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Christian Heidel (r.) machte Jürgen Klopp (l.) 2001 zum Mainz-Coach © imago

Christian Heidel erklärt, warum er Dortmund für meisterreif hält und spricht über sein persönliches Verhältnis zu Jürgen Klopp.

Aus Mainz berichtet Matthias Becker

SPORT1: Sie haben gesagt, Dortmund dürfe jedes Spiel gewinnen, außer die gegen Mainz 05. Ist der BVB für Sie also der große Titelfavorit?

Heidel: Ja, das habe ich schon vor Wochen gesagt. Warum sollen die nicht Meister werden? Die Mannschaft ist in der Breite sehr gut aufgestellt und spielt einen Fußball, der für jeden Gegner sehr unangenehm ist. Sie haben ein tolles Umfeld, immer 80.000 Fans im Rücken, einen guten Trainer, und im Verein ist Ruhe.

SPORT1: Sie persönlich halten einen besonders engen Kontakt zu Jürgen Klopp, schreiben sich viele SMS. Haben Sie sich gegenseitig in den letzten Jahren auch Ratschläge gegeben?

Heidel: In schwierigen Situationen tauscht man sich schon aus. Als er in Dortmund anfangs Probleme hatte, habe ich ihm den ein oder anderen Tipp gegeben. 2009 im Sommer habe ich ihn angerufen und ihm erzählt, was ich vorhabe (die Entlassung von Aufstiegstrainer Jörn Andersen vier Tage vor Saisonbeginn, Anm. d. Red.) - als erstes hat er sich totgelacht. Da spreche ich aber nicht mit ihm in der Funktion als Trainer von Borussia Dortmund, sondern mit meinem Freund Jürgen Klopp. Ich weiß, dass es unter uns bleibt, wenn ich mit ihm spreche.

SPORT1: Sie haben als Manager nicht nur mit Dortmund ein gutes Verhältnis, sondern auch mit vielen anderen Klubs wie Bayer Leverkusen oder dem FC Bayern. Woran liegt das?

Heidel: Ich kenne keinen Verein, mit dem wir ein schlechtes Verhältnis haben. In diesem Geschäft ist es wichtig, dass man berechenbar ist. Ich bin in Verhandlungen und Gesprächen immer loyal und ehrlich - und damit berechenbar - gewesen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei einem unserer Transfers - mit Ausnahme der Schalke-Geschichte - Probleme gab. Es läuft immer sauber ab.

SPORT1: Was meinen Sie mit sauber?

Heidel: Uns wird immer hoch angerechnet, dass nichts herauskommt. Es ist unangenehm, wenn man einmal telefoniert und am nächsten Tag steht alles in der Zeitung. Wir haben schon so viele Dinge gemacht, aus denen am Ende nichts wurde, aber wir haben trotzdem nie darüber gesprochen.

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SPORT1: Dieser Ruf ist doch vor allem für die Zukunft hilfreich.

Heidel: Man sieht sich immer zwei-, drei- oder viermal, weil die Fußball-Landschaft eben sehr klein ist. Da ist das sehr wichtig.

SPORT1: Am Anfang der Mainzer Erfolgsserie wurden Sie von vielen noch belächelt. Glauben Sie, dass der Konkurrenz das Lachen inzwischen im Halse stecken bleibt?

Heidel: Ich befasse mich gar nicht damit, was andere über uns denken. Ich denke aber schon, dass so mancher gemerkt hat, dass wir unser letztes Auswärtsspiel am 2. April verloren haben. Und wir hatten auswärts alles andere als kleine Gegner. Ich verstehe, dass es am Anfang nicht ganz so ernst genommen wurde, als unser Name ganz oben in der Tabelle stand. Aber das ist doch auch schön so. Ich hätte nichts dagegen, wenn es so bleibt.

SPORT1: Kleine Giftpfeile wie die Kritik an Thomas Tuchels "Zaunbesteigung" nach dem Hoffenheim-Spiel sind doch fast schon ein Kompliment, oder?

Heidel: Ich glaube nicht, dass die Leute, die das gesagt haben, es wirklich böse gemeint haben. Das Problem für die Verantwortlichen der großen Klubs ist, dass sie auf einmal nach uns gefragt werden, nach dem Motto: "Ihr steht auf Platz zwölf, wie können die Mainzer da oben stehen?" Automatisch wird Mainz deshalb ein Thema. Nach dem Freiburg-Spiel in der letzten Saison war der Thomas auch auf dem Zaun - das stand hinterher in keiner Zeitung. Jetzt stehen wir ganz oben, schon wird in alle Aussagen etwas hinein interpretiert. Aber das stört uns nicht.

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