltura id="0_nofjddsp" class="full_size" title="Hoene sauer auf KNVB "]

Uli Hoeneß jedenfalls glaubt nicht, dass die in dieser Woche geplante Vermittlung mit dem als Schlichter eingeschalteten ehemaligen KNVB-Boss Michal van Praag eine Lösung bringen.

"ich schätze ihn persönlich sehr, aber der Brief gibt keinen Anlass, optimistisch zu sein", sagte der 58-Jährige über den Inhalt eines Schreibens des Verbandes:

"Sie weisen jegliche Schuld von sich."

Doch auch die Münchner sehen sich "total im Recht", betonte Hoeneß. "Aber ich habe keine Lust, vor den Gesprächen Öl ins Feuer zu gießen."

Streitpunkte Robben und van Bommel

Robben war verletzt von der WM in Südafrika zurückgekehrt. Ein Muskelriss wurde diagnostiziert, der Stürmer steht frühestens in der Rückrunde zur Verfügung.

Van Bommel kehrte mit einer Knieverletzung vom letzten EM-Qualifikationsspiel der Niederlande gegen Schweden zurück und fällt noch mindestens eine Woche aus.

Laufe das nun anberaumte Gespräch gut, sagte Hoeneß, brauche man gar nichts zu sagen: "Wenn es schlecht läuft, werden wir uns äußern müssen".

Brisanter Konflikt

Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bereits angekündigt, in diesem Falle eine jahrelange juristische Auseinandersetzung um Kompensationszahlungen nicht zu scheuen.

Auch Hoeneß misst dem Konflikt höchste Brisanz zu:

"Ich bin der Meinung, es ist in der Vergangenheit noch nie ein Verein so beschädigt worden, noch nie!. Das ist ein Präzedenzfall, da gibt es keinen Vergleich und auch kein Handbuch, wo ich nachschlagen kann."

Rummenigge hatte bereits von einem möglichen Prozess mit "Bosmanschen Dimensionen" gesprochen.

Müller-Wolfahrt setzt sich zu Wehr

Zuletzt hatte Bayern-Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die öffentliche Kritik des KNVB an seiner Person zurückgewiesen.

"Die Ausführungen des ehemaligen CEO des holländischen Verbandes, wie sie in den Medien widergegeben wurden, empfinde ich als peinlich und äußerst niveaulos, ja geradezu lächerlich", sagte der 58-Jährige.

"Ich bedauere sehr, dass die Diskussion nicht auf medizinisch fachlicher Ebene geführt wird, sondern auf eine armselige, persönliche Ebene abgeglitten ist."

Der ehemalige Verbandspräsident Henk Kesler hatte die Kompetenz von Müller-Wolfahrt in einem Zeitungsinterview angezweifelt.

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