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Dirk Dufner (l.) ist seit 2007 Sportdirektor beim SC Freiburg © imago

Im SPORT1-Interview spricht Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner über seinen Torjäger, Bayern und übererfülte Erwartungen.

Von Eric Böhm

München - Wer hätte das vor Beginn der Saison für möglich gehalten?

Zum Auftakt des 10. Spieltages der Bundesliga empfängt der FC Bayern den SC Freiburg (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) - und die Breisgauer stehen in der Tabelle tatsächlich vor dem Rekordmeister.

Dennoch lassen die Verantwortlichen beim SC erst gar keinen Zweifel daran aufkommen, wer in diesem ungleichen Duell die Favoritenrolle innehat. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit SPORT1 spricht Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner unter anderem über den starken Saisonstart, das Pokal-Aus - und Torjäger Papiss Cisse.

Cisse so treffsicher wie alle Bayern

Acht Tore hat der Stürmer in den ersten neun Liga-Spielen schon erzielt - so viele wie der deutsche Meister zusammen.

Als Kind hatte der 25 Jahre alte Senegalese die Schule geschwänzt, um lieber in den staubigen Straßen von Casamas Fußball zu spielen ("Mein Vater war gar nicht einverstanden, dass ich wegen des Fußballs die Schule schmiss").

Heute profitieren die Breisgauer davon.

SPORT1: Herr Duffner, hätten Sie vor der Saison erwartet, als besser platziertes Team in der Allianz Arena gegen den FC Bayern anzutreten?

Dirk Dufner: Natürlich nicht. Davon konnte niemand ausgehen. Wir haben bisher mehr Punkte gesammelt als erwartet, und die Bayern sind unter ihren Möglichkeiten geblieben, haben aber jetzt eine kleine Serie gestartet.

SPORT1: Wie würden Sie den bisherigen SC-Saisonverlauf bewerten?

Dufner: Wir sind natürlich sehr zufrieden. Wir hätten sogar den einen oder anderen Zähler mehr holen können, aber grundsätzlich ist die Ausbeute sehr erfreulich.

SPORT1: Die Zielsetzung des Sportclubs wird aber nicht korrigiert, oder?

Dufner: Nein, das wäre totaler Blödsinn. Gerade wenn man unser Programm sieht. Bayern, Mainz, Hoffenheim und Dortmund, dann können wir auch ganz schnell in anderen Tabellenregionen landen. Die 15 Punkte sind ein gutes Polster, mehr nicht.

SPORT1: Papiss Cisse führt die Torschützenliste mit acht Treffern an und hat damit genauso viele Tore erzielt wie der komplette FC Bayern. Was zeichnet ihn aus?

Dufner: Er ist sehr kompletter Stürmer. Er ist schnell, technisch stark und hat einen guten Abschluss. Außerdem trainiert er unheimlich engagiert. Er gibt sich nie mit dem zufrieden, was er erreicht hat. Papiss arbeitet immer an sich und versucht, sich zu verbessern. Das ist ein besonderer Junge.

SPORT1: Haben Sie keine Angst, dass ihn ein größerer Verein ihn - trotz Vertrages bis 2014 - abwerben könnte?

Dufner: Diese Angst brauchen wir nicht zu haben, weil das hundertprozentig passieren wird. Das sind die Marktgesetze. Es ist für uns aber ein Luxusproblem. Denn wir haben einen sehr langfristigen Vertrag mit ihm. Wir möchten ihn so lange wie möglich halten, wenn aber ein Angebot in unglaublichen Regionen kommt, dann müssten wir uns natürlich damit beschäftigen. Momentan ist das aber kein Thema.

SPORT1: Sehen Sie die Gefahr, dass sich das Pokal-Aus in Cottbus negativ auf die Bundesliga auswirkt?

Dufner: Nein, Niederlagen gehören zum Geschäft. Im Pokal haben wir ja auch keine grandiose Tradition. Aber es tut schon weh, denn das zusätzliche Geld könnte man in die Mannschaft investieren. Auswirkungen befürchte ich nicht. Wir können mit Rückschlägen umgehen und reagieren entsprechend. Das haben wir in den vergangen Jahren oft genug bewiesen.

SPORT1: Der SC Freiburg gilt - ähnlich wie Mainz - als spielstarkes Team. Kann der Sieg der 05er in München eine Vorlage für Freiburg sein?

Dufner: Wir können und wollen Mainz nicht kopieren. Die Mainzer spielen zweifellos guten Fußball. Wir müssen aber unsere Stärken einbringen. Dann ist sicher etwas möglich, das geht freilich nur auf unsere eigene Weise.

SPORT1: Der FC Bayern schwächelt in dieser Saison. Ist der Respekt vor dem Rekordmeister ein wenig verloren gegangen?

Dufner: Das Spiel in München ist sicher nicht das schwerste Spiel der Saison, weil wir unabhängig von der Tabellenkonstellation sowieso krasser Außenseiter sind. Wir sind aber hochmotiviert, wollen uns nicht verstecken und unsere Chance suchen. Der grundsätzliche Respekt vor den Bayern ist immer da.

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