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Paolo Guerrero (l.) traf in dieser Saison bei sechs Einsätzen zwei Mal © imago

Nach dem Nord-Süd-Vergleich geben sich die Bayern-Verantwortlichen zufrieden. Beim HSV macht Guerrero erneut Schlagzeilen.

Von Tobias Hlusiak

München - Zwei Minuten war Louis van Gaal nach dem Abpfiff auf seinem Platz auf der Bayern-Bank sitzen geblieben.

Ungläubig dreinschauend, still, den Kopf leicht nach vorne geneigt - ein zufriedener Trainer sieht anders aus.

"Ich bin sehr zufrieden", überraschte der Niederländer nur Minuten später mit seiner Analyse des 0:0 im Nord-Süd-Klassiker beim HSV 302768(DIASHOW: Der 9. Spieltag).

"Die Mannschaft hat große Leidenschaft gezeigt. Das begeistert mich." Nur ein Tor habe gefehlt, befand van Gaal: "Wir hätten treffen müssen. Hamburg war kaputt."

"Wir kommen langsam in Fahrt"

Ähnlich positiv bewertete auch Karl-Heinz Rummennige. "Ich merke, wir kommen langsam in Fahrt."

Relativierend fügte der Vorstandsboss aber an: "Es war weder ein Rück- noch ein Fortschritt, alles bleibt beim Alten."

Letzteres trifft wohl eher auf die Situation des Rekordmeisters zu, der sich durch das nunmehr dritte torlose Remis der Spielzeit soeben in die obere Tabellenhälfte geschoben hat.

Unter Umständen finden sich die Bayern nach dem Spieltag gar auf dem 13. Platz wieder (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund beträgt weiterhin neun Punkte.

Schweinsteiger schwach

Sorgen machte auch in Hamburg vorwiegend die kränkelnde Offensivabteilung - mit acht Toren seit Saisonstart weiterhin die schwächste der Liga.

Bei den teilweise vielversprechenden Kontergelegenheiten fehlte Esprit und augenscheinlich der letzte Zug zum Tor.

Nicht von ungefähr resultierten die besten Gelegenheiten der Münchner aus Distanzschüssen von Thomas Müller und Hamit Altintop.

Der unsichere Auftritt von Schaltzentrale Bastian Schweinsteiger ließ auch dessen Zuarbeiter Andreas Ottl und Toni Kroos in gedämpftem Licht erscheinen.

Hinten steht Bayern gut

"Wir haben zwei Punkte liegen gelassen", befand neben Schweinsteiger auch Holger Badstuber. "Lediglich das 'zu Null' war gut."

In der Tat macht vor Allem Aushilfs-Innenverteidiger Anatoly Tymoshchuk Hoffnung, der mit Badstuber erneut den Laden zusammen hielt.

Lediglich eine klare Torchance gewährte man den Gastgebern - allerdings eine hochkarätige, als der Pfosten Jonathan Pitroipas Schlenzer acht Minuten vor Schluss jäh stoppte.

"Ich war sicher, der Ball geht rein", ärgerte sich der Flügelstürmer. "Das wäre auch der Sieg gewesen. Schade."

Veh gibt Pitroipa Tipps

So einfach konnte HSV-Trainer Armin Veh seinen Frust über die spielentscheidende Szene nicht beiseite schieben.

"Jonathan hat die falsche Entscheidung getroffen", analysierte der ehemalige Stürmer. "Butt stand zehn Meter vor dem Tor, er hätte ihn nur umspielen müssen. Dann gewinnen wir dieses Spiel."

Ein "Dreier" wäre für den Tabellenvierten durchaus im Bereich des möglichen gewesen. Er hätte wohl auch die Nebengeräusche des 91. Duells mit dem Rivalen aus dem Süden verstummen lassen.

Veh bezeichnet Guerrero als "Kind"

Den unrühmlichen Auftritt von "Sorgenkind" Paolo Guerrero beispielsweise.

Der Peruaner hatte sich nach seiner Auswechslung im Laufschritt in die Kabine begeben, den Trainer ignoriert und eine Werbebande mit einem Fußtritt durch die Luft gefeuert.

Dass er dabei keinen Fan traf, wird ihn nicht vor einer Geldstrafe schützen.

Diese kündigte sein Trainer bereits an: "Das ist absolut kindisches Verhalten. Paolo ist ein Kind", urteilte Veh. "Egal ob ich gerechtfertigt oder ungerechter Weise ausgewechselt werde - so verhalte ich mich nicht. Wir betreiben einen Mannschaftssport."

Rost muss verletzt runter

Dazu kommt noch die Verletzung von Stammtorwart Frank Rost, der mit Verdacht auf Bänderriss im Knie einige Wochen pausieren muss.

"Wenn Frank sich auswechseln lässt, hat er wohl wirklich etwas abbekommen", unkte Joris Matthijsen.

Rost wurde jedoch durch Neuzugang Jaroslav Drobny gleichwertig ersetzt. "Ich mache mir über die Torwartposition absolut keine Gedanken", schloss Veh das Thema.

"Der Meister war zu Gast"

"Insgesamt geht das 0:0 in Ordnung", verkniff sich Drobny einen Kommentar zu seinem stürmenden Kollegen. "Immerhin war der Deutsche Meister zu Gast."

Piotr Trochowski befand: "Kein Team hatte heute das Glück, das entscheidende Tor zu schießen. Wir hatten zwar die größte Gelegenheit. Andererseits bin ich aber froh, dass die Bayern nicht noch durch ein Dusel-Tor gewonnen haben."

Anders wäre es wohl auch kaum möglich gewesen.

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