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Moritz Leitner (mit Freundin Lisa) traf dreimal in vier Spielen für die deutsche U 19 © imago

Borussia Dortmund zieht das nächste Top-Talent an Land: Moritz Leitner ist ein Straßenkicker mit Schlitzohr-Qualitäten.

Von Martin Hoffmann

München - Borussia Dortmund hat ein neues Top-Talent. Ein Top-Talent verlässt 1860 München.

Von welcher Seite man es auch sieht, die Meldung über den Wechsel des 17-jährigen Moritz Leitner auch betrachtet, sie klingt allzu vertraut.

Die "Löwen", deren abgewanderte Jungstars mittlerweile eine konkurrenzfähige Bundesliga-Mannschaft bilden könnten, müssen mal wieder einen verheißungsvollen Youngster verhökern.

Und Jürgen Klopp hat ein neues Prachtexemplar für seine Juwelensammlung - und ein spottbilliges dazu (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zum Discount-Preis

Auf rund 500.000 bis eine Million Euro schätzen die örtlichen Zeitungen die Transfersumme des Mittelfeldspielers, der einen ab Januar geltenden Vier-Jahres-Vertrag beim BVB unterschreibt.

Der Discount-Preis erklärt sich daraus, dass Leitners Kontrakt bei den Löwen im Sommer ausgelaufen wäre.

Weil er aber eigentlich im Wort stand, diesen zu verlängern, einigte sich 1860 mit Dortmund und dem Beraterumfeld des Teenagers auf eine Lösung, von der der Klub zumindest noch ein bisschen profitiert.

"Waren ja nicht die einzigen"

Leitner bleibt bis zum Sommer auf Leihbasis bei den "Löwen", womöglich auch noch eine Saison länger - dann soll er beim BVB durchstarten.

"Wir sind froh, dass sich Moritz für uns entschieden hat", bestätigte Sportdirektor Michael Zorc den Deal am Freitag offiziell: "Wir waren ja nicht die einzigen, die diese Idee hatten."

"Der BVB ist ein Superverein", freut sich Leitner derweil. Zudem sei Jürgen Klopp "ein cooler Trainer".

Youngster als Leistungsträger

Verwunderlich ist es nicht, dass es ihn nach Dortmund zieht, wenn man sich ansieht, was dieser coole Trainer dort aus Talenten gemacht hat.

[kaltura id="0_gosr6xrf" class="full_size" title="Michael Zorc im SPORT1 Interview"]

Das einst als "Kinder-Riegel" belächelte Innenverteidiger-Duo Neven Subotic und Mats Hummels formte er zu einem der besten der Liga.

Das Sechser-Gespann aus Nuri Sahin und Ex-Löwe Sven Bender agiert ebenfalls auf Spitzenniveau, wie auch Kevin Großkreutz, Shinji Kagawa, Marcel Schmelzer, Mario Götze.

Ein Straßenkicker

Nun also Leitner.

Geboren am 8. Dezember 1992 in München, Sohn einer österreichischen Mutter und eines deutschen Vater.

Löwe, seit er fünfeinhalb ist und "einer der wenigen echten Straßenkicker, die wir in den vergangenen hatten".

So zumindest beschrieb ihn Jürgen Jung, der Leiter des 1860 Nachwuchszentrums in der "Abendzeitung": Leitner habe "eine seltene Natürlichkeit am Ball".

Eine Blitzkarriere

In diesem Sommer kam er zu den Profis bei 1860. Und er mauserte sich zum Blitzkarrieristen.

Stammplatz als offensiver Sechser, Debüt in der U 19 des DFB, nachdem er sich trotz eines U-17-Länderspiels mit Österreich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschied.

1860-Manager Miroslav Stevic beschreibt Leitner als schlauen Jungen mit angeborener Schlitzohrigkeit: "Er weiß auch im Privatleben, zu wem er höflich und zu wem er arrogant sein soll."

Nur acht Zweitliga-Einsätze

Nun war der vielbegehrte Leitner schlitzohrig genug, frühzeitig die Weichen für seine Oberhaus-Karriere stellen zu lassen ? nach gerade acht Zweitliga-Einsätzen.

Eine rasende Entwicklung für einen Jungkicker, den noch vor drei Monaten nur Fachleute kannten. So rasend, dass sie auch seinem Verein über den Kopf wuchs.

Noch vor zwei Monaten war Stevic sicher, noch lange Freude an Leitner zu haben: "Der Junge wird sich nirgendwo auf dieser Welt momentan besser fühlen als bei 1860."

Momentan ist schnell vorbei im Fußball.

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