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Uli Hoeneß (l., hier mit Louis van Gaal) ist seit 2009 Bayern-Präsident © getty

Der Bayern-Präsident geht mit seinem Trainer heftig auf Konfrontationskurs: "Er akzeptiert die Meinung anderer Leute nicht."

Von Christian Paschwitz

München - Eigentlich sollte beim FC Bayern wieder ein wenig Ruhe eingekehrt sein: In der Liga ist nach dem 4:2 über den SC Freiburg die Tabellenspitze bei zehn Punkten Rückstand wieder ein bisschen in Sichtweite gerückt.

In der Königsklasse fehlt zum Achtelfinal-Einzug eigentlich nur noch ein Punkt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch drei Tage vor dem Champions-League-Spiel bei CFR Cluj (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) hat ausgerechnet Uli Hoeneß einen neuen Brandherd entfacht.

Der Bayern-Präsident leistete sich bei "Sky 90" eine fast halbstündige Verbal-Breitseite gegen Trainer Louis van Gaal.

"Schwierig, mit ihm zu reden"

"Es ist schwierig, mit ihm zu reden, weil er die Meinungen anderer Leute nicht akzeptiert. Ich habe mit ihm nicht mehr viel zu besprechen", polterte Hoeneß.

Und er ergänzte: "Es ist ähnlich wie bei Felix Magath: Ein Fußball-Verein heutzutage darf keine One-Man-Show sein.?

Harsche Worte, die vereinsintern mächtig Wirbel auslösen dürften.

Ärger schwelt "seit Monaten"

Hoeneß gab zu, dass sich die Kritik seit langem in ihm aufgestaut habe: "Dass elementare Dinge nicht passen, hängt schon sechs Monate in mir drin."

Bereits am Freitag hatte der 56-Jährige bei "Liga Total!" zu erkennen gegeben, mit van Gaals Auftreten nicht immer einverstanden zu sein.

Angesprochen auf etwaige taktischen Diskussionen mit dem Niederländer, dass Bayern mit zwei Spitzen spielen solle, antwortete Hoeneß: "Es hat bei uns keinen Sinn, dem Trainer reinzureden. Dann macht er genau das Gegenteil."

"Der Vorstand hat gesagt: Jetzt ist genug"

Nun ging der langjährige Manager mit van Gaals Arbeit ungeschminkt ins Gericht: "Die Spieler aus der zweiten Reihe, die nicht bei der WM waren, hat man zu lange nicht stark gemacht. Man hätte deren Selbstvertrauen steigern können."

Und Hoeneß ließ durchblicken, dass deswegen nicht zuletzt er und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge interveniert hätten.

"Der Vorstand hat gesagt: Jetzt ist genug. Jetzt sind sie da und helfen uns, die Kohlen aus dem Feuer zu ziehen.

"Dem ein oder anderen ist Unrecht geschehen"

Und weiter: "Alle 20 Spieler, die wir haben, müssen bei Laune gehalten werden. Da ist dem einen oder anderen bei uns Unrecht geschehen."

Hoeneß spielte damit an auf die von van Gaal monatelang verschmähten Mario Gomez, Anatoliy Tymoshchuk und Martin Demichelis, die angesichts der Verletztenmisere nun zwangsläufig in die Bresche springen - und überzeugen.

"Es gibt vier, fünf Spieler bei uns, die permanent falsch eingeschätzt wurden. Das hat ein Geschmäckle."

Zuspruch vor allem für Tymoshchuk

Der 56-Jährige verteidigte damit ebenso die Personalpolitik der Bayern: "Ein Tymoshchuk war ein Jahr lang nicht gut genug für Bayern. Gegen Freiburg war er der beste Mann in der zweiten Halbzeit. Es zeigt sich, dass die Spieler sehr wohl sehr brauchbar sind."

Ohne diese Spieler sei das Thema Deutsche Meisterschaft womöglich längst schon beendet gewesen.

Dass van Gaal aus den Vorfällen gelernt hat, schloss Hoeneß aus: "Er wird die Kritik aufnehmen, aber nicht annehmen."

"Jeder war zugänglich"

Van Gaal sei eine starke Persönlichkeit und habe eine strikte Meinung, die kaum einen Spielraum zulasse: "Er gibt dir das Gefühl: Du bist ein netter Kerl, aber ich setze meinen Kopf durch."

"Er sollte mehr Rücksicht nehmen, wenn er wie bei uns Leute mit so viel Erfahrung hat. Ich habe mit vielen großen Trainern gearbeitet und jeder war irgendwo zugänglich für Vorschläge", beklagte sich Hoeneß. Man müsse aber auf Augenhöhe diskutieren.

Es ist fraglich, ob das zwischen dem Bayern-Präsidenten und -Trainer nach Hoeneß Live-Auftritt im TV noch möglich ist.

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