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Theofanis Gekas wechselte im Sommer von Bayer Leverkusen an den Main © getty

Theofanis Gekas hat großen Anteil am Frankfurter Aufschwung. Der fußballerische Minimalist hat eine sensationelle Trefferquote.

Von Christian Stüwe

München - Eine alte Fußballer-Weisheit besagt, dass der gefoulte Spieler niemals selber zum Strafstoß antreten sollte.

Theofanis Gekas war das herzlich egal. Der Grieche hatte auf St. Pauli zunächst einen zweifelhaften Elfmeter herausgeholt, dann legte er sich den Ball auf den Punkt. 305514(DIASHOW: Der 10. Spieltag)

Eintracht Frankfurt lag kurz vor der Pause mit 0:1 hinten, auf Gekas' Schultern lastete großer Druck.

Doch der Stürmer entschied sich nicht für die risikoarme Variante, nein, er knallte den Ball mit voller Wucht in den rechten Winkel.

Keine Frage, so schießt nur einer Elfmeter, der einen sensationellen Lauf hat und vor Selbstvertrauen strotzt.

"Wir freuen uns, dass wir so einen Spieler haben", erklärte Kapitän Patrick Ochs nach Abpfiff. "Sensationell", lobte Halil Altintop.

Erfolgsgarant der Eintracht

Der Elfmeter war Gekas' achter Saisontreffer, nach der Halbzeit brachte er die Eintracht mit seinem neunten Streich im zehnten Spiel endgültig auf die Siegerstraße. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mehr als die Hälfte der 17 Frankfurter Saisontore gehen somit auf Gekas' Konto, im DFB-Pokal war er mit seinem Doppelpack gegen Hamburger SV ebenfalls der Matchwinner.

Der aktuelle Aufschwung der Eintracht ist eng mit seinem Namen verbunden.

Trainer Michael Skibbe, der Gekas auch schon zu Bayer Leverkusen holte, erklärte kürzlich, dass er "selten einen Spieler mit einem solchen Torinstinkt" gesehen habe.

Ein anderes Mal bezeichnete er ihn als "Schlitzohr", dann bemerkte er, dass der Angreifer ihn sogar "ein wenig an Gerd Müller" erinnere.

[kaltura id="0_d12cb6hr" class="full_size" title="Theofanis Gekas im Exklusiv Interview"]

Tätowierung als Bestimmung

Gekas ist kein spielender Stürmer, er bereitet kaum Tore vor, bestreitet wenig Zweikämpfe und hat nur wenige Ballkontakte.

Auf seinen rechten Unterarm hat er chinesische Schriftzeichen tätowiert, dort steht "Vollstrecker". Und genau darum geht es: Toreschießen mit höchster Effizienz.

Für seine neun Treffer benötigte er gerade mal 19 Torschüsse, eine Quote von der selbst Weltklasse-Stürmer nur träumen können.

Und wer Gekas beobachtet, dem kommt der Verdacht, dass der 30-Jährige keine anderen Interessen hat. Auf und neben dem Platz.

"Ich lasse Tore sprechen"

Obwohl er schon mehr als vier Jahre in Deutschland ist, spricht der 1,79 Meter große Angreifer kein Deutsch. "Ich lasse lieber Tore sprechen", ließ er bei seiner Vorstellung in Frankfurt mitteilen. Und das tut er schon immer.

2005 wurde er Torschützenkönig in der griechischen Liga, beim VfL Bochum gelang ihm dieses Kunststück mit 20 Treffern in der Saison 2006/07.

Trainer Marcel Koller bezeichnete ihn damals als "Lebensversicherung".

Karriereknick in Leverkusen

Einen Karriereknick erlebte Gekas allerdings bei Bayer Leverkusen, wo ihm vorgeworfen wurde, nicht mannschaftsdienlich genug zu spielen.

Er wurde nach Portsmouth ausgeliehen, wo er überhaupt nicht zum Zuge kam.

Nach seiner Rückkehr zur Werkself führte ihn sein Weg zu Hertha BSC, wo er trotz sechs Treffern in der Rückrunde den Abstieg nicht verhindern konnte.

Und genau hier liegt der Knackpunkt: Damit Gekas seine Tore erzielen kann, muss das Spiel auf ihn zugeschnitten sein.

Lob für die Kollegen

Das war in Bochum so. Und auch jetzt in Frankfurt passt der Angreifer bestens ins Mannschaftsgefüge.

Auf rechts machen Patrick Ochs und Sebastian Jung jede Menge Dampf, von der linken Seite kommen präzise Zuspiele von Benjamin Köhler und Landsmann Georgios Tzavellas. Auch in der Zentrale verfügen die Frankfurter mit Alex Meier, Pirmin Schwegler oder Chris über starke Passspieler.

"Dass ich treffe hängt auch davon ab, dass wir ordentlich spielen und ich oft gesucht werde", sagte Gekas.

Es scheint fast so, als wäre der Grieche das Puzzleteil, dass den Frankfurtern in den letzten Jahren gefehlt hat.

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