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Michael Frontzeck trainiert seit Juli 2009 Borussia Mönchengladbach © getty

Der Gladbacher Trainer reagiert auf den Unmut der Anhänger nach der Pleite gegen Werder. Ein Bremer träumt derweil laut.

Mönchengladbach - Die Spieler waren mit hängenden Köpfen bereits in der Kabine verschwunden, da stellte sich das Trainerteam von Borussia Mönchengladbach rund 250 enttäuschten Fans in der Nordkurve.

"Die Fans wollten wissen, was los ist", erklärte Coach Michael Frontzeck nach der deftigen 1:4-Heimniederlage gegen Werder Bremen.

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"Man mag es kaum glauben, aber es war ein angenehmes Gespräch", sagte Frontzeck weiter.

Alles andere als angenehm ist die derzeitige Situation in Gladbach.

Sieben Spiele ohne Sieg, die mit 27 Gegentoren schlechteste Abwehr der Liga und eine unterirdische Chancenverwertung bedeuten Abstiegskampf.

"Wir sind da, wo wir nicht hinwollten", meinte Frontzeck. Der ehemalige Gladbacher Profi sitzt trotz der desolaten Zwischenbilanz derzeit aber (noch) fest im Sattel.

Gladbach als "Schießbude der Nation"

Besonders das Defensivverhalten um den erneut unsicheren belgischen Nationaltorhüter Logan Bailly ist derzeit nicht erstligatauglich.

"Es kann nicht angehen, dass wir die Schießbude der Nation sind", meinte Sportdirektor Max Eberl, der vor dem Spiel noch von einer baldigen Trendwende gesprochen hatte.302768(DIASHOW: Der 9. Spieltag)

Nach der dritten Heimniederlage der Saison musste Eberl seine Meinung aber korrigieren. Jeder im Verein wisse, wie ernst die Lage sei, so Eberl.

"Fußball ist Mannschaftssport. Jeder läuft dann erst, wenn der Gegner schon den Ball hat", klagte Eberl zudem bei "LIGA total".

Und fügte an: "Die Frage nach dem Trainer stellt sich für mich nicht. Wir müssen als Gruppe da durchgehen."

Höhnischer Applaus für Bailly

Während Mannschaften, mit denen sich die Borussia vor der Saison auf Augenhöhe gesehen hatte, munter punkten, fängt sich Gladbach ein Gegentor nach dem anderen ein.

Die Fans haben den Schuldigen ausgemacht: Bailly. Höhnisch wurde jeder harmlose abgefangene Ball des Belgiers mit Beifall bedacht.

"Ich mag es nicht, wenn der Torhüter an den Pranger gestellt wird", erklärte Frontzeck. Einen Freifahrtschein gab aber auch der Coach seiner Nummer eins vor dem Pokalspiel am Mittwoch gegen Bayer Leverkusen nicht: "Ich muss die Situation sacken lassen", meinte Frontzeck.

Nach Spielschluss hallten Pfiffe durch das Stadion, einige Fans riefen: "Wir haben die Schnauze voll."

Marin drückt die Daumen

Da fand auch der Ex-Borusse Marko Marin keine tröstenden Worte. "Was soll man in so einer Situation sagen? Da fällt es schwer, Mut zuzusprechen. Ich hoffe, dass sie so schnell wie möglich da unten rauskommen", sagte Marin, der nach dem Abpfiff in die Gladbacher Kabine geeilt war.

In den kommenden Wochen muss die Borussia aber nicht nur die Abwehr stabilisieren, sondern auch die Chancen im Angriff nutzen.

Trotz zahlreicher guter Möglichkeiten resultierte der einzige Mönchengladbacher Treffer bezeichnender Weise aus einem Eigentor von Per Mertesacker.

Erster Bremer Erfolg im Borussia Park

Während die Gladbacher am Boden zerstört waren, feierten die Bremer ihren ersten Erfolg im Borussia-Park.

Im Mittelpunkt stand dabei Claudio Pizarro. Mit seinem Treffer zum Endstand ist der Peruaner mit 134 Toren nun erfolgreichster ausländischer Torjäger der Liga-Geschichte.

Zuvor hatte er sich Platz eins mit Giovane Elber (133) geteilt.

Lob für Rekordstürmer

"Er ist ein herausragender Spieler mit fantastischen Fähigkeiten", meinte Trainer Thomas Schaaf, der sich zudem über die Treffer von Marin, Wesley und Aaron Hunt freute.

"Die Tore haben uns Selbstvertrauen gegeben. Wir sind auf einem guten Weg", erklärte Schaaf, dessen Team so langsam den Anschluss an die oberen Tabellenplätze herstellt.

Großen Anteil am Erfolg hatte auch Ersatztorhüter Sebastian Mielitz, der den am Knie verletzten Tim Wiese glänzend vertrat.

Pizarro träumt von Meisterschaft

Pizarro gab als Ziel schon einmal die "Meisterschaft" aus, doch darüber wollte Schaaf nicht nachdenken.

Man müsse sich Stück für Stück verbessern, so der Werder-Coach, dessen Team durch den Erfolg auch eine gelungene Generalprobe für den Pokalhit am Dienstag bei Titelverteidiger Bayern München feierte.

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