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Martin Demichelis (r.) spielt seit 2003 für den FC Bayern München © getty

Martin Demichelis legt erst den Grundstein zum Bayern-Sieg gegen Freiburg und spricht dann von seinem womöglich "letzten Spiel".

Vom FC Bayern berichten Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Erst küsste er das Bayern-Wappen, dann zeigte er immer wieder auf den handtellergroßen Kreis auf seinem Trikot.

Mit großer Geste zelebrierte Martin Demichelis sein Tor beim 4:2-Sieg des FC Bayern gegen den SC Freiburg.

Und mit ebenso großen und pathetischen Worten sprach er nachher im Bauch der Allianz Arena über seine Zukunft.

"Ich bin sehr zufrieden mit unserem Sieg und meinem Tor", sagte der Argentinier und erklärte auf SPORT1-Nachfrage:

"Es war mein erstes Spiel von Anfang an und vielleicht auch mein letztes für den FC Bayern. Ich habe gezeigt, dass ich den FC Bayern liebe."

Abschied und Liebesbekundung

In einem Atemzug von Liebe zu sprechen und zugleich seinen Abschied anzukündigen, können wohl nur ganz wenige Profifußballer, ohne unehrlich zu wirken.

Dem stolzen Argentinier nimmt man das ab.

Wechsel als beste Lösung

"Ich möchte lieber weg als auf die Verletzung oder die schlechte Leistung eines Kollegen zu warten", meinte Demichelis.

"Die beste Lösung für mich und den FC Bayern ist zu gehen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und er fügte hinzu: "In 15 bis 20 Tagen kommt mein Berater und wir werden reden."

Das Hintertürchen, das er offen ließ, war minimal und verpackt in dem Hinweis, dass sich Dinge im Fußball ja "so schnell" drehen können.

Edel-Reservisten als Sieggaranten

Bestes Beispiel: die Partie gegen Freiburg.

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Spieler, die noch vor einigen Wochen kaum als Einwechselspieler Erwähnung fanden, waren jetzt entscheidend.305514(DIASHOW: Bilder des Spiels).

Mario Gomez hat seinen Torradar zurück, Anatoliy Tymoshchuk und Toni Kroos gelangen jeweils ihre ersten Saisontreffer.

Und Danijel Pranjic steuerte - als linker Außenverteidiger wohlgemerkt - drei Vorlagen zum Sieg bei.

Demichelis springt für Badstuber ein

Doch das beeindruckendste Comeback glückte Demichelis.

Er hatte erst kurz vor Anpfiff erfahren, dass er für Holger Badstuber einspringen sollte. Der Nationalspieler musste wegen einer Schambein-Entzündung geschont werden.

Plötzlich spielte der Innenverteidiger, den Bayern-Coach Louis van Gaal schon lange ausgemustert zu haben schien.

Und Demichelis erledigte seinen Job ordentlich - mit dem Kopfballtor (38.) als Sahnehäubchen.

Braafheid einziger Pechvogel

Nach einer Pausenführung der Bayern hatte es in der arg zerfahrenen Partie zuvor kaum ausgesehen.

Am Ende stand ein deutlicher 4:2-Sieg, der ohne das Eigentor von Pechvogel Edson Braafheid sogar noch freundlicher ausgesehen hätte.

Schließlich sind die Bayern vorerst auf Position sieben der Tabelle vorgerückt, die angekündigte Aufholjagd könnte mehr als nur bloßes Wort-Tam-Tam sein.

Van Gaal räumte nachher aber auch ehrlich ein, dass sein Team in der ersten Halbzeit "nicht gut" gespielt habe.

"Schweinsteiger war der Unterschied"

Nach dem Wechsel funktionierte dann manches besser, auch weil nach der Hereinnahme von Daniel van Buyten, Tymoshchuk im defensiven Mittelfeld und Bastian Schweinsteiger als Zehner spielen durfte.

"Schweinsteiger war in der zweiten Halbzeit auch der Unterschied: Er hat den Ball gehalten und verteilt. Er war großartig", lobte van Gaal auf "sky" seinen Spieler.

Zu Demichelis sagte van Gaal zurückhaltend: "Diesmal hat er wieder gezeigt, dass er ein ausgezeichneter Innenverteidiger ist. Aber wenn ein Spieler weg will, dann kann er weg."

Van Gaal verteidigt seine Transferpolitik

Dann nutzte der 59-Jährige die Gelegenheit seine (Null-)Einkaufspolitik aus dem Sommer zu verteidigen.

"Ich bin der einzige Trainer, der nicht eingekauft hat. Ich habe Vertrauen in den Kader und die Spieler zeigen das jetzt."

Kroos trotz Tor selbstkritisch

Auch bei Toni Kroos besteht nach dem Tor gegen Freiburg Hoffnung dass der Aufschwung anhält.

Der 20-Jährige freute sich zwar über seinen Treffer, bemerkte aber auch selbstkritisch: "Wir sind wieder sehr schwer ins Spiel gekommen und haben zu langsam gespielt. Wir müssen uns mehr zutrauen und schneller nach vorne spielen."

Dutt verärgert über eigene Fehler

Die Freiburger reisten indes mit einem schlechten Gefühl aus München ab. "Der Türöffner waren wir selbst", schimpfte Trainer Robin Dutt.

"Ein völlig unnötiger Fehlpass hat zum Eckball vor dem 1:0 geführt."

Und Torschütze Stefan Reisinger bemängelte: "Wir hatten in der ersten Halbzeit zu viel Respekt und hätten mutiger spielen müssen."

"Gezeigt, dass ich noch lebe"

Derweil genossen die Münchner ihre kleine Serie in der Bundesliga mit zwei Siegen und einem Remis.

Grund zum Überschwang besteht angesichts des großen Abstands auf die Tabellenspitze ohnehin nicht. Und immerhin kann die Mannschaft nach den jüngsten Erfolgserlebnissen jetzt wie Martin Demichelis behaupten: "Ich habe gezeigt, dass ich noch lebe."

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