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Michael Meier arbeitet seit 21. Dezember 2005 als Manager beim 1. FC Köln © getty

Nach dem Rauswurf in Köln weist der Ex-Coach die Alleinschuld von sich. Denn auch die Bilanz des Managers ist verheerend.

Von Martin Volkmar

München/Köln - Zvonimir Soldo nahm seine erste Entlassung als Trainer professionell.

"Ich bin nicht besonders enttäuscht. Das gehört zum Geschäft", sagte der Kroate nach seinem Rauswurf beim 1. FC Köln. 303593(DIASHOW: Tops und Flops des 9. Spieltags)

"Ich wünsche dem FC und den Spielern jetzt alles Gute. Sie haben die nötige Qualität."

Auch die Tatsache, dass der Verein es nicht für nötig erachtete, ihm die Nachricht persönlich zu übermitteln, brachte ihn nicht in Rage.

Kurzes Telefonat

Ohnehin sei das Telefonat mit Manager Michael Meier am Sonntagnachmittag sehr kurz gewesen, so Soldo:

"Ich wollte keine Gründe hören. Wenn zu wenig Punkte geholt werden, fliegt immer der Trainer. So ist das."

Die Fakten sprechen gegen den Coach, unter dessen Führung die "Geißböcke" mit nur einem Sieg auf den letzten Tabellenplatz gerutscht sind. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Zu Hause besser gespielt als letzte Saison"

Trotzdem sah Soldo die Lage nicht so dramatisch wie Fans und Medien in Köln. "Wir haben in dieser Saison zu Hause besser gespielt als in der letzten Saison", meinte der 42-Jährige.

"Wir sind auch in den Spielen, die wir verloren haben, nicht zusammengebrochen, sondern immer zurückgekommen. Auch in Hannover."

Dennoch stehen spätestens seit der Pleite gegen 96 große Fragezeichen hinter der Erstligatauglichkeit des FC-Kaders. Weshalb auch Manager Michael Meier in der Kritik steht.

[kaltura id="0_jr472dcz" class="full_size" title="So lief Soldos Rauswurf"]

Drei Trainer, 58 Spieler, 22 Millionen Schulden

Dessen Bilanz ist verheerend: Seit seinem Dienstantritt im Dezember 2005 hat Meier drei Trainer entlassen und 58 Spieler verpflichtet, den Verein aber keinen Schritt nach oben geführt.

Viel schlimmer: Den damals schuldenfreien FC drücken unter Meier, der am Fast-Bankrott von Borussia Dortmund maßgeblich beteiligt war, mittlerweile 21,8 Millionen Euro Schulden.

Trotzdem will Präsident Wolfgang Overath weiter am sportlichen Leiter festhalten. "Man sollte Michael Meier jetzt nicht für alles die Schuld geben", sagte der Vereinsboss der "Bild".

"Er ist ein Mensch wie wir alle, der auch Fehler macht und sicher hat er auch den ein oder anderen Einkauf getätigt, der nicht so gut war. Aber für das, was auf dem Platz zuletzt nicht funktioniert hatte, sind die Spieler und ihr Trainer verantwortlich. Nicht Herr Meier."

Overath: "Mannschaft in der Pflicht"

Für den Weltmeister von 1974, dessen schlechtes Krisenmanagement ebenfalls immer stärker hinterfragt wird, liegen die Gründe für die Talfahrt allein auf dem Platz.

"Die Mannschaft ist jetzt in der Pflicht. Sie hat einen Trainer, der sehr erfolgreich mt der U 23 arbeitet. Und mit ihm muss sie jetzt die Erfolge einfahren, die sie zuletzt liegen gelassen hat. Die Mannschaft hat auf jeden Fall genug Qualität."

Die Wende sollen nun Frank Schaefer, bisher Coach der U 23, und sein neuer Assistent, Ex-Kapitän Dirk Lottner, schaffen.

"Ich gehe diese Aufgabe mutig und entschlossen an. Meine grundsätzliche Vorstellung von der Trainerrolle liegt darin, keine großen Parolen auszugeben, sondern inhaltliche Lösungen zu finden", sagte der Interimscoach bei seiner Vorstellung am Montag.

Podolski: "Schaefer ist Kölner durch und durch"

"Ich kenne ihn aus der Jugend. Er war mein Trainer und ist Kölner durch und durch", sagte Lukas Podolski über den langjährigen Nachwuchstrainer.

Schaefer, der am Dienstag zum Debüt im DFB-Pokal gegen 1860 München 47 Jahre alt wird, arbeitet schon seit 1982 beim FC - unterbrochen von sechs Jahren als U-19-Coach von Bayer Leverkusen zwischen 1997 und 2003.

Danach kehrte er zum Heimatklub zurück und war dort Ende 2006 sogar kurzzeitig Co-Trainer der Profis. Ob er nun als Chefcoach eine Dauerlösung wird, ist jedoch mehr als fraglich.

Meyer und Gross als erste Kandidaten

Routiniers wie Hans Meyer und Christian Gross werden als erste Kandidaten genannt. 303696(DIASHOW: Die Trainerkandidaten beim 1. FC Köln).

Und auch die Rückendeckung von Overath hält sich in engen Grenzen.

"Ob er der Richtige ist, kann man nie vorhersagen", meinte er nur und gestand gleichzeitig die Ratlosigkeit der FC-Führung ein:

"Nach dem Hannover-Spiel musste eine schnelle Entscheidung her. Dann ist es schwer, den ein oder anderen größeren Namen zu holen. Frank Schaefer ist Interimstrainer, aber das kann er auch sehr lange machen."

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