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Christian Heidel (r.) beförderte Thomas Tuchel 2009 vom A-Jugend- zum Cheftrainer © imago

"Trainer-Entdecker" Christian Heidel vergleicht vor dem Bundesliga-Gipfel zwischen Mainz und Dortmund seine Glücksgriffe Tuchel und Klopp.

Aus Mainz berichtet Matthias Becker

Mainz - Auch wenn ihm durch das peinliche Pokal-Aus in Aachen eine schöne Stange Geld durch die Lappen gegangen ist:

Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05 kann voller Vorfreude auf den kommenden Sonntag blicken.

Dann trifft der Überraschungs-Tabellenführer der Bundesliga auf den Überraschungs-Zweiten, Borussia Dortmund (So., ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es ist auch das Duell der beiden Trainer-Trendsetter: Thomas Tuchel gegen Jürgen Klopp.

Watzke adelt Heidel

Keiner kennt die beiden Coaches so gut wie Heidel - denn er hat beiden den Sprung in den Profi-Fußball ermöglicht.

Zum "Trainer-Entdecker Nummer eins" erklärte Dortmunds Vorstandsboss Hans-Joachim Watzke Kollegen Heidel deshalb kürzlich.

Vor dem Bundesliga-Spitzenspiel vergleicht Heidel im Interview der Woche mit SPORT1 seine beiden Entdeckungen, spricht über das enge Verhältnis zu Jürgen Klopp und seinen Titel-Favoriten (zum zweiten Teil des Interviews).

SPORT1: Herr Heidel, Sie haben sowohl Jürgen Klopp als auch Thomas Tuchel den ersten Trainer-Job im Profi-Fußball verschafft. Wie kam es dazu?

Christian Heidel: Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Bei Jürgen Klopp war es eine aus der Not geborene Bauchentscheidung. Die Idee war eigentlich, es mal ohne Trainer zu versuchen. Kloppo war verletzt und erschien mir als derjenige, der Verantwortung auf der Bank übernehmen könnte. Aus einem Spiel wurden zwei, dann die gesamte Rückrunde - und dann sieben Jahre.

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SPORT1: Thomas Tuchel kannten Sie dagegen schon als Trainer.

Heidel: Bei Thomas war es zusätzlich zur Bauch- eine ganz klare Verstandsentscheidung. Er war schon ein Jahr U-19-Trainer, da wussten wir wesentlich mehr über seine Fähigkeiten. Und um so eine Entscheidung vier Tage vor Saisonbeginn zu treffen - da muss man sich sehr sicher sein. Wir waren uns ganz, ganz sicher, dass seine Philosophie dem entspricht, wie wir Mainz 05 spielen sehen wollen: Viel Laufbereitschaft, Emotion und Leidenschaft.

SPORT1: Kann man die Arbeit beider Trainer miteinander vergleichen?

Heidel: Sie haben sehr viele Gemeinsamkeiten, beide sind überragende Fußball-Fachleute. Nach Kloppo habe ich immer gedacht, so einen finde ich nicht mehr. Beide sind zu hundert Prozent loyal, total emotional und das Allerwichtigste: Sie sind authentisch. Wenn der Thomas halb auf das Spielfeld rennt, ist das so, weil es in ihm drin steckt. Genau so ist es auch bei Jürgen Klopp. Die machen das nicht, um es jemandem vorzuspielen.

[kaltura id="0_gosr6xrf" class="full_size" title="Michael Zorc im SPORT1-Interview"]

SPORT1: Fühlen Sie sich durch Jürgen Klopps Erfolg in Dortmund bestätigt? Diese Erfolge bei einem Großklub wie dem BVB zu haben, ist schließlich etwas anderes als in Mainz.

Heidel: Das konnte ich damals, als die Aktion am Rosenmontag (2001, bei der Installation Klopps als Interimstrainer, Anm. d. Red.) über die Bühne gegangen ist, noch nicht ahnen. Ich habe aber immer gesagt - auch noch zu Zweitliga-Zeiten-, dass er alle Möglichkeiten hat, auch mal einen großen Verein zu trainieren. Viele haben behauptet, dass Klopp nur in Mainz Trainer sein kann. Selbst große Vereine wie Bayern München haben sich ernsthaft Gedanken über ihn gemacht, haben ihn dann aber nicht genommen, weil sie dachten, es wäre noch ein zu großer Schritt für Kloppo. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass er alle Vereine trainieren kann.

SPORT1: Gilt das auch für Thomas Tuchel?

Heidel: Nein, der bleibt mal schön hier (lacht). Im Ernst: Thomas ist ein genauso überragender Trainer. Und schön ist für uns doch, dass zwei solche Novizen über Mainz 05 den Sprung in die Bundesliga geschafft haben und jetzt an der Spitze stehen. Das ist wie ein Märchen, natürlich freut uns das. Wir haben immer noch viel Kontakt zu Jürgen Klopp und freuen uns auch bei seinen Erfolgen mit.

HIER geht's zum zweiten Teil des Interviews: Christian Heidel spricht über seinen Titelfavoriten und die enge Beziehung zu Jürgen Klopp >>>

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