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Roberto Hilbert erzielte in dieser Saison zwei Tore für den VfB © getty

Stuttgart befindet sich seit vier Wochen im freien Fall. Spieler und Trainer haben unterschiedliche Ansätze für die Zukunft.

Von Thorsten Mesch

München - Es ist nur einen Monat her, da belegte der VfB Stuttgart noch Platz drei in der Bundesliga. Werder Bremen war mit 4:1 abgefertigt worden, im Schwabenland hoffte man auf einen "goldenen Herbst".

Doch daraus wurde nichts. Denn seit dem Bremen-Spiel gewann der VfB nur das Heimspiel gegen Bochum, verlor drei von vier Partien und rutschte am Wochenende vollends ins Mittelmaß (Platz 10) ab.

Der leidenschaftslose Auftritt der Stuttgarter Mannschaft gegen den 1. FC Köln (1:3) wurde von den Fans mit Pfiffen quittiert.

Der Unmut im Schwabenland über die stetige Abwärtsentwicklung seit der Meisterschaft 2007 ist groß.

Hitzlsperger hat Verständnis

Besonders schlimm erwischte es Thomas Hitzlsperger: Als Trainer Armin Veh den Nationalspieler in der 68. Minute vom Platz nahm, wurde die Auswechslung des Spielführers von Teilen der Anhänger sogar bejubelt.

"Das war sehr, sehr bitter", sagte der VfB-Kapitän dem "kicker", "aber ich nehme das den Fans nicht übel. Ich habe sogar vollstes Verständnis dafür. Wir sind derzeit halt nicht besser."

Veh übt Kritik

Der Druck auf die Mannschaft und insbesondere den Trainer wächst. Veh suchte immer wieder nach Ausreden für die schwachen Vorstellungen seiner Mannschaft

"ich habe keine Lust mehr, um die Plätze sechs bis zehn zu spielen. Das macht mir keinen Spaß mehr", sagte der Stuttgarter Coach nach dem Köln-Spiel zwar, gestand aber auch ein:

"Platz zehn, da gehören wir auch hin."

Der 47-Jährige beanstandet. "Der Kampf um die internationalen Plätze wird immer härter. Die Konkurrenz gibt Gas, der VfB tritt auf die Bremse."

Neuzugänge fast durchgängig Flops

Vehs Vorwurf geht in die falsche Richtung. In seinem Kader, der laut "Stuttgarter Nachrichten" der drittteuerste der Liga sein soll, sind etliche Nationalspieler. Jedoch bleiben diese in den vergangenen Monaten hinter den Ansprüchen zurück.

Ähnliches gilt für die Neuzugänge. Seit der Meisterschaft wurden von den Schwaben elf Spieler verpflichtet. Doch von diesen erfüllte nur Keeper Jens Lehmann die Erwartungen.

Weiteren Verstärkungen schiebt Ulrich Ruf dennoch den Riegel vor. "Wir können nur das ausgeben, was wir mit sportlichen Erfolgen einspielen", erklärte der VfB-Finanzchef.

Neues System im Training

Handeln tut Not. "Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen", kündigte Sportchef Horst Heldt bereits Veränderungen an.

Im Training testete Veh ein neues System mit einer Mittelfeldraute um Sami Khedira, Martin Lanig und Roberto Hilbert. Für den Kölner "Sündenbock" Hitzlsperger bliebe dann nur der Bankplatz.

Lehmann als Vorbild

Im Tor muss dagegen kein Wechsel vorgenommen werden, weil Lehmann trotz seines Frust-Trittes gegen den Kölner Roda Antar nicht nachträglich gesperrt wurde.

Obowhl beim 38-Jährigen zuletzt öfter die Nerven blank lagen, erhält er als einer der wenigen Lob von prominenter Stelle. "Der VfB bräuchte noch drei, vier Lehmanns auf dem Feld", sieht der frühere VfB-Star Karl Allgöwer das Problem in fehlenden Leitwölfen auf dem Platz.

Neues Scouting-System geplant

Damit das bei zukünftigen Einkäufen besser wird, nimmt sich der VfB den Gegner vom Samstag zum Vorbild. Der 1. FC Köln lässt Daten, Statistiken und Fernsehmaterial von Studenten der dortigen Sporthochschule auswerten, um unabhängiger von den Lobpreisungen der Spielerberatern zu werden.

"Wir können uns an diesem Modell orientieren. das hat Hand und Fuß", sagt Heldt, der ein Projekt mit der Uni Stuttgart anstrebt. Doch bis dieses System greift wird es einige Monate dauern.

Kein hektischer Aktionismus

Kurzfristiger Erfolg wie am Donnerstag im UEFA-Cup gegen Partizan Belgrad und am Sonntag in der Bundesliga gegen Frankfurt würde alle Beteiligten etwas aus der Schusslinie nehmen.

"Das Selbstvertrauen hat gelitten, aber wir haben genügend Persönlichkeiten in der Mannschaft, die wissen, was in so einer Situation das Richtige ist", erklärt Hitzlsperger: "Wir werden kämpfen!"

Unterstützung erhält er von Mario Gomez. "Wir dürfen jetzt aber nicht den Kopf verlieren", warnte der Nationalstürmer vor hektischem Aktionismus.

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