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Zvonimir Soldo wurde als Spieler 1997 mit dem VfB Stuttgart DFB-Pokalsieger © imago

Die Explosionsgefahr beim 1. FC Köln steigt nach der Niederlage in Hannover. Trainer Soldo muss mit seiner Entlassung rechnen.

Hannover - Auch wenn Präsident Wolfgang Overath und Manager Michael Meier demonstrativ schwiegen - Zvonimir Soldo wusste, was die Stunde geschlagen hat:

Die Lage beim 1. FC Köln wird immer prekärer.

"Wenn man unten steht, ist man als Trainer in Frage gestellt, das ist ganz normal in so einer Situation", sagte Soldo bei "LIGA total!".

Nach der 1:2 (0:2)-Niederlage bei Hannover 96 sprach er vom "schlechtesten Spiel in diesem Jahr". 302768(DIASHOW: Der 9. Spieltag)

Auf die Frage, ob er auch am Dienstag beim Pokalspiel gegen 1860 München noch auf der Bank sitzen würde, erklärte Soldo mit einem hilflosen Lächeln: "Ich gehe davon aus."

Overath macht Andeutungen

Soldos Schicksal liegt längst nicht mehr in seinen Händen. FC-Boss Overath war fassungslos und deutete später an, dass möglicherweise doch kurzfristig etwas passieren könnte.

"Es ist absolut enttäuschend, was die Mannschaft 80 Minuten lang abgeliefert hat. Das ist weder für mich noch für uns erklärbar. Wir werden uns Gedanken machen und eine Nacht darüber schlafen", sagte er dem "Express" am Abend.

Historisch schlechte Zwischenbilanz

Seit sechs Spielen warten die Kölner in der Bundesliga auf einen Sieg. Fünf Punkte hat das Team auf dem Konto, das ist die schlechteste Kölner Bundesliga-Zwischenbilanz nach neun Spieltagen aller Zeiten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Tabellenplatz 17 ist die logische Folge, die Volksseele kocht. "Wir haben die Schnauze voll", riefen die Fans nach dem frühen 0:2 durch einen Doppelschlag von Didier Ya Konan (4. und 15.).

Auf einem Transparent war zu lesen: "Soldo raus und Meier auch!!!"

Matuschyk macht sich für Soldo stark

Ob Overath seiner sportlichen Führung wie vor der Pleite in Hannover noch einmal das "vollste Vertrauen" ausspricht, scheint fraglich. Der Druck wächst. Die Explosionsgefahr steigt.

"Ich konzentriere mich auf das Wesentliche. Mehr kann ich nicht machen", sagte Soldo: "Ich habe immer gesagt, dass wir die Qualität haben, da unten rauszukommen." Bisher blieb sein Team den Nachweis jedoch konsequent schuldig.

"Es liegt nicht daran, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht. Wir kommen nur zusammen aus dieser Situation heraus", sagte Mittelfeldspieler Adam Matuschyk, der als einer der wenigen Kölner noch Worte fand: "Es bringt doch nichts, jetzt einen Schuldigen zu suchen. Jeder Einzelne muss seine Leistung bringen. Wir brauchen endlich mal ein Erfolgserlebnis."

Nur statistisch auf Augenhöhe

Um die Blockade zu lösen, war Overath entgegen seiner sonstigen Gewohnheit gemeinsam mit den Spielern nach Hannover gereist. Im Bord-Bistro der Bahn tauschte er sich mit Soldo aus, beim Mittagessen schwor der FC-Chef die Mannschaft höchstpersönlich auf die Partie ein.

Doch es half alles nichts. Nach Ya Konans Treffern war das Spiel fast schon gelaufen. Köln ergab sich zwar nicht in sein Schicksal, brachte aber kaum Erfolgversprechendes zu Stande.

Erst in der Schlussphase wurde es ein wenig besser. Der Anschlusstreffer von Martin Lanig war am Ende wertlos - dabei hatte der FC mehr Ballbesitz, gewann mehr Zweikämpfe, gab mehr Torschüsse ab. Statistisch klappte vieles, praktisch viel zu wenig.

Zudem war das Zweikampfverhalten in der Defensive ungenügend. "Es darf nicht passieren, dass der gegnerische Stürmer mit dem Ball 25 Meter alleine vor dem Tor sich auch noch umdrehen kann und ein Tor macht ? das war zu einfach", kritisierte Soldo bei "LIGA total!". Der Kroate hatte den Job in Köln vor der vergangenen Saison übernommen und steht seitdem fast durchgehend in der Kritik steht.

96-Coach Slomka überglücklich

Ganz anders stellt sich die Lage in Hannover dar, dort wo der Trainer sogar schon vor Saisonbeginn auf einem Schleudersitz zu sitzen schien. Die Niedersachsen waren als potenzieller Abstiegskandidat in die Saison gegangen, katapultierten sich am Samstag aber sogar auf den dritten Tabellenplatz.

"Dass wir schon jetzt diese Punktzahl erreicht haben, ist wirklich außergewöhnlich. Nach den Niederlagen zuvor haben wir wieder Selbstvertrauen aufgebaut", sagte 96-Trainer Mirko Slomka: "Das ist ganz wichtig."

Soldo dürfte wissen, was sein Kollege meinte.

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