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Aus der eigenen Jugend: Frankfurts Sebastian Jung (l.) und Patrick Ochs jubeln © getty

Das Spiel Frankfurt gegen Schalke 04 ist auch das Duell zweier Philosophien. Jermaine Jones steht sinnbildlich für beide.

Von Christian Stüwe

München - Wenn am Samstag Eintracht Frankfurt Schalke 04 (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) empfängt, treffen zwei Mannschaften aufeinander, die in den vergangenen Jahren eine recht unterschiedliche Entwicklung genommen haben.

Während bei den Hessen auf Kontinuität gesetzt wird und der Kern der Mannschaft seit dem Wiederaufstieg vor fünf Jahren zusammenblieb, wurde die Elf der Gelsenkirchener vor der Saison komplett neuformiert.

"Mit Sicherheit ist es förderlich, dass sich der Kern des Teams schon sehr lange kennt", sagte Frankfurts Torwart Oka Nikolov zu SPORT1: "Fast jeder weiß, wie der andere tickt - sportlich und privat."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nikolov selber ist seit 1991 im Verein, Kapitän Chris, Marco Russ, Benjamin Köhler, Patrick Ochs, Aleksandar Vasoski, Alexander Meier und Ioannis Amanatidis standen beim Aufstieg 2005 ebenfalls schon im Kader und spielen auch heute noch größtenteils tragende Rollen.

"Es ist sicher optimaler, als wenn in jedem Jahr acht, neun neue Spieler kommen und die Fluktuation hoch ist", sagte Nikolov weiter.

Neuer als einzige Konstante

Genau dies ist bei Gegner Schalke aber vor der Saison passiert, Torwart Manuel Neuer war in den letzten Jahren beinahe die einzige Konstante im Team der Gelsenkirchener.

Doch nach völlig verkorkstem Saisonstart scheint sich das Starensemble so langsam zu finden. Gegen Hapoel Tel Aviv schoss das Team einen ebenso lockeren wie spielerisch überzeugenden Sieg heraus.

Raul ist angekommen

Und auch Superstar Raul kommt nach seinen zwei Treffern so langsam in seinem neuen Umfeld an. "Ich freue mich für Raul, dass er doppelt getroffen hat und seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte" freute sich Magath.

"Klaas-Jan Huntelaar, Jose Manuel Jurado und auch Jefferson Farfan haben ebenfalls eine gute Partie gezeigt, auch Christoph Metzelder war stark", erklärte der Trainer weiter.

Er hoffe, dass der Erfolg und die gute Leistung "Rückenwind für unsere kommenden Aufgaben geben", so Magath.

Schalke muss punkten

Allerdings wird es auch höchste Zeit für die Königsblauen, die Aufholjagd zu starten. Bei bisher erst fünf eingefahrenen Zählern dürfen die Schalker sich nicht mehr viele Patzer erlauben.

Denn angesichts der kostspieligen Investitionen in die Mannschaft ist die erneute Qualifikation für die Champions League praktisch eine Pflichtnummer.

Doch die Eintracht, die selber schwach startete, dann aber drei Siege in Folge einfuhr, wittert ihre Chance.

"Schalke ist besser, als es der momentane Tabellenplatz aussagt", vermutet Trainer Michael Skibbe: "Dennoch gehe ich davon aus, dass wir in der Lage sein werden, ihnen Paroli zu bieten. Wir wollen im eigenen Stadion gewinnen."

[kaltura id="0_gfl98kle" class="full_size" title="Raul: Endgültig eine Legende"]

Frankfurt peilt vierten Sieg in Folge an

Den Frankfurtern winkt am Samstag die Einstellung einer alten Bestmarke. Viermal in Folge gewinnen konnte die Eintracht zuletzt 1999 unter Jörg Berger. Damals stand am Ende der am letzten Spieltag die Rettung vor dem Abstieg durch das 5:1 gegen Kaiserslautern, nun winkt der Anschluss an die oberen Tabellenplätze.

Für Brisanz ist also gesorgt. Dabei dürfte das Spiel für zwei Beteiligte vermutlich etwas ganz Besonderes werden.

Skibbe wurde in Gelsenkirchen geboren und schnürte als Spieler einst die Schuhe für Schalke, während Jermaine Jones den umgekehrten Weg von Frankfurt ins Revier ging.

Jones als "Buhmann"

Während der Eintracht-Coach sich aber auf das Duell gegen seinen Heimatklub freut, dürfte es für Jones eher unangenehm werden.

Die Fans haben dem 28-Jährigen seinen Wechsel nach Gelsenkirchen 2007 nicht verziehen. Die einstige Integrationsfigur ist zum "Buhmann" geworden.

"Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen, ich war immer bei der Eintracht, ich war dort Kapitän - in meinem Klub und in meiner Stadt", sagte Jones der "Frankfurter Rundschau": "Und wenn ich dann ausgepfiffen werde, dann tut das verdammt weh."

Der amerikanische Nationalspieler will sich davon aber nicht beeinflussen lassen.

"Nachlegen und gewinnen"

"Wir reisen mit einem Sieg im Gepäck zur Eintracht", erklärte er: "Wenn wir dort so konzentriert auftreten, können wir auch in Frankfurt nachlegen und gewinnen."

Jones gehörte ebenfalls zur Aufstiegsmannschaft 2005 und trifft somit auf viele alte Bekannte.

Während er in Frankfurt als Abtrünniger gilt, ist Jones auf Schalke fast schon einer der dienstältesten Spieler. Damit steht er fast sinnbildlich für die unterschiedlichen Philosophien der beiden Klubs.

Es wird interessant zu sehen, welche sich am Samstag durchsetzt.

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