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Timo Hildebrand wechselte 2007 zum FC Valencia © getty

Bei Borussia Mönchengladbach brennt es an allen Ecken und Enden. Helfen könnten eventuell Neuverpflichtungen im Winter.

Von Daniel Rathjen

München - Mit 66 Jahren - da fängt die Krise an.

Die Geburtstagsfeier im Hause Hans Meyer dürfte am Montag nicht allzu ausschweifend verlaufen sein.

Der Trainer-Kauz und Hoffnungsträger am Niederrhein befindet sich mit Borussia Mönchengladbach weiter auf Talfahrt.

Selbst gegen das letzte Aufgebot von Eintracht Frankfurt verlor der fünfmalige Deutsche Meister im dritten Spiel unter dem neuen Trainer am Sonntag mit 1:2 und verschärfte damit die ohnehin schon prekäre Situation im Abstiegskampf weiter.

Gladbach spielt auf Zeit

Die "Fohlen" sind komplett überfordert und der neue Coach scheint bereits hilflos.

"Das ist eine ausgesprochen dramatische Situation", gibt Meyer zu. "Wir dürfen jetzt bis Weihnachten den Anschluss nicht verlieren und müssen eine Bilanz hinlegen, die es uns ermöglicht, im Frühjahr neu anzugreifen und es zu schaffen."

Dass das unter den aktuellen Voraussetzungen allerdings enorm schwer wird, dürfte ihm klar sein.

Zu volles Lazarett

Denn dem für die Bundesliga-Rückkehr geformten Team fehlt absolut die Erstligareife.

Hinzu kommen Verletzungssorgen - vor allem in der Defensive. Neben Thomas Kleine, Jean-Sebastian Jaures, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Sebastian Schachten fallen nun auch Alexander Voigt (Knieprobleme) und Sebastian Svärd (Leistenbeschwerden) aus.

Im Angriff sind zwar alle fit, doch fehlt dort die Gefährlichkeit.

Neuville auf dem Abstellgleis?

Mittelstürmer Rob Friend, in Meyers System einzige Sturmspitze, agiert allein auf weiter Flur.

Im Hintergrund schwelt ein Zwist zwischen Meyer und Oliver Neuville. Der Kapitän wurde ausgemustert und ist beim neuen Trainer nur noch auf der Ergänzungsspieler.

"Ich bin fit und weiß, was ich kann", sagt Neuville. "Für Rob Friend ist es im Sturm momentan sehr schwer. Er braucht Flanken, sonst kann er kein Tor machen."

Die Suche auf dem Transfermarkt beginnt

Meyer kritisiert noch heftiger: "Wir sind im Moment kollektiv-taktisch und individuell nicht in der Lage, eine Mannschaft wie Frankfurt besiegen zu können", konstatiert er und stellt seiner Elf damit ein Armutszeugnis aus.

Super-Talent Marko Marin bekommt eine Extra-Breitseite. Lob gab es für seine Offensivqualitäten, doch "Marko hat auch unglaubliche Schwächen nach hinten im Abwehrverhalten", meckert Meyer.

Verstärkungen scheinen dringend notwendig, eine Shopping-Tour im Winter unabdingbar.

Zu jung und zu alt fürs Tor

Handlungsbedarf besteht vor allem im Tor.

Aufstiegs-Held Christofer Heimeroth befindet sich mittlerweile auf dem Abstellgleis, "Bubi"-Keeper Frederic Löhe (19) ist zu grün und "Oldie" Uwe Gospodarek fehlt mit 35 Jahren die Perspektive.

"Borussia hatte bereits bevor ich gekommen bin offensichtlich ein Torwart-Problem", stellt Meyer fest.

Es deutet viel darauf hin, dass der Klub jemand Neues holt - wie es 2005 Dick Advocaat mit "Retter" Kasey Keller gemacht hat.

Alternativen sind vorhanden

Kandidaten sind mit Simon Jentzsch oder Timo Hildebrand bereits auf dem Markt.

Der beim VfL Wolfsburg ausgemusterte Jentzsch wäre sicherlich schnell zu einer Rückkehr in seine Heimat Düsseldorf zu bewegen.

Bei Hildebrand, der beim FC Valencia vom Training freigestellt wurde, müsste sich Gladbach - was dessen Gehalt betrifft - mächtig ins Zeug legen.

Immerhin wäre der 29-jährige Ex-Stuttgarter wohl ablösefrei zu haben, zudem will er lieber heute als morgen zu einem neuen Verein.

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