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Michael Frontzeck ist seit Juli 2009 Trainer von Borussia Mönchengladbach © getty

Gladbach flüchtet sich nach dem Abrutschen an das Tabellenende in Durchhalteparolen. Der Sündenbock ist schnell gefunden.

Kaiserslautern - Der Stürmer trifft das leere Tor nicht, die Anhänger beschimpfen die Profis, das klare Bekenntnis zum Trainer fehlt:

Borussia Mönchengladbach ist nach dem achten sieglosen Spiel in Folge nicht nur auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga angekommen, die Rheinländer verhalten sich auch wie ein Schlusslicht. 305514(DIASHOW: Der 10. Spieltag)

Nach dem 0:3 (0:0) im Kellerduell beim 1. FC Kaiserslautern am 10. Spieltag jagte eine Floskel die andere. Vor allem Sportdirektor Max Eberl hatte ein unerschöpfliches Reservoir an Durchhalteparolen parat.

"Wir stecken gemeinsam in dieser Situation. Nicht nur Trainer Michael Frontzeck, sondern der gesamte Verein. Deshalb müssen wir gemeinsam da raus. Wir müssen gemeinsam das Ruder rumreißen", antwortete Eberl auf die Frage nach der Zukunft von Coach Frontzeck, dessen Team gerade einmal sechs Punkte auf dem Konto hat.

"Harte Arbeit hilft weiter"

"Es geht nicht darum, ob ich noch Hoffnung habe. Nicht Hoffnung, sondern nur harte Arbeit bringen uns voran", meinte Eberl weiter.

Angesichts dieser Phrasen düften bei Frontzeck sämtliche Alarmglocken läuten. Der Coach, dessen Mannschaft am kommenden Spieltag ausgerechnet gegen Rekordmeister Bayern München die Wende schaffen soll, sieht seinen Arbeitsplatz selbst nicht mehr als gesichert an.

"Ich wünsche mir nur, dass ich in Ruhe weiterarbeiten und die Mannschaft auf das Bayern-Spiel vorbereiten kann", kommentierte Frontzeck seine persönliche Lage.

Eberl warnt die Bayern

Beim Thema Bayern-Spiel hatte Eberl übrigens seine schönste Floskel zu bieten. "Die Bayern kommen zu einem angeschlagenen Tabellenletzten. Aber angeschlagene Boxer sind bekanntlich am gefährlichsten", meinte der Ex-Profi. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wovor sich die Münchner fürchten sollten, blieb allerdings das Geheimnis des Sportdirektors.

Schließlich schafften es die Gladbacher vor 49.167 Zuschauern bei ihrer einzigen Chance, den Ball aus rund fünf Metern am leeren Tor vorbeizuschieben. Beim Stand von 0:0 gelang Mohamadou Idrissou, der die Bezeichnung Torjäger in dieser Szene nicht verdient hatte, dieses Kunsttück.

Idrissou wird zum Sündenbock

Danach taten die Borussen das, was sie immer tun: Sie kassierten Tore durch Christian Tiffert (71.), Adam Nemec (83.) und Srdjan Lakic (88.). Damit hielten die Gladbacher, die mitterweile 30 Gegentreffer kassiert haben, exakt ihren Schnitt.

Über die löchrige Abwehr sprach nach dem Schlusspfiff allerdings kaum noch jemand. Der Sündenbock hieß Idrissou.

"Ich erwarte von einem Profi, dass er so ein Ding reinmacht. Mit Pech sollte das eigentlich nichts zu tun haben - das ist mir zu einfach. Fünf Meter vor dem Tor sollte die Konzentration doch am höchsten sein", kommentierte Eberl die wahrscheinlich entscheidende Szene der Partie.

Danach fielen die Gladbacher auseinander und wurden nach Schlusspfiff von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Die schwachen Gäste waren genau der Aufbaugegner, den die Roten Teufel nach zuletzt fünf Pleiten und sieben sieglosen Spielen in Folge gebraucht hatten.

Lauterer Feierlichkeiten nach Sieg

Obwohl die Pfälzer keine überragende Vorstellung zeigten, waren sie in allen Belangen überlegen und schöpfen mit nunmehr zehn Punkten auf dem Konto wieder Mut für den bevorstehenden Abstiegskampf.

"Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber harte Arbeit wird sich auszahlen. Ich bin überzeugt vom Potenzial der Mannschaft", sagte Kapitän Martin Amedick, der mit seinen Kollegen die Voraussetzungen für gelungene Feierlichkeiten schuf.

Vorstandsboss Stefan Kuntz konnte seinen 48. Geburtstag beruhigt feiern, die Gala zum 90. Geburtstag des 2002 verstorbenen Fritz Walter hatte den richtigen Rahmen.

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