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Der HSV belegt mit 15 Punkten derzeit Rang 8 in der Bundesliga © getty

Die Resultate sind mau, den Spielern fehlt die Galligkeit. Hinzu kommt die Verletztenmisere. Hoffmann und Jarolim schlagen Alarm.

Von Daniel Rathjen

München - Es sollte eine große Saison werden - mal wieder.

Ohne internationale Belastung, so hatten die Optimisten des Hamburger SV gedacht, kann die volle Konzentration von Beginn an der Liga gelten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Im Herbst sorgen jedoch Verletzungen von Leistungsträgern und unbefriedigende Resultate vorerst für Ernüchterung beim Liga-Dino.

Vereinsboss Bernd Hoffmann sieht eine Art Mentalitätsproblem:

"Wir hatten in Köln neun Nationalspieler auf dem Platz, drei weitere auf der Bank. Da erwarte ich nach unserer 2:1-Führung mehr Gier und Galligkeit, diese Punkte mit Kratzen und Beißen nach Hamburg zu holen", ließ er in Interviews durchblicken.

Am Ende gewann der FC mit 3:2, der HSV verpasste den Anschluss nach ganz oben und dümpelt nun wieder im Mittelfeld auf Rang acht herum. 305514(DIASHOW: Der 10. Spieltag)

Leidenschaft fehlt

Die Verantwortlichen wie Hoffmann und Trainer Armin Veh schauen derzeit nur ungläubig zu.

"Wir schaffen bestmögliche Voraussetzungen, aber die entscheidenden Prozent Leidenschaft müssen von innen heraus kommen", fordert Hoffmann.

Er weiß aber auch: "Bei uns geht es den Spielern auf jeden Fall sehr gut. Wir nehmen ihnen beinah alles ab. Möglicherweise manchmal zu viel."

Genau dort liegt wohl das Kernproblem. Die fürstlichen Gehälter machen die Profis satt.

Keine Neuen im Winter

Neue Spieler werden laut Veh im Winter wohl nicht kommen. Der Rest soll sich von selbst regulieren.

"Klar ist, dass zum Ende der Saison einige Verträge auslaufen und es schon deshalb Veränderungen im Kader geben wird", merkt Hoffmann, für den es im Januar bei der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung indirekt auch um einen neuen Vertrag geht, an.

Jarolim warnt

Wie geht es also weiter?

Jemand, der in der Vergangenheit immer für unerbittlichen Einsatz stand, egal, welche Summe auf seinem Gehaltszettel stand, ist David Jarolim. Der Ex-Kapitän erkennt die Anzeichen und warnt.

"Wir müssen als Mannschaft besser auftreten. Jeder muss dem anderem auf dem Platz mehr helfen. Es gefällt mir nicht, wenn einer einen Fehler macht und die anderen nur zuschauen, damit sie selbst nicht blöd aussehen. Für mich gehört das zur Grundeinstellung im Fußball", wird der Tscheche in der "Hamburger Morgenpost" zitiert.

Er bemängelt zudem fehlende Konstanz. "Zwei Siege, dann wieder zwei Niederlagen. Und jetzt auch noch so viele Gegentore. Das müssen wir verbessern", fordert er.

HSV ist nicht eingespielt

Dass Veh in dieser Saison bislang noch kein Mal seine Wunschformation aufbieten konnte, erschwert die Situation zudem. Den Rothosen mangelt es an Abstimmung, die Automatismen greifen nicht.

"Wir haben in zehn Partien schon alle Systeme gespielt und nie mit der gleichen Mannschaft. Ich hoffe, dass wir mal eine Serie haben, mit den gleichen Spielern und dem gleichen System", meint Stürmerstar Ruud van Nistelrooy, der zuletzt aufgrund einer Prellung passen musste.

Petric fällt aus

Am Samstag gegen Hoffenheim wird er - ebenso wie Jarolim - wohl wieder einsatzbereit sein.

Dagegen fällt Mladen Petric definitiv aus. Der Kroate verletzte sich im Training ohne Einwirkung eines Kollegen. Es besteht Verdacht auf Bänder-Anriss.

Sie müssen die Mannschaft mitziehen, gegen die offensivstarken Kraichgauer ist definitiv eine Steigerung notwendig, um das weitere Abrutschen in der Tabelle zu verhindern.

Jarolim kann sich sogar eine Änderung der Grundausrichtung vorstellen. "Es ist nicht immer schön, wenn man zu null spielt. Aber wir müssen jetzt damit anfangen. Jeder muss dafür arbeiten. Gefährliche Situationen müssen wir vorher vermeiden und den Gegner am besten gar nicht erst in den Strafraum lassen."

Europacup ist Pflicht

Die Lage ist bedrohlich - Hoffmann appelliert an die Profis: "Es ist wichtig, dass wir in Schlagdistanz zu den vorderen Plätzen bleiben. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, damit es dann in der Rückrunde mal eine Erfolgsgeschichte gibt. Das wird nur mit harter Arbeit gehen."

Ihm graust davor, dass der HSV erneut einen internationalen Wettbewerb verpassen könnte, denn das würde zu weiteren Einschnitten im Kader führen.

Die Perspektive für die kommenden Jahre wäre gefährdet, das Ziel, endlich wieder einen Titel in die Hansestadt zu holen, in weiter Ferne. Hoffmann selbst würde wohl zurücktreten.

Son ist der Lichtblick

Einen Lichtblick gibt es momentan immerhin: Heung-Min Son. Der 18-jährige Südkoreaner glänzte gegen Köln mit einem Zauber-Tor.

"Son ist die Zukunft. An ihm wird der HSV viel Spaß haben. Es ist jetzt schon überragend, wie er sich etabliert hat. Aber er wird sich noch weiterentwickeln", adelt van Nistelrooy.

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